Weitere Forschung nötig

Parasiten noch nicht reif für die Darmtherapie

Spielt der Darm verrückt, kann eine Wurmkur Wunder wirken: Vergleichende Studien belegen, dass Würmer bei Autoimmunerkrankten helfen können.

Nematode Heligmosomoides polygyrus

Nematode Heligmosomoides polygyrus | D. Davesne (Own work), CC BY-SA 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, Wikimedia Commons

Leiden Mäuse jedoch an entzündlichem Darmkrebs schaden die Würmer mehr als sie nützen, das fanden Forscher des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) am Universitätsklinikum Essen (UK Essen) heraus. Ihre Ergebnisse wurden jetzt veröffentlicht.

Wer Band-, Spul- oder Fadenwürmer hat, hat weniger Probleme mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) als nicht befallene Menschen. Allerdings eignen sich die Tierchen als Therapiemittel nur mäßig, wie sich in der Praxis zeigte. Mehr noch: bei entzündlichen Darmkrebserkrankungen könnten die Parasiten das Tumorwachstum sogar noch fördern.

Nachweis intestinaler Würmer mittels koproskopischer Untersuchungen

Bodenübertragene Wurminfektionen gehören zu den häufigsten Infektionen von Mensch und Tier und sind somit von human- und veterinärmedizinischer Bedeutung. Mehr als 1,5 Milliarden Menschen oder 24 % der Weltbevölkerung sind mit Würmern infiziert.

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Diesen Verdacht konnten Infektionsimmunologen am UK Essen jetzt in einer Untersuchung an Mäusen erhärten. Schluckten die Mäuse die Parasiten (Helminthen), klang die Entzündung nicht ab. Im Gegenteil: Der Parasitenbefall aktivierte die Immunzellen, die Entzündungen nahmen weiter zu und damit auch das Tumorwachstum. Prof. Dr. Astrid Westendorf vom Institut für Medizinische Mikrobiologie: „Deshalb müssen wir erst noch genauer untersuchen, wie Helminthen auf das Immunsystem wirken, bevor sie in der Therapie eingesetzt werden können.“ (idw, red)

Literatur:

Eva Pastille, Annika Frede, Henry J. McSorley, et al.: Intestinal helminth infection drives carcinogenesis in colitis-associated colon cancer. PLOS Pathogens, Published: September 22, 2017, doi.org/10.1371/journal.ppat.1006649.