Fachtagung

Offenburger Hämatologietage

Mehr als 160 MTLA und Ärzte aus dem Fachbereich Hämatologie haben an der Fachtagung unter der Technischen Laborleitung von Barbara Oschwald-Häg, Ortenau Klinikum, teilgenommen.

Hämatologietage

Auditorium | Barbara Oschwald-Häg

Am 11. und 12. März 2016 fanden zum 6. Mal die Offenburger Hämatologie-Tage als gemeinsame Veranstaltung von der Firma Sysmex Deutschland GmbH, dem Klinikum Offenburg und dem DVTA im Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach am Standort St. Josefsklinik statt.


Mehr als 160 MTLA und Ärzte aus dem Fachbereich Hämatologie haben an dieser Fachtagung unter der Technischen Laborleitung von Barbara Oschwald-Häg, Ortenau Klinikum, teilgenommen.


Dr. Andreas Jakob, Offenburg, und Dr. Matthias Egger, Hämatologie/Onkologie am Ortenau Klinikum in Lahr, gaben den Teilnehmern einen Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Diagnostik und Therapie von hämatologischen Erkrankungen. Im Mittelpunkt standen dabei die Differenzialdiagnostik der hämatologischen Anämien mit Schwerpunkt auf der paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie (PNH) sowie die Diagnostik und Klassifizierung der T-Zell-Lymphome. Es handelt sich dabei um eine eher seltene Erkrankung, die heute gut behandelt werden kann.


Umso wichtiger ist die frühzeitige Diagnosestellung anhand von Blutuntersuchungen (Mikroskopie), Knochenmark und Gewebeproben. Zu den peripheren T-Zell-Neoplasien zählen nach der WHO-Klassifikation 2008 (die neue Klassifikation steht kurz vor der Veröffentlichung) die leukämisch verlaufenden Lymphome: T-Zell-Prolymphozyten-Leukämie, die chronische T-Zell-Leukämie (granulierte Lymphozyten), aggressive NK-Zell-Leukämie. Daneben gibt es kutane Lymphome, wobei das Sezary-Syndrom und das primär kutane anaplastische großzellige Lymphom am bekanntesten sind. Eine weitere Klassifizierung sind die nodalen Lymphome.


In der Zytomorphologie sind die T-Zell-LGL erkennbar als mittelgroße Lymphozyten mit weitläufigem Zytoplasma und Granulaeinschlüssen und die Sezary-Zellen als mittelgroße Lymphos mit „gänseblumartigem Kern“ im giemsagefärbten Ausstrich zu sehen. Dazu Dr. Jakob: „Eine kompetente Labordiagnostik ist eine wichtige Voraussetzung für eine schnelle und optimale Behandlung der Patienten.“ Mit Dr. Heinz Diem, Labormediziner und Leiter des Würmtal-Labors in Gauting, konnte das Ortenau Klinikum in Offenburg erneut einen bundesweit renommierten Experten der Diagnose von Bluterkrankungen gewinnen.

Diem stellte in mehreren Vorträgen am zweiten Veranstaltungstag konkrete Beispiele einer schnellen und kompetenten Labordiagnostik vor. Anhand zahlreicher hämatologischer Fälle aus seinem Labor konnte er den Teilnehmern mit Hilfe von Live-Demonstrationen am Videomikroskop Anleitungen beim Vorgehen der morphologischen Mikroskopie geben. Um pathologische oder verdächtige Zellen nicht zu übersehen, stellte Diem die „Sieben-Schritte-Vorgehensweise“ der Erythrozytenmorphologie vor.


Ergänzend dazu wurden auch Fälle aus der Ortenau mit interessanten klinischen Verläufen präsentiert. Das Labor der Hämato-Onkologischen Abteilung des Ortenau Klinikums in Offenburg hat sein Leistungsspektrum in den vergangenen Jahren durch neue Verfahren in der Lymphom- und Leukämie-Diagnostik sowie in der PNH-Analyse deutlich ausgebaut. Das Labor am Standort St. Josefsklinik verwendet beispielsweise seit zwei Jahren verschiedene Standards des internationalen Forschernetzwerks „EuroFlow“, die speziell für die Labordiagnostik in der Durchflusszytometrie entwickelt wurden. Deutschlandweit wird dieses Verfahren nur in wenigen Speziallaboratorien angewendet.

Barbara Oschwald-Häg


Entnommen aus: MTA Dialog, 2016, 17 (5)