Depression bei Jugendlichen erkennen

WhatsApp als Frühwarnsystem?

Handy-Kurznachrichtendienste wie „WhatsApp“ werden von sehr vielen Menschen genutzt. Doch hinter kurzen Texten, Emojis und Bildern steckt oft mehr. Wissenschaftler aus Würzburg und Tübingen prüfen, ob Veränderungen im Kommunikationsverhalten zur Früherkennung von Depressionen genutzt werden können.

Depression bei Jugendlichen erkennen

Mit WhatsApp Depression bei Jugendlichen erkennen | istockphoto/Danilo Andjus

„WhatsApp against depression“, also „WhatsApp gegen Depressionen“ - so der Titel eines neuen Projektes am Lehrstuhl für Kommunikationsnetze von Professor Phuoc Tran-Gia. Die Informatiker Anika Schwind und Dr. Michael Seufert von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) möchten gemeinsam mit dem Psychologen Stefan Lüttke von der Universität Tübingen untersuchen, inwieweit die Analyse der Kommunikation über den Kurznachrichtendienst „WhatsApp“ helfen könnte, Depressionen bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen.

WhatsApp hat bisher eher einen schlechten Ruf, obwohl die Smartphone-Software über alle Altersgruppen hinweg sehr viele Nutzer hat. Die App lenke ab, es entstehe sozialer Druck in den Unterhaltungen, es biete sich Raum für Cyber-Mobbing und vieles mehr.

Verändertes Kommunikationsverhalten als Grundlage

Die Würzburger Forscher möchten nun einen sehr positiven Nutzen aus der Kommunikation via WhatsApp ziehen. „Ursprünglich wollten wir das gesamte Kommunikationsverhalten über WhatsApp analysieren und mit den resultierenden Modellen das Datenverkehrsmanagement in mobilen Netzwerken verbessern“, sagt Dr. Michael Seufert.

Dabei ist „WhatsAnalyzer“ entstanden: eine webbasierte App, die WhatsApp-Nachrichtenverläufe auswertet. Jeder kann WhatsAnalyzer nutzen und Chats einsenden. Diese werden anonymisiert und das Kommunikationsverhalten analysiert. Im Gegenzug erhält jeder Nutzer interessante Einblicke in die eigene Kommunikation.

Depressionen

Laut einer aktuellen Stellungnahme gibt es keine Hinweise darauf, dass depressive Menschen häufiger Gewalttaten als andere Menschen begehen.

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Nun hat sich eine weitere Einsatzmöglichkeit dieser Software ergeben. Ziel dabei: „Eine Depression soll mit unserer App frühzeitig erkannt werden. Bevor es zu spät ist. So können wir betroffenen Kindern und Jugendlichen optimal helfen“, sagt Informatikerin Anika Schwind. Es geht in dem Projekt ausdrücklich nicht darum, Depressionen per WhatsApp zu behandeln, sondern frühzeitig darauf reagieren zu können.

Psychologe Stefan Lüttke fügt hinzu: „Wir sind darauf aufmerksam geworden, weil wir aus der Forschung wissen, dass Menschen in einer depressiven Phase 'anders' schreiben als sonst, zum Beispiel mehr negative Wörter verwenden. Außerdem ziehen sich Nutzer, wenn sie sich etwa niedergeschlagen fühlen, zurück und tauschen dann vermutlich auch weniger Nachrichten mit dem Smartphone aus.“

Crowdfunding-Kampagne zur Unterstützung

Für eine erste Studie des Psychologen Stefan Lüttke mit Probanden an der Universität Tübingen wollen die Würzburger Informatiker ihre App modifizieren, um aus den WhatsApp-Chatverläufen depressive Phasen der Kinder erkennen zu können. Zusätzlich werden die Nachrichten mithilfe einer Texterkennungssoftware unter anderem auf Signalworte und die Verwendung von Emojis gescannt. Bei Erfolg der Studie könnte im Anschluss eine App entwickelt werden, die direkt auf den Handys von Jugendlichen eingesetzt wird.

Frühe Erkennung einer Depression verbessert Aussicht auf Genesung

Die Vorteile einer App, die im Kommunikationsalltag der Jugendlichen verankert ist: „Eine Depression wird oft erst dann erkannt, wenn man schon 'richtig' erkrankt ist – dabei lassen sich viele schwere Depressionen verhindern, wenn man sie in früheren Stadien entdeckt und behandeln kann“, sagt Stefan Lüttke. Bis zum endgültigen Einsatz einer solchen App wird allerdings noch viel Arbeit der beteiligten Forscher nötig sein.

In der jetzigen ersten Phase des Projektes möchten die Wissenschaftler ihre Ideen mit einer Crowdfunding-Kampagne „What's up“ bis Ende Januar 2018 finanziell untermauern und 5.000 Euro „einsammeln“. „Damit können wir die Pilotstudie vorbereiten und Gutscheine als Anreiz zur Teilnahme anbieten“, sagt Schwind. Die Förderer des Projekts erhalten für ihre Unterstützung im Gegenzug eigens für das Projekt ausgewählte Fotokunstwerke.

Schirmherr des Projekts ist Dr. Eckart von Hirschhausen, der sich als ausgebildeter Mediziner in verschiedenen Medienformaten – meist humoristisch – mit Gesundheitsthemen auseinandersetzt.

Die Crowdfunding-Kampagne und eine genauere Beschreibung des Projekts findet sich hier. Dort ist auch ein Video hinterlegt, welches das Projekt anschaulich beschreibt.

Quelle: idw/Julius-Maximilians-Universität Würzburg