Aerosol Control

SARS-CoV-2: Webanwendung berechnet Infektionsrisiko

Mithilfe von Simulationsmodellen lassen sich die Ausbreitungspfade der Aerosole, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind, nachvollziehen. Die Webanwendung Aerosol Control berechnet unter Berücksichtigung diverser Faktoren das individuelle Risiko, sich mit SARS-CoV-2 anzustecken.

Ausbreitung von Aerosolen

Ausbreitung von Aerosolen werden simuliert | Rainer Fuhrmann, stock.adobe.com

Als Grundlage der Webanwendung Aerosol Control dienten die Ergebnisse eines Forschungsprojekts: Dabei wurde eine Simulationssoftware, die normalerweise die Ausbreitung von Aerosolen oder Gasen in Kernkraftwerken berechnet, angewendet, um die Ausbreitung und Konzentration von SARS-CoV-2-Aerosolen in Räumen zu berechnen. Bei der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie ist deutlich geworden, dass mit Coronaviren belastete Aerosole eine der wesentlichen Ursachen für Infektionen sind. Forschungsergebnisse legen nahe, dass diese Form der Infektion einer der Hauptgründe dafür ist, dass sich Menschen ganz überwiegend in geschlossenen Räumen anstecken: Erkrankte atmen virusbelastete Aerosole aus, die sich in der Raumluft ansammeln. Um die Pandemie erfolgreich einzudämmen, sollte die Bevölkerung für die Gefahr in Innenräumen sensibilisiert sein. Dafür ist es wichtig, möglichst gut zu verstehen, wie potenziell ansteckende Aerosole entstehen und wie sie sich unter verschiedensten Bedingungen ausbreiten und verändern, um letzten Endes Maßnahmen abzuleiten, durch die sich Neuinfektionen möglichst effektiv verhindern lassen.

Wie hoch ist das individuelle Infektionsrisiko?

Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) hat mit Aerosol Control eine Webanwendung entwickelt, die das Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 in einem Raum berechnet. Die Nutzerinnen und Nutzer müssen hierzu zuerst den betreffenden Raum beschreiben. Dabei berücksichtigt die Webanwendung verschiedene Faktoren, die das Infektionsgeschehen beeinflussen, wie die Virusvariante (Wildtyp oder B.1.1.7), die Anzahl der Personen im Raum, die Aufenthaltsdauer oder ob beziehungsweise welche Art von Maske (medizinische, FFP2 oder FFP3) getragen wird.

Corona: Bindehaut

Können sich Menschen auch über die Augen mit mit SARS-CoV-2 infizieren? Einige Berichte weisen darauf hin, dass eine Ansteckung über die Schleimhäute, einschließlich der Bindehaut, möglich sei. Aerosole sind jedoch deutlich infektiöser als Tränenflüssigkeit oder die Bindehaut des Auges.

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Die Infektionsrisiken lassen sich für verschiedene vordefinierte Räume berechnen, u. a. Auto, Zug, Flugzeug oder Klassenzimmer. Darüber hinaus können die Nutzerinnen und Nutzer selbst Räume definieren. Einstellbare Parameter sind dabei das Raumvolumen sowie die Lüftung (geschlossen, gekippt, geöffnet oder stark).

Aerosole in Kernkraftwerken als Basis für die Software

Die Webanwendung basiert auf den Erkenntnissen aus dem Forschungsprojekt AeroCoV, in dem ein Team eine Simulationssoftware aus der Kerntechnik für die Berechnung der Ausbreitung von SARS-CoV-2-Aerosolen angewendet hat. Ursprünglich wurde die GRS-Software COCOSYS dazu entwickelt, u. a. die Ausbreitung von radioaktiven Stoffen in Form von Aerosolen in Kernkraftwerken zu berechnen. Die Projektergebnisse bildeten die Grundlage für die Entwicklung von Aerosol Control.

Auf der Website der GRS aufrufbar

Gibt man die relevanten Eingangsgrößen in die Webanwendung ein, erhält man als Ergebnis das jeweilige Infektionsrisiko durch Corona-Aerosole. „Die Webanwendung gibt den Nutzerinnen und Nutzern ein besseres Verständnis dafür, welche Faktoren einen besonders großen Einfluss auf das Infektionsrisiko haben“, sagt Holger Seher, Mitglied des GRS AppLabs.

Aerosol Control ist ab sofort auf der Website der GRS aufrufbar. Alle persönlichen Daten werden laut GRS ausschließlich auf den Endgeräten der Nutzerinnen und Nutzer gespeichert. Die Webanwendung greift nicht auf sonstige Nutzerdaten zu oder leitet solche Daten an Dritte weiter.

 

Hier geht es zur Webanwendung.

Hier gibt es den Abschlussbericht des Forschungsprojekts, welches der Webanwendung zugrunde liegt.

Quelle: idw/GRS