Berufspolitik

Integration von Zuwanderern in die Gesundheitsberufe

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Zuwanderer können in die Gesundheitsberufe integriert werden. WaveBreakMedicalMicro/fotolia
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Aus der Situation des anhaltenden Zuzugs von Migranten erwächst die gesellschaftliche Chance, qualifizierten und interessierten Zuwanderern erfolgreich Wege in die Gesundheitsberufe zu ebnen.


Am 2. Dezember fand in Berlin ein Ad-hoc-Workshop zum Thema „Integration von Zuwanderern in die Gesundheitsberufe“ statt. Eingeladen hatten das Netzwerk Deutsche Gesundheitsregionen (NDGR) und der Verein zur Förderung eines Nationalen Gesundheitsberuferates (NGBR). Mehr als 80 Spezialisten aus 10 Gesundheitsregionen und zahlreichen Fachverbänden, einschließlich DVTA, sowie Bundes- und Länderministerien trafen sich zu einem Erfahrungsaustausch.


Neben Vorträgen wurde auch in den anschließenden Diskussionsbeiträgen der Fachkräftemangel in den Gesundheitsfachberufen und die Notwendigkeit, diesem Personalmangel entgegenzuwirken, thematisiert. So bemühen sich zahlreiche Gesundheitsregionen seit Jahren um Fachkräftesicherung und werben auch im Ausland.


Parallel dazu wurde erörtert, dass Deutschland sich den politischen und sozialen Herausforderungen der Flüchtlingsbewegung stellen muss. Aus der einzigartigen Situation des anhaltenden Zuzugs von Migranten erwächst, u.a. für die Gesundheitsbranche, die gesellschaftliche Chance, qualifizierten und interessierten Zuwanderern erfolgreich Wege in die Gesundheitsberufe und damit zur beruflichen Integration zu ebnen.


Welche Erfahrungen mit der Integration von Zuwanderern in Gesundheitsberufe in den letzten Jahren gesammelt wurden, welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten aus der derzeitigen Gesetzeslage resultieren und dass die Notwendigkeit besteht, neue Wege und Lösungsansätze zu entwickeln, waren die Themen des Workshops.


Aus den Vorträgen und der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass Flüchtlinge mit Gesundheitskompetenz dringend gebraucht werden, dass eine Willkommenskultur allein jedoch nicht ausreicht, sondern viel Arbeit in den Aufbau einer zielgerichteten Willkommensstruktur zwingend erforderlich ist. Angesprochen wurden neben den sprachlichen Herausforderungen auch die kulturellen Unterschiede, mit denen sich sowohl die Zuwanderer als auch die Mitarbeiter und die Führungskräfte progressiv auseinandersetzen müssen.###more###


Viele Regionen haben mit der Entwicklung und Erprobung von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für Zuwanderer begonnen. Aus den Beiträgen wurde ersichtlich, dass es dort am besten funktioniert, wo sich Netzwerke und Plattformen zur Zusammenarbeit gebildet haben und sich gegenseitig ergänzen. Einen neuen Ansatz stellte Berlin-Brandenburg vor. Hier wird versucht, von schwedischen Erfahrungen zu lernen und auf ein Matching von Potenzialen und Bedarfen hinzuarbeiten. Ostwestfalen-Lippe stellte die Zusammenarbeit mehrerer Krankenhäuser mit der Agentur für Arbeit und der Bürgerstiftung vor.


Einen interessanten Vortrag hielt Barbara Schmidt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Sie gab einen Überblick zu den ESF-Förderprogrammen 2014-2020 und stellte das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung im Kontext Anerkennungsgesetz“ vor. Ziel ist es, Personen mit Migrationshintergrund zu den erforderlichen Qualifizierungen zu verhelfen, die zur vollen Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen benötigt werden oder die eine bildungsadäquate Erwerbsmöglichkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ermöglichen und somit die Förderung nachhaltiger und hochwertiger Beschäftigung und Unterstützung der Mobilität der Arbeitskräfte gewährleisten.


Bausteine sind dabei Ausbau der Anerkennungs-/Qualifizierungsberatung, Qualifizierungsmaßnahmen bei reglementierten Berufen, Anpassungsqualifizierungen im Bereich des dualen Systems, Brückenmaßnahmen für Akademiker/innen, Vorbereitung auf die Externenprüfung bei negativem Ausgang/Prognose des Anerkennungsverfahrens. Das Ganze ist ausgerichtet auf Personen mit Migrationshintergrund, unabhängig vom Aufenthaltstitel, die im Rahmen des Anerkennungsverfahrens keine volle Gleichwertigkeit ihres ausländischen Berufsabschlusses erhalten haben oder nach der Bewertung durch die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) nach Brückenmaßnahmen zur qualifikationsadäquaten Einmündung in den Arbeitsmarkt benötigen.


In ihren Ausführungen machte Frau Schmidt deutlich, dass die Zeit reif ist, die Erfahrungen und Ideen zu bündeln und tragfähige Konzepte zu entwickeln und hierbei mit der Unterstützung durch die Arbeitsmarktpolitik gerechnet werden kann.


Aus den facettenreichen Beiträgen des Abends wurde eine To-do-Liste für die nächsten Monate erstellt:
Ein aktivierendes Zugehen auf Flüchtlinge, um frühzeitig Zuwanderer mit Gesundheitskompetenzen zu erkennen

  • eine Beschleunigung der Anerkennungsverfahren
  • eine Bündelung der Ansätze und gemeinsame Projekte (Stichwort „Übertragbarkeit“ und Gesundheitsregionen als ideale Plattform)
  • der Ausbau interkultureller Kompetenzen im mittleren Management von Gesundheitseinrichtungen
  • eine klare Richtungsentscheidung, dass Flüchtlinge mit Gesundheitskompetenzen für die Gesundheitswirtschaft eine große Zukunftschance sind.


Der begonnene Erfahrungsaustausch soll fortgesetzt werden. Der DVTA hat sowohl gegenüber dem BMAS als auch NDGR und NGBR seine Bereitschaft bekundet, sich aktiv und kooperierend in diesen Prozess und die Netzwerke einzubringen, u.a. mit Beratung und Unterstützung bei der Antragstellung im Rahmen von Anerkennungsverfahren, bei der Suche nach Praktikumsplätzen, als Ansprechpartner für Arbeitgeber und der Auslotung weiterer Kooperationsmöglichkeiten. Gespräche dazu sind für die nächsten Wochen geplant.

Vorstand

Vorstandsreferentin

Aus: DVTA Service Berufspolitik 1/2016

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