Pionier der US-amerikanischen Neurologie

James Jackson Putnam

James Jackson Putnam war ein amerikanischer Arzt, der als Pionier der amerikanischen Neurologie gilt. Er war Professor für Neurologie an der Harvard Medical School, eng mit Sigmund Freud befreundet und verfasste über 100 Beiträge zu klinischer und pathologischer Neurologie.

 

James Jackson Putnam

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James Jackson Putnam war ein amerikanischer Neurologe. Er wurde am 3. Oktober 1846 als Sohn des Arztes Dr. Charles Gibson Putnam und Elizabeth Cabot Putnam in Boston, Massachusetts, geboren. Seine Familie gehörte zu den hoch angesehenen Amerikas und hatte mit seinem Vater und seinem Bruder Charles Pickering Putnam bekannte Ärzte hervorgebracht. Sein Großvater Samuel Putnam war Richter am Supreme Court in Massachusetts. Putnam gilt als Pionier der US-amerikanischen Neurologie. Er starb am 4. November 1918 in Boston.

Früher Abschluss und Studium im Ausland

Putnam studierte am Harvard College und schloss dieses mit gerade einmal 20 Jahren 1866 und dem Titel Bachelor of Arts ab. Danach absolvierte er 1869 die Harvard Medical School. Nachdem er einige Zeit im Massachusetts General Hospital gearbeitet hatte, führte er sein Studium der Neurologie in Europa fort, unter anderem in Leipzig, Wien, Berlin, Paris und London. Dort machte er auch Bekanntschaft mit Karl von Rokitansky (1804-1878), Theodor Meynert (1833-1892) und John Hughlings Jackson (1835-1911).

Erste Spezialisierung bei Nervenkrankheiten

Nach seiner Rückkehr in die USA bekam er 1872 eine Anstellung als Dozent für die Anwendung von Elektrizität bei Nervenkrankheiten bzw. in der ambulanten Elektrik und Neurologie an der Harvard Medical School. Dies war die erste Art der Spezialisierung für Nervenkrankheiten. Sein Titel in der Elektrik bezog sich dabei auf seine Behandlungsmethoden. Diese führte er mit einer Batterie und einem kleinen handbetriebenen elektronischen Generator durch. 1875 war Putnam Klinikleiter der Neurologie und 1893 wurde er zum Professor für Neurologie ernannt, was er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1912 blieb.

Er arbeitete nach seiner Rückkehr ab 1874 auch wieder am Massachusetts General Hospital als Neurologe. Er gründete dort eine der ersten neurologischen Kliniken der USA, die später der neurologische Bereich der Harvard Medical School wurde. Zu dieser Zeit steckte die Neurologie dort noch in den Kinderschuhen. Weil es im Krankenhaus keine geeigneten Laborräume gab, hat Putnam kurzerhand einen Teil seines eigenen Hauses in ein neuropathologisches Labor umgebaut. Sein Büro, in das Patienten geschickt wurden, die unter Strom gesetzt werden sollten, wurde direkt beim Haupteingang des Krankenhauses eingerichtet. Binnen kurzem wurde es von Patienten überflutet, deren Krankheiten mysteriös waren und mit denen sich sonst kein anderer Arzt beschäftigen wollte. Sein Büro bekam schon bald den Beinamen „Cloaka Maxima“.

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Meinungsänderung in der Psychoanalyse

Putnam war zudem einer der sieben Gründer der American Neurology Association im Jahr 1874 und ihr Präsident 1888. Ferner war er auch Mitbegründer der Boston Society of Psychiatry and Neurology. Als er sich immer weiter mit psychischen Krankheiten vertraut machte, hat er in Zusammenarbeit mit einigen Kollegen aus Boston in den 1890er Jahren Experimente mit Hypnose und Psychotherapie gemacht. Sein Interesse an der Psychoneurose und der Anwendung der Psychoanalyse wuchs stetig und wurde durch die Bekanntschaft mit Sigmund Freud weiter verstärkt.

In der ersten Zeit seiner Karriere war Putnam sehr kritisch gegenüber funktionalen oder psychologischen Erklärungen von nervlichen Symptomen eingestellt, aber seine Meinung änderte sich über die Jahre radikal. Maßgeblich wurde er durch gerichtsmedizinische Erkenntnisse bei Fällen von traumatischer Neurose beeinflusst. Zwischen 1890 und 1909 hat Putnam informell mit Psychologen, Philosophen und Psychiatern zusammengearbeitet, darunter William James, Josiah Royce und Hugo Munsterberg, um eine hochwertige wissenschaftliche Psychotherapie zu entwickeln. Der erste Beweis für seine Meinungsänderung in der Psychotherapie war die 1895 veröffentlichte Arbeit mit dem Titel „Remarks on the Psychical Treatment of Neurasthenia“. 1906 publizierte Putnam den ersten klinischen Test einer Psychoanalyse im englischsprachigen Raum, mit der Bemerkung, dass Freuds Behauptungen zwar anregend, aber übertrieben seien.

Freundschaft zu Freud

Putnam lernte Freud während dessen Besuch an der Clark Universität 1909 kennen und lud ihn im selben Jahr zu einem Besuch im Adirondack Camp ein. Dieser Einladung kam Freud nach und die beiden Männer hatten Gelegenheit, sich ausgiebig auszutauschen. Sie verband eine intellektuelle Freundschaft trotz unterschiedlicher Ansichten oder sozialer Werte.

Neben seinen zahlreichen Beiträgen für die Neuropathologie und die Neurologie hat Putnam als erster die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass Hypothyreose in ein Myxödem enden kann. Außerdem war er einer der ersten, der Störungen der Basalganglien studiert hat.

Bedeutende Beiträge für die pathologische Neurologie

Putnam hat in seiner knapp 50 Jahre andauernden Karriere über 100 Beiträge zu klinischer und pathologischer Neurologie verfasst. In seiner frühen Karriere hat er Experimente zur Lokalisierung von Hirnfunktionen zusammen mit Henry P. Bowditch, Professor für Physiologie in Harvard, durchgeführt. Seine neurologische Arbeit nahm hauptsächlich Störungen des Rückenmarks und der peripheren Nerven in den Fokus. Putnams erste bedeutende Publikation 1881 war die erste adäquate Beschreibung von Parästhesien in den Händen. Er schrieb bedeutende Arbeiten über Nervenentzündungen, besonders über solche, die durch eine Arsen- oder Bleivergiftung ausgelöst werden. 1879 äußerte er sich zudem zu gesellschaftlichen Aspekten, indem er die Rolle der Frauen in der Medizin verteidigte. In seinem 1915 veröffentlichten Buch „Human Motives“ setzt er sich mit sozialen und ethischen Fragen auseinander.

 

Quellen: