POCT

Patientennahe Sofortdiagnostik in Theorie und Praxis

Das Deutsche Institut zur Weiterbildung für Technologen-Innen und AnalytikerInnen in der Medizin e.V. (DIW-MTA) ist sich sicher: Die Veränderungen im Gesundheitsmarkt haben auch einen maßgeblichen Einfluss auf den Arbeitsalltag von Medizinisch-technischen LaborassistentInnen (MTLA).

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POCT | Titus322, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, bietet das DIW-MTA in Kooperation mit dem Bereich Point of Care Testing (POCT) der Roche Diagnostics GmbH nun schon im zehnten Jahr eine Weiterbildungsveranstaltung an, um sich auf die wandelnden Anforderungen im Labor vorzubereiten. Bereits 450 TeilnehmerInnen haben die Seminare bei Roche in den letzten Jahren durchlaufen und auch im letzten Herbst waren wieder 50 wissbegierige MTLAs dabei. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Weiterbildung ist, dass sie den MTAs das notwendige Handwerkszeug für den POCT-Alltag mitgibt. Diese Managementaufgabe ist etwas, worauf sie in ihrer MTLA-Ausbildung gar nicht vorbereitet wurden. Für diese Herausforderungen das richtige Rüstzeug zu bekommen, darin liegt der große Wert des Seminars.

Maren Schulz, Communications Manager bei der Roche Diagnostic Deutschland GmbH, nahm die langjährige Zusammenarbeit von Roche und DIW-MTA zum Anlass, um mit Prof. Dr. Marco Kachler, Präsident des DIW-MTA, im Interview über die Zukunft der Weiterbildung im POCT-Bereich zu sprechen.

Was hat sich in den zehn Jahren seit Start des ersten Seminars getan?
Es hat sich inhaltlich sehr viel getan, denn der Themenbereich Point of Care ist sehr dynamisch und das spiegelt sich natürlich auch in den Seminaren wider. Wir müssen immer wieder aktuelle Inhalte entwickeln und zur Verfügung stellen. Am Anfang haben wir uns nur mit Indikationen wie Blutgasanalyse oder Blutzucker beschäftigt. Irgendwann kamen die kardialen Marker dazu und so wurde das Gerätespektrum immer breiter. Den Themenbereich Kommunikation hatten wir von Anfang an auch dabei. Die Anforderungen sind aber um einiges spezieller geworden. Nun beschäftigen wir uns auch mit eLearning, IT-Vernetzung oder Change Management. Wir haben mittlerweile einen starken Fokus auf ein umfangreiches Qualitätsmanagement gesetzt. Die Erwartungshaltung der Teilnehmer wächst natürlich mit den Herausforderungen und Bewegungen am Markt – entsprechend müssen wir die Fortbildung stetig weiterentwickeln.

Worin sehen Sie den klaren Mehrwert der Fortbildung?
Der Mehrwert liegt ganz klar auf der individuellen Ebene. Die Fortbildung bietet den Teilnehmern Handlungssicherheit und vermittelt ein klares Bild darüber, welchen Aufgaben sie sich stellen müssen. POCT-KoordinatorenInnen berichten aus dem Berufsalltag und zeigen Best-Practice-Lösungen aus ihren Häusern. Das POCT-Management ist eine junge Disziplin und so sind Erfahrungsaustausch und die Diskussion typischer Fallbeispiele sehr hilfreich für die TeilnehmerInnen. Allein die Vernetzung mit KollegenInnen, die ähnliche Strukturen und Herausforderungen haben, bildet eine wertvolle Grundlage für die spätere Arbeit. Für eine professionelle Sicherstellung der Qualität im Krankenhaus benötigt man natürlich die entsprechenden Ressourcen und das Rüstzeug. Mit der Fortbildung schaffen wir Professionalisierung in dem Querschnittsfach POCT.

Staatliche Anerkennung für die Weiterbildung – was bedeutet das?
Es handelt sich um eine formale Qualifikation, die sich auf den zweiten Teil der Weiterbildung bezieht, in dem es um das Point-of-Care-Management geht. Die Weiterbildung zum POCT-KoordinatorIn ist der erste Schritt oder Meilenstein. In dieser Kompaktweiterbildung erwerben die Teilnehmenden die „Fundamentals“ der Koordinierungsarbeit von POCT im Krankenhaus. Die zweijährige Weiterbildung in POCT-Management ist mittlerweile staatlich anerkannt, sie vertieft das Wissen um weitergehende Managementkompetenzen anzubahnen. Hier gehen wir auch auf Themen ein wie Ausschreibungen, die Implementierung, Steuerung, Risiko-, Prozess- und Qualitätsmanagement und Finanzierung etc., also Inhalte, die über die reine Koordination hinausgehen und profunde Managementkompetenzen erfordern. Hier vermitteln wir die Skills, die unbedingt benötigt werden.

Welche Trends sehen Sie als Leiter des DIW-MTA?
Ein ganz klarer Trend bis heute ist die Etablierung vernetzter Strukturen. POC-IT ist mittlerweile nicht mehr wegzudenken. In Zukunft stellt sich zudem die Frage: Wie werden POC-Labor und klassisches Labor in diesen Strukturen zusammenwirken? Das hängt natürlich auch davon ab, wie sich Technologien weiterentwickeln, wie wir uns weiter professionalisieren und zukünftig mit Daten umgehen. Um Trends zu erkennen, müssen wir uns nicht nur fragen, was die Technologie möglich macht, sondern auch, was der Mensch leisten kann. Wir sehen uns in diesem Spannungsfeld ganz klar als Vermittler. Denn die Bildung hat den Auftrag die Technologie in ihrer Sinnhaftigkeit dem Anwender begreiflich zu machen und ihn zu befähigen, sie auch im Sinne des Patienten einzusetzen.

Werden POCT-Koordinatoren immer unverzichtbarer? Und wenn ja, warum?
POCT-Koordinatoren sind jetzt schon unverzichtbar. In den Häusern, in denen POCT gut organisiert ist, läuft es gut und strukturiert ab. Wenn ich diese Strukturen nicht schaffe, muss ich natürlich auch damit rechnen, dass ich Reibungsverluste habe. Und das ist genau die Aufgabe: Ich muss sicherstellen, dass ein Gerät auch adäquat eingesetzt wird – was bringt es mir, wenn das nicht funktioniert? Je mehr POCT-Lösungen es gibt, desto mehr müssen wird diesen Prozess auch managen. Insbesondere, wenn der POCT-Anwender und der Anforderer geteilte Rollen sind – klassisches Beispiel Pflege und Arzt/Ärztin, muss ich sicherstellen, dass die Kommunikation funktioniert und die Qualität stimmt. Dafür braucht es mit Sicherheit Menschen, die hier vermitteln – und das sind dann eben die POCT-KoordinatorenInnen bzw. die POCT-ManagerInnen.

Zusammenarbeit mit Roche: Wo treffen sich die Interessen und was trägt die Zusammenarbeit?
Am Anfang hatten wir viele Geräte im Markt, die als POCT-Geräte vertrieben wurden, aber keine waren – da musste bspw. noch pipettiert werden. Durch die aktuellen Technologien werden die Geräte immer kompakter und immer genauer – und in dieser Entwicklungsdynamik braucht es Katalysatoren. Als eben solche verstehen wir uns. Beide Seiten wollen die Entwicklung vorantreiben. Auf der einen Seite haben wir die Geräte und auf der anderen Seite braucht es Menschen, die damit umgehen können. Bildung ist der Katalysator. Man braucht die Edukation, um die Thematiken nahe zu bringen, so dass die MitarbeiterInnen die Technologie auch einsetzen können. Durch die Zusammenarbeit mit der Industrie, z.B. Roche, werden auch weitere relevante Themen identifiziert. Ein gutes Beispiel ist hier der Bereich der Ausschreibungen. Das muss in die Praxis getragen werden, denn wir brauchen ein Grundverständnis auf Seiten der POCT-KoordinatorenInnen, die ihre Expertise bei der inhaltlichen Aufbereitung der Leistungsbeschreibungen liefern müssen. Wir bekommen da die Impulse aus der Industrie, haben aber den Vorteil, dass wir diese neutral aufbereiten können und somit ein ausgewogenes Angebot schaffen.

Welche Rolle und welchen Beitrag sehen Sie bei den Herstellern?
Die Hersteller sind natürlich gefordert, die Technologien weiterzuentwickeln und vorzustellen. Wir haben diese bei unseren Seminaren vor Ort, so können sie auch hören, was die Kunden bewegt und entsprechende Lösungen weiterentwickeln. Der Dialog ist wichtig und wird auch erwartet, denn nur so können Probleme identifiziert und schließlich gelöst werden. Die Idee ist es ja, die Praxis zu reflektieren und das muss auf beiden Seiten passieren – so profitieren dann auch AnwenderInnen und Hersteller.

Ihre Vision für POCT: Wie wird POCT Management in zehn Jahren aussehen und wie stellt sich ein POCT-Manager auf die Zukunft ein?
Die zentrale Frage ist ja, wird POCT Management als Aufgabe des Labors etabliert werden? Ich kann mir beides vorstellen. Im Augenblick kristallisiert sich heraus, dass es gut läuft, wenn das Labor im Lead ist. Im Rahmen der Gesamtveränderung der Laborlandschaft kann es auch sein, dass sich der Bereich POCT völlig verselbstständigt. Das sehe ich durchaus als Option. Darüber hinaus wird sich POC professionalisieren und dann wird die Frage sein: Wie versteht sich die Labormedizin – also, ob POCT ein Teilbereich ist, oder nicht. Das ist eine Entwicklungsstufe der Labordiagnostik und dann geht es ja wieder darum, wie sich die Prozesse implementieren lassen und da braucht es eine gute Kommunikation. Damit werden Fort- und Weiterbildung natürlich immer wichtiger.

Was muss ein Hersteller leisten, um diesen Anforderungen gerecht zu werden?
Der Hersteller muss Brücken schlagen. Vernetzung spielt da eine wesentliche Rolle. Wir müssen weg vom reinen Device hin zu multimodalen Systemen, die für mehrere Dinge eingesetzt werden können und ein modulares Arbeiten ermöglichen. Die Hersteller müssen sich die Prozesse anschauen und dann abwägen, welche Lösungen für diese Arbeitsabläufe sinnvoll sind. Dabei muss man natürlich auch schauen, wie man Lösungen individualisieren kann. Wobei ein Modell im Sinne von ‚ich mache für jeden etwas Neues‘ nicht realistisch ist, das kann ja niemand zahlen. Sondern eher nach dem Customisierungs-Konzept - ich kann ein Portfolio bieten, das sich dann auf die entsprechenden Anforderungen anpassen lässt. Und das wird für die Hersteller auch noch einmal eine Herausforderung. Denn ich muss dann schauen, ob ich ggfs. mein Portfolio erweitern kann, oder ob ich nicht sogar mit anderen Herstellern kooperiere. Darüber hinaus werden Schulungen immer wichtig sein. Der Hersteller muss sich natürlich fragen: Wie kann ich sicherstellen, dass alle Anwender auf dem gleichen Wissensstand sind? Sicherheit ist ein ganz wichtiger weiterer Aspekt und hier ist der Hersteller natürlich auch gefragt – das Qualitätsmanagement im Sinne unserer Patienten/-innen ist enorm wichtig.

Sehr geehrter Herr Dr. Kachler, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Roche beschäftigt in Deutschland rund 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Pharma und Diagnostik. Das Unternehmen ist an den drei Standorten in Grenzach-Wyhlen (Roche Pharma AG), Mannheim (Roche Diagnostics GmbH, Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Roche Diabetes Care GmbH und Roche Diabetes Care Deutschland GmbH) und Penzberg (Biotechnologie-Kompetenzzentrum, Roche Diagnostics GmbH) vertreten. Die Schwerpunkte erstrecken sich über die gesamte Wertschöpfungskette der beiden Geschäftsbereiche Pharma und Diagnostics: von Forschung und Entwicklung über Produktion, Logistik bis hin zu Marketing und Vertrieb, wobei jeder Standort neben dem Deutschland-Geschäft auch globale Aufgaben wahrnimmt. Roche bekennt sich klar zu den deutschen Standorten und hat in den letzten fünf Jahren in diese rund 2 Milliarden Euro investiert. Weitere Informationen zu Roche in Deutschland finden Sie unter www.roche.de.

 

Weitere Informationen zu unseren Kursen finden Sie auf unserer Kommunikationsplattform Stud-IP (https://studip.diw-mta.de/), auf www.diw-mta.de oder melden Sie sich unter info@diw-mta.de.