Bornavirus-Erkrankung mit Nuklearmedizin früher erkennen

Einsatz von 18F-FDG PET/CT
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Spitzmaus
© Сергей Зайцев/stock.adobe.com
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Bornavirus-Erkrankungen sind zwar sehr selten, aber sie enden meist tödlich. Eine Früherkennung einer seltenen Bornavirus-Gehirnentzündung wäre deshalb extrem hilfreich. Hier gibt es nun Fortschritte.

Das Bunthörnchen-Bornavirus VSBV-1 als Erreger einer Enzephalitis ist bereits seit 2011 bekannt. Auch das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1) ist schon seit Langem als Erreger der Borna’schen Krankheit bei Pferden, Schafen und anderen Säugetieren in Mitteleuropa bekannt. Im Jahr 2018 wurde das Virus erstmalig als Ursache für schwere Gehirnentzündungen (Enzephalitis) beim Menschen nachgewiesen. Das Virus löst beim Menschen eine fast immer tödlich endende Gehirnentzündung aus und wird durch Feldspitzmäuse übertragen, durch direkten Kontakt mit einem Tier oder seinen Ausscheidungen. Die Mäuse leben auf Brachgebieten, z.B. Straßenböschungen, Steinmauern oder unter Hecken, sind aber sehr scheu und nachtaktiv, sodass Begegnungen zwischen Feldspitzmaus und Mensch eigentlich eher selten vorkommen. Andere Tiere, z. B. infizierte Pferde, Schafe und andere Säuger, gelten derzeit für Menschen als nicht-infektiös.

Bisher keine spezifische Therapie

Zwei bis sechs Menschen erkranken jährlich in Deutschland. In Bayern ist das Virus endemisch. Seit dem 1. März 2020 gibt es zudem eine Meldepflicht für BoDV-1-Infektionen. Laut Informationen des Robert Koch-Instituts zeigen infizierte Patientinnen und Patienten anfangs Kopfschmerzen, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Bei allen bislang bekannten Erkrankungsfällen kam es anschließend zu neurologischen Symptomen, z. B. Verhaltensauffälligkeiten und Sprach- und Gangstörungen. Im weiteren Verlauf der Krankheit fallen die Menschen innerhalb weniger Tage oder Wochen ins Koma. Die Infektion verläuft fast immer tödlich. Eine spezifische Therapie gegen Bornavirus-Infektionen gibt es zum aktuellen Zeitpunkt nicht.

71-jährige Patientin verstorben

„Erst kürzlich konnten wir bei einer 71-jährigen Patientin die schwierige Diagnose einer Borna-Enzephalitis stellen. Sie hatte sich aus voller Gesundheit heraus über mehrere Wochen hinweg kontinuierlich neurologisch verschlechtert und war letztendlich an den Folgen der schweren Gehirnentzündung verstorben“, erklärt Prof. Dr. Markus Naumann, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Augsburg. Zunächst waren alle Untersuchungen wie Kernspintomografien des Gehirns und ausführliche Labor- und Nervenwasseruntersuchungen völlig unauffällig verlaufen.

Einsatz der 18F-FDG PET/CT

Die Wissenschaftler und Ärzte wandten dann ein nuklearmedizinisches Verfahren an, das normalerweise zur Diagnostik bei Tumorerkrankungen und Entzündungen dient: die 18Fluorodeoxyglucose Positronenemissionstomografie / Computertomografie (18F-FDG PET/CT). Damit stellten sie einen krankhaft veränderten Glukosestoffwechsel im Gehirn der Patientin fest. „Das ist bemerkenswert, weil diese Auffälligkeit sichtbar wurde, lange bevor wir mit wiederholten Kernspintomografien und einem Antikörpernachweis schließlich das Bornavirus nachweisen konnten“, sagt Prof. Dr. Antonios Bayas. Er ist Leiter der Sektion Klinische Neuroimmunologie an der Klinik für Neurologie.

Einsatz bei Gehirnentzündung mit ungeklärter Ursache

Mit der genauen Beschreibung dieses Falles wollen Bayas, Naumann und die weiteren beteiligten forschenden Ärztinnen und Ärzte weltweit darüber informieren, dass bei schweren Fällen einer Gehirnentzündung mit ungeklärter Ursache unbedingt auf eine Infektion mit dem Bornavirus getestet werden sollte. „Das gilt vor allem, wenn man sich einem Risikogebiet befindet. Das 18F-FDG PET/CT kann hier sehr früh diagnostisch wegweisend sein“, sagt Bayas.

Literatur:
Bayas A, Menacher M, Lapa C, et al.: 18Fluorodeoxyglucose PET/CT as possible early diagnostic tool preceding MRI changes in Borna disease virus 1 encephalitis. The Lancet. Volume 403, Issue 10427.

Quelle: idw/Uni Augsburg

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