Hunde sind mögliche Quelle

Zwergfadenwurm-Infektionen des Menschen

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie in Tübingen verglichen mittels molekularbiologischer Analysen, ob Menschen und Hunde in Kambodscha mit derselben Spezies des Zwergfadenwurms Strongyloides stercoralis infiziert sind.

Strongyloides-Larve

Vorderende einer infektiösen Strongyloides-Larve (Raster-EM-Aufnahme) | Adrian Streit

Die von den Fadenwürmern ausgelöste Infektion steht auf der WHO-Liste der vernachlässigten tropischen Krankheiten. Es ist ein altbekanntes Klischee, dass sich Hunde und ihre Besitzer verblüffend häufig ähneln. Abgesehen von Äußerlichkeiten - ganz sicher teilen sich Menschen und Hunde ihre Parasiten. Und auch diese sind sich mitunter so ähnlich, dass sie nur durch genetische Analysen unterschieden werden können. Diese genetische Unterscheidung nahm nun eine Forschergruppe des Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie für einen Menschen und Hunde befallenden Zwergfadenwurm vor.

Strongyloidose – eine vernachlässigte Krankheit

Der Zwergfadenwurm Strongyloides stercoralis befällt sowohl Menschen als auch Tiere. Er kommt vor allem in feuchtwarmen Regionen der Erde vor, wobei davon ausgegangen wird, dass etwa 300 Mio. Menschen mit Zwergfadenwürmern infiziert sind. Die von dem Zwergfadenwurm ausgelöste Strongyloidasis zählt, als über den Boden übertragene Wurminfektionen (soil-transmitted helminths, STH), gemäß WHO zu den vernachlässigten Tropenkrankheiten (Neglected Tropical Diseases/NTDs). Vor allem für Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem, beispielsweise nach einer Organtransplantation oder an Immunsystemerkrankungen leidenden Patienten, ist ein Befall durch Strongyloides gefährlich. Ihre Bekämpfung darf daher nicht vernachlässigt werden.

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Menschen und ihre Hunde – Partnerschaft mit Nebenwirkungen

Das enge Zusammenleben von Menschen und Hunden in den ländlichen Gegenden von Kambodscha in Kombination mit dem hohen Strongyloides-Vorkommen eignet sich sehr gut, um herauszufinden, ob die in den Hunden vorkommenden Zwergfadenwürmer genetisch identisch sind mit denen ihrer Besitzer.

Siyu Zhou und Tegen G. Jaleta aus der Abteilung für Evolutionsbiologie am MPI für Entwicklungsbiologie isolierten in Zusammenarbeit mit Kollegen vom Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut in Basel und vom kambodschanischen Gesundheitsministerium Würmer aus Hundekot und menschlichen Stuhlproben und verglichen die gefundenen Exemplare anhand nuklearer und mitochondrialer DNA auf Sequenz-Polymorphismen. Sie fanden in den Hunden zwei Wurm-Populationen, die genetisch klar voneinander getrennt sind. Die größere der beiden Populationen kommt ausschließlich in Hunden vor, Die zweite gefundene Strongyloides-Population war genetisch identisch zu den in Menschen gefundenen Exemplaren.

Ohne Wissen keine effektive Bekämpfung

Hintergrund ihrer Arbeit ist die bisher offen Frage, ob die Infektion mit Strongyloides spec. als Zoonose einzustufen ist oder ob die Infektion von Menschen und Hunden getrennt voneinander betrachtet werden muss. Die Ergebnisse zeigen, dass aufgrund der überlappenden Populationen Hunde als Reservoir und somit Ansteckungsherd für menschliche Strongyloides-Infektionen in Betracht gezogen werden müssen. Dieses Wissen ist für die Bekämpfung der Strongyloides-Infektionen bei Menschen wichtig. (idw, red)

 

Literatur:

Jaleta TG, Zhou S, Bemm FM, Schär F, Khieu V, Muth S, et al. (2017): Different but overlapping populations of Strongyloides stercoralis in dogs and humans - Dogs as a possible source for zoonotic strongyloidiasis. PLoS Negl Trop Dis 11(8): e0005752.