Dialog

Erfahrungen beim Anpassungslehrgang

Interview mit Lorela Pjetërgjokaj
Die Fragen stellte Ludwig Zahn.
Titelbild zum Interview mit Lorela Pjetërgjokaj
© privat
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Lorela Pjetërgjokaj hat ihre Ausbildung in Labortechnik (Bachelor/Master) in Albanien absolviert. In Deutschland hat sie einen Anpassungslehrgang beim DIW-MTA zur Anerkennung als MTA besucht. Sie arbeitet inzwischen in einem MVZ in Wiesbaden. Im Interview schildert sie ihre Erfahrungen mit dem deutschen System.

Frau Pjetërgjokaj, Sie haben Ihr Studium zum Master of Science in Labortechnik in Albanien absolviert. Und danach noch den Anpassungslehrgang am DIW-MTA. Was würden Sie sagen ist der größte Unterschied beim Vergleich der Ausbildung?

Während meiner Masterausbildung lag der Fokus auf dem Vertiefen des theoretischen Wissens und besonders der statistischen Bearbeitung von Daten. Die Theorie machte den größten Teil aus, was während meines Bachelors und während der Anerkennung anders war. Da musste ich mich mehr mit der Praxis beschäftigen.

Wie waren Ihre Erfahrungen mit dem Verfahren der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse in Deutschland? Können Sie uns Ihren Fall kurz schildern? Wo haben Sie Ihre Anerkennung beantragt? Lief es so, wie Sie es erwartet hatten? Was lief gut, was lief weniger gut?

Ich habe meine Anerkennung beim Regierungspräsidium Darmstadt beantragt. In meiner Vorstellung dachte ich, dass ich meine übersetzten Zeugnisse dahinschicke und bald danach würde ich die Anerkennung bekommen. Es lief nicht genau so ab. Die Bearbeitung meiner Dokumente hat einige Monate gedauert. Die Schulsuche war aber das Schwierigste für mich. Leider konnte ich keine staatliche Schule in Hessen, NRW, Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg finden, an der ich eine Prüfung oder einen Anpassungslehrgang machen konnte. Meine Ansprechpartnerin beim Regierungspräsidium hat mir dann vom DIW-MTA erzählt, die mir einen Anpassungslehrgang angeboten haben.

Wie lange dauerte Ihr Anerkennungsverfahren insgesamt?

Ich habe im März 2019 beantragt und schließlich im Mai 2022 meine Anerkennung bekommen.

Die Finanzierung ist oft ein großes Thema bei Anerkennungen von ausländischen Berufsabschlüssen. War die Finanzierung des Anpassungslehrganges ein Problem?

Bei mir war die Finanzierung von Anfang an gelöst. Mir war sehr wichtig, meine Anerkennung so schnell wie möglich zu bekommen. Deshalb habe ich auch mit der Hilfe meiner Eltern alles selbst bezahlt.

Sie haben als Medizinische Assistentin in Tirana gearbeitet und jetzt in einem MVZ in Wiesbaden. Was würden Sie sagen, sind die größten Unterschiede beim Vergleich der Arbeit im Labor in beiden Ländern? Fiel es Ihnen leicht, sich ins deutsche System einzufinden?

Ich kann meine Arbeit in Tirana nicht genau vergleichen mit der Arbeit in Deutschland, da ich in Albanien in einer Praxis für Chemie und Hämatologie gearbeitet habe und hier arbeite ich in der Mikrobiologie. Eventuell ist ein Unterschied für mich die Technologie, die in Deutschland anspruchsvoller als in Albanien ist. Mir ist es leichtgefallen, mich im deutschen System einzufinden. Die Prinzipien bleiben ja dieselben.

Wie sieht es mit der Laborausstattung im Vergleich der beiden Länder aus?

In Deutschland werden viel mehr Teste durchgeführt, die Geräte haben teilweise bessere Betriebssysteme, die Umsetzung der neuen WHO-Regeln kann man aber gleichsetzen.

War die Sprache ein großes Hindernis?

Die Sprache war nur teilweise ein Hindernis. Am Anfang ist es mir schwergefallen, mit mehreren Begriffen umzugehen. Ich war es gewohnt, alles auf Latein zu haben, und hier wurde dann alles auf Deutsch übersetzt. Für mich klang alles identisch (Schienbein, Schlüsselbein, Siebbein ...). In der Kommunikation mit den Kollegen und Vorgesetzten war die Sprache aber kein Problem.

Was raten Sie anderen, die sich um eine Anerkennung des ausländischen Berufsabschlusses bemühen wollen?

Meiner Meinung nach sollte man sich vorab über das Verfahren gut informieren und bereits über ausreichend Deutschkenntnisse verfügen. Außerdem sollte man den Unterricht ernst nehmen und verfolgen und nicht davon ausgehen, dass man das meiste schon kann, da man im Ausland bereits eine Ausbildung abgeschlossen hat.

 

Entnommen aus MTA Dialog 8/2022

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