Die Gretchenfrage

Hilft bessere Bezahlung gegen den Pflegemangel?

Sind höhere Löhne der Schlüssel zur Beendigung des gravierenden Fachkräftemangels in der Pflege? Beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit diskutieren Experten aus Politik und Gesellschaft im Juni über dieses Thema, das vielen unter den Nägeln brennt.

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Wie wird die Pflege der Zukunft aussehen? Experten diskutieren. | drubigphoto/Fotolia

Während ein Fluglotse durchschnittlich knapp 68.000 Euro im Jahr verdient und Fachkräfte in den Bereichen Kundenservice und Logistik mit mehr als 39.000 Euro entlohnt werden, bekommt ein Altenpfleger im Durchschnitt nur 24.657 Euro brutto. Aber nicht überall: Der Monatsverdienst für eine Pflegefachkraft lag im Jahr 2015 je nach Bundesland zwischen 1.879 und 2.871 Euro. Wer am falschen Ort arbeitet und jung ist, verdient also auch noch bis zu 35 Prozent weniger.

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Ein neues Modellprojekt soll langfristig dazu beitragen, den Einsatz von akademisch qualifizierten Pflegenden zu untersuchen.

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Die Folgen kann man in Sachsen sehen: Dort werden mit etwa 1.600 Pflegekräften pro Jahr zwei Drittel über Bedarf ausgebildet, aber das reicht fürs Bundesland nicht. Denn viele Absolventen wandern ab, wechseln nach der Ausbildung in einen anderen Beruf oder gehen nur einer Teilzeitbeschäftigung nach. Mancherorts führt Fachkräftemangel bereits zu Aufnahmestopps und Bettenstilllegungen in Pflegeeinrichtungen.

Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung erkennt einen direkten Zusammenhang zwischen dem Fachkräftemangel aufgrund geringer Attraktivität des Berufs und mangelnder Verhandlungsstärke bei den Löhnen: "Wenn Fluglotsen knapp sind, steigen die Löhne relativ stark und über Streiks können sie höhere Gehälter fordern. Altenpfleger hingegen sind weniger gewerkschaftlich organisiert. Da wird Fachkräftemangel beklagt, aber es fehlt die Macht, bessere Löhne durchzusetzen."

Der Ruf nach gerechteren Löhnen wird lauter

Das sieht der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, ähnlich: "Überall wo in Deutschland über Pflege entschieden wird, sitzt die Pflege nicht mit am Tisch." Über Jahrzehnte hätten die Krankenhäuser auf Kosten der Pflege gespart, während sich die Ärzte satte Tariferhöhungen erkämpfen konnten, so Laumann.

Bei einer repräsentativen Umfrage unter Pflegekräften im Herbst 2016 lautet die häufigste Antwort auf die Frage, welche Maßnahmen den Personalmangel lindern könnten: Die Bezahlung müsse erhöht werden. Sylvia Bühler von der Gewerkschaft ver.di fordert nun: "Dass viele Arbeitgeber die Empathie der Beschäftigten und ihr großes Engagement so schamlos ausnutzen können, muss aufhören!" Die wiederum halten dagegen: Eine von ver.di geforderte Steigerung des Pflegemindestlohns auf 12,50 Euro verglich der Präsident des bpa Arbeitgeberverbands, Rainer Brüderle, mit "Cockpit-Niveau".

Unter dem Titel "Die Gretchenfrage: Gerechte Bezahlung in der Pflege" diskutieren auf dem Hauptstadtkongress im Juni in Berlin: Karl Brenke, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Dietmar Erdmeier, Gewerkschaftssekretär im Bereich Gesundheitspolitik beim Bundesvorstand von ver.di, Kai A. Kasri, Geschäftsführender Gesellschafter der Vivaldo GmbH, Rupert Niewiadomski, Geschäftsführer der Katholischen Sozialstation Freiburg im Breisgau und Rainer Brüderle, Bundesminister a. D. und Präsident des bpa Arbeitgeberverbands.

 

Der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit ist mit mehr als 8.000 Entscheidern aus Gesundheitswirtschaft und Politik die jährliche Leitveranstaltung der Branche. Der 20. Hauptstadtkongress findet vom 20. bis 22. Juni 2017 im CityCube Berlin statt.

 
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Quelle: Hauptstadtkongress