SARS-CoV-2 und Weihnachten

RKI-Präsident Lothar H. Wieler: „Bitte bleiben Sie zu Hause“

Die Datenauswertung der Akkreditierten Labore in der Medizin zur SARS-CoV-2-PCR-Testung in der Vorweihnachtswoche KW 51 zeigt eine weiterhin hohe Rate an positiven Befunden.

Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren

Eigene Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren | adobestock

SARS-CoV-2 breitet sich weiter aus. Die fachärztlichen Labore bekommen das Voranschreiten der COVID-19-Pandemie zu spüren: Die an der wöchentlichen ALM-Datenerhebung teilnehmenden 169 Labore verzeichneten in der KW 51 (14.-20.12.2020) eine Gesamtauslastung von 81 Prozent (Vorwoche 75 Prozent). 174.009 der 1.472.985 in den Laboren durchgeführten SARS-CoV-2-PCR-Untersuchungen zeigten einen positiven Befund (Positivrate: 11,8 Prozent, Vorwoche: 11,7 Prozent). „Die Situation in den teilnehmenden Laboren ist unverändert und entspricht bei deutlichen regionalen Unterschieden dem COVID-19-Pandemiegeschehen der jeweiligen Region“, sagte Dr. Michael Müller, 1. Vorsitzender des ALM e.V.

Appell an die Bevölkerung

Angesichts der nach wie vor beunruhigenden Zahlen appellierte RKI-Präsident Lothar H. Wieler abermals an die Bevölkerung, die zusätzlichen eigenen Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren: „Bitte bleiben Sie zu Hause“. Es stünden Deutschland schwere Wochen bevor und man sollte es nicht noch schlechter machen. Es könnte durchaus noch mehrere Wochen dauern, bis die Fallzahlen zurückgehen. Leider gebe es immer noch Menschen, die das Virus nicht ernst nehmen oder gar leugnen. Die eingeleiteten Maßnahmen seien nur erfolgreich, wenn die Bevölkerung sie auch mittrage.

Bei der neuen Variante von SARS-CoV-2 aus Großbritannien könne man die Bedeutung für das Infektionsgeschehen noch nicht endgültig einschätzen, so Wieler. Bisher (Stand: 22.12. morgens) sei diese Variante in Deutschland noch nicht nachgewiesen worden. Doch auch Wieler schätzt die Wahrscheinlichkeit als hoch ein, dass sie bereits unerkannt hier ist. Die Lage werde aber sehr genau beobachtet. Die Verbreitung des Virus müsse eingedämmt werden. Auch die anstehenden Impfungen änderten nichts an der Gesamtsituation. Der Leiter der Impfprävention beim RKI, PD Dr. Ole Wichmann, betonte bei der RKI-Pressekonferenz am Dienstag, dass es trotz der Impfungen gelte, sich weiter an die AHA + L-Regeln zu halten und die Kontakte zu reduzieren. Es werde noch Monate dauern, bis die Viruszirkulation zurückgehe. Auch gebe es noch einige Fragen zu beantworten, wie z.B. ob die Impfung die Ansteckung anderer verhindere oder wie lange der Schutz halte. Studien zu diesen Fragen seien in Planung.

Hochzeit und COVID-19

Dass Massenveranstaltungen leicht zum Ausgangspunkt einer Corona-Infektionskette werden können, ist hinlänglich bekannt. Die meisten Berichte darüber charakterisieren die Ausbrüche jedoch als ein einphasiges epidemiologisches Geschehen, welches nach einiger Zeit durch Quarantänisierung der Betroffenen zur Ruhe kommt.

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Weihnachten - Labore gut vorbereitet 

Auf die Weihnachtsfeiertage und auch das Wochenende des Jahreswechsels haben sich laut ALM e.V. die fachärztlichen Labore gut vorbereitet und stehen an allen Tagen für die drei wesentlichen Punkte der SARS-CoV-2-PCR-Diagnostik entsprechend den Vorgaben der Nationalen Teststrategie und den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zum Testen zur Verfügung: die Diagnosestellung bei Infizierten, die zeitnahe Untersuchung enger Kontaktpersonen und die Untersuchungen zum Schutz der vulnerablen Gruppen. „Unsere Beschäftigten in den Laboren sind weiterhin sehr engagiert und widmen sich jeden Tag und mit ganzer Kraft der wichtigen Aufgabe der SARS-CoV-2-Diagnostik“, stellte Dr. Christian Scholz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Vorstand im ALM e.V., fest.

Etwa 60 Prozent Kapazität verfügbar

Die SARS-CoV-2-PCR-Kapazität an den Feiertagen werde nach einer bundesweiten Umfrage unter den Laboren etwa 60 Prozent der an Wochenarbeitstagen verfügbaren Testkapazität betragen und liege damit etwas höher als der übliche Bedarf an Sonn- und Feiertagen. Der ALM e.V. sieht die vielerorts vorhandenen „Schnelltestangebote“ ohne ärztliche Begleitung kritisch. Die Tests seien nur eine Momentaufnahme und könnten im Falle eines negativen Befundes wegen der niedrigeren Empfindlichkeit auch nur eine sehr kurze Gültigkeit haben. „Schon am Tag nach so einem Antigen-Schnelltest kann ein weiterer Befund positiv ausfallen“, warnte Prof. Jan Kramer, Stellvertretender Vorsitzender im ALM e.V.

Quelle: RKI, ALM e.V.