Umfrage

Umgang mit Patientenverfügungen

Viele Patientenverfügungen sind unzureichend formuliert, so dass daraus keine konkreten Handlungsanweisungen abgeleitet werden können.

Patientenverfügung

Die wenigsten Verfügungen sind so klar formuliert, dass Intensivmediziner sie umsetzen können. | Fotolia/nmann

Immer mehr Menschen möchten durch eine Patientenverfügung sicherstellen, dass am Lebensende keine medizinischen Maßnahmen gegen ihren Willen erfolgen. Laut einer aktuellen Umfrage begrüßt die Mehrheit der leitenden Intensivmediziner in Deutschland diese Entwicklung. Gleichzeitig stellen sie jedoch fest, dass die meisten Dokumente unzureichend formuliert sind, so dass daraus keine konkreten Handlungsanweisungen abgeleitet werden können. Eine weitere Umfrage unter Beratern ergab, dass viele wichtige Aspekte beim Aufsetzen des Dokuments nicht besprochen werden.

Wer eine Patientenverfügung erstellen will, kann sich in Deutschland an einen Hausarzt oder einen Notar wenden. Krankenhäuser bieten Gespräche mit sogenannten Überleitungsfachkräften an. Viele Hospizvereine haben ebenfalls ausgebildete Mitarbeiter, die Patienten beim Erstellen einer Verfügung unterstützen. Sabine Petri vom Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München hat 198 Berater der verschiedenen Berufsgruppen im Raum München nach ihrem Vorgehen befragt.

In den meisten Fällen dauerten die Beratungsgespräche bis zu 60 Minuten und umfassten ein bis zwei Termine. Dabei kamen die Themen „Flüssigkeitszufuhr und Ernährung“, „dauerhafte Bewusstlosigkeit“ und „tödliche Erkrankung“ am häufigsten zur Sprache. Jedoch wurde in weniger als der Hälfte der Fälle  „Notfallpläne“ erstellt. Diese enthalten Maßnahmen wie Reanimation, Bluttransfusion oder Beatmung und ermöglichen den verantwortlichen Ärzten ein schnelles Handeln. Zudem mündeten nur zwischen 29 und 51 Prozent aller Beratungen in einer fertigen Verfügung, schreibt  Petri.

Sie vermisste auch, dass häufig keine Angehörigen am Gespräch beteiligt waren. Diese seien später oftmals ein wichtiger Ansprechpartner, um bei unklaren Patientenverfügungen den mutmaßlichen Willen des Patienten herauszufinden.

Denn tatsächlich sind die wenigsten Verfügungen so klar formuliert, dass Intensivmediziner sie umsetzen können. Susan Langer vom Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft an der Universität Halle-Wittenberg hat hierzu 222 leitende Intensivmediziner größerer Krankenhäuser befragt. Rund 71 Prozent der Mediziner gaben an, dass sie Patientenverfügungen generell als hilfreich empfänden. Gleichzeitig bemängeln 90 Prozent, dass in der Praxis die Behandlungswünsche der Patienten nicht klar genug definiert seien und die Dokumente den konkreten Krankheitsfall selten bis nie abdeckten.