Neues aus der Berufspolitik

MTRA-Notstand

In der von Philips initiierten Studie „Radiology staff in focus“ wird festgehalten, dass die Burnout-Raten von Medizinisch-technischen Radiologieassistenten/-innen (MTRA) mit 97 % eine traurige Spitzenposition gegenüber den USA, Frankreich und dem Vereinigten Königreich einnehmen.

MTRA-Notstand

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Es ist daher der Notstand für MTRA auszurufen. Nicht nur, dass es in den MTA-Berufen einen eklatanten Nachwuchsmangel gibt, auf den die Politik und die Arbeitgeber trotz DKI-Gutachten und starker Öffentlichkeitsarbeit des DVTA nicht reagieren, nun belegt auch noch die Philips-Studie, dass die erwerbstätigen MTRA bis zum Rande der Erschöpfung ausgenutzt werden. Arbeitgeber und Politik sind hier aufgefordert, für das notwendige Personal und den Gesundheitsschutz der MT(R)A-Berufe Sorge zu tragen, wie zum Beispiel durch eine angemessene Personalbemessung und die Überwachung der Einhaltung.

Die Studie zeigt klar auf, dass der Druck auf eine stets steigende Nachfrage schnell zu reagieren, sinkende Budgets wie insbesondere der Fachkräftemangel und der daraus resultierende Burnout zu den großen Stellenbesetzungsproblemen im Bereich der MTRA geführt haben, der mittlerweile nicht nur in Deutschland, sondern weltweit zu verzeichnen ist.

Es besteht daher dringender Handlungsbedarf!

Damit auch morgen noch die Diagnostik wie Therapie mit stets neuen Technologien im Bereich der Radiologie und Strahlentherapie durch MTRA gewährleistet werden kann, ist es dringend erforderlich, für bessere Arbeitsbedingungen für MTRA zu sorgen, das heißt mehr Nachwuchs auszubilden und die bereits tätigen MTRA mit ihren Kompetenzen entsprechenden Aufgaben und Zeit im Patientenkontakt auszustatten wie auch das Arbeitsumfeld besser zu gestalten.

Als Ursachen der Problematik gibt die Philips-Studie insbesondere an, dass das vorherrschende Thema immer noch sei, „mache mehr mit weniger“ und dass zusätzliche Arbeiten, wie zum Beispiel Patiententransporte, Dokumentation und andere nicht zur MTRA gehörende Tätigkeiten an diese in zunehmendem Maße delegiert werden, ungeachtet dessen, dass auch die Anzahl der bildgebenden und anderen Verfahren zunimmt.

Als mögliche Abhilfemaßnahmen sieht die Studie insbesondere eine klare Diagnosestellung durch die anordnenden Ärzte/-innen, rechtzeitiges Zurverfügungstellen von Patientinnen- und Patienteninformationen, gutes technisches Equipment mit entsprechender Einweisung, Effizienz im Workflow und gute Teambildung.

Denkbare Ansätze werden in einem guten Training für neue Technologien, Teambildungsmaßnahmen, Mentoring und dem Teilen von Best-Practice-Beispielen gesehen. Die Studie sieht dringenden Handlungsbedarf, da die Technik die aufgezeigte Belastung der MTRA nur zu einem geringen Prozentsatz auffangen kann.

Festzuhalten ist auch, dass der Handlungsbedarf in allen MTA-Berufen besteht. Wie bereits im Krankenhausbarometer 2011 und jüngst in der Krankenhausbefragung 2019 des Deutschen Krankenhausinstitutes festgestellt, herrscht in allen MTA-Berufen akuter Fachkräftemangel.

Die Krankenhäuser zeigen an, dass 56 % der MTRA, 24 % der MTLA und 17 % der MTAF- Stellen nicht besetzt werden können, da es an MTA fehlt.

Im Zeitvergleich haben die Stellenbesetzungsprobleme in allen drei Berufsgruppen merklich zugenommen. 2011 hatten noch 23 % der Krankenhäuser Probleme, offene MTRA-Stellen zu besetzen, bei MTLA waren es 4 % und bei MTAF 2 % der Krankenhäuser.

Hochgerechnet auf die Grundgesamtheit sind aktuell in den deutschen Krankenhäusern damit 1.170 Vollzeitstellen für MTA unbesetzt, davon 840 für MTRA, 230 für MTLA und 100 für MTAF (jeweils in Vollzeitkräften). 2011 waren es noch 425 Vollkraftstellen.

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, bedarf es moderner Ausbildungsgesetze, einer adäquaten Berufsbezeichnung und Karriereperspektiven für die MTA-Berufe. Auch ist es wichtig, dass die Arbeitsbedingungen so gestaltet werden, dass eine hohe Arbeitsbelastung insbesondere auch mit fachfremden Aufgaben und auch eine hohe Arbeitsverdichtung dadurch gemindert werden, indem eine ausreichende Anzahl an MTA eingestellt wird und diese entsprechend vergütet und wertgeschätzt werden. Dies bedingt natürlich auch, dass eine entsprechende Anzahl an MTA ausgebildet wird.

Der DVTA setzt sich dafür ein, dass der dringende Handlungsbedarf in den MTA-Berufen in der Politik und bei den Arbeitgebern ankommt.

 

Entnommen aus MTA Dialog 2/2020