Gesundheitspolitik

Was kann und soll Ethikberatung erreichen?

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Der Deutsche Ethikrat bei seiner konstitutierenden Sitzung im April Deutscher Ethikrat/Reiner Zensen
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Was kann und soll Ethikberatung erreichen? Diese Frage diskutierte der Deutsche Ethikrat bei seiner öffentlichen Sitzung mit dem Thema "Ethikberatung und öffentliche Verantwortung".

Der Jurist Christoph Möllers erklärte zum Auftakt der öffentlichen Sitzung des Deutschen Ethikrats mit dem Thema „Ethikberatung und öffentliche Verantwortung“, der demokratische Verfassungsstaat ermögliche zwar moralische Argumente, fordere sie aber nicht ein. Eine plausible institutionelle Funktion könne der Deutsche Ethikrat vor allem mit solcher Arbeit erfüllen, die andere Institutionen nicht leisten könnten. Möllers empfahl dem Gremium eine stärkere Fokussierung auf den engeren Bereich der Forschung, insbesondere auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften, und mehr Mut zur Entfaltung kontroverser Positionen.

Der Soziologe Armin Nassehi bezeichnete den Deutschen Ethikrat als einen „Baustein auf dem Weg einer Gesellschaft, die neue Formen der Selbstrepräsentation finden muss“. Er müsse sich mit der Frage beschäftigen, „wie unterschiedliche Gründe so gewichtet werden können, dass man am Ende womöglich gute Gründe für bestimmte Gründe hat“. Gremien wie der Ethikrat eröffneten einen Ort, an dem Teilnehmer institutionell versuchten, unterschiedliche Perspektiven als Ausdruck einer komplexen Beziehung zu verstehen und nicht schlicht die eigenen Interessen gegen die Interessen anderer durchzusetzen.

Alexander Bogner, Experte für Technikfolgenabschätzung, sah die Aufgabe des Ethikrates in der Ethisierung biopolitischer Fragestellungen. Er lobte eine Konfliktkultur, die statt einer moralisierenden Suche nach den einzig wahren Werten davon ausgeht, dass es in Wertfragen naturgemäß Dissens gibt. Er warnte aber auch davor, ethische Grundsatzfragen in diesem Prozess einer stark pragmatisch orientierten Entscheidungsfindung an den Rand zu drängen. Eine weitere Herausforderung sei die sinnvolle Einbindung betroffener gesellschaftlicher Gruppen oder der Öffentlichkeit. Es gelte, den Vorwurf der Expertokratie zu vermeiden, ohne die Bürger mit Partizipationsangeboten bei recht abstrakten und komplexen Themen zu überfordern.

Der Philosoph Matthias Kettner empfahl dem Deutschen Ethikrat, „die Autorität zu beanspruchen, moralisch relevantes Wissen zu prüfen, zu verbessern oder gegebenenfalls zu schaffen – Wissen, das wir in unseren moralischen Urteilen verwenden.“ Dafür müsse der Ethikrat verschiedene Wissensarten in einen Zusammenhang bringen, der in Moralurteilen kulminiere, von deren Richtigkeit die sie vertretenden Mitglieder überzeugt seien – „nicht obwohl, sondern weil sie auf kritisierbaren Gründen beruhten.“


Quelle: Deutscher Ethikrat, 23.09.16

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