DIW-MTA Angebote

Nosokomiale Infektionen

Nicht nur zur Winterzeit lauern sie uns auf. Bestens an unsere Gepflogenheiten angepasste Keime und Viren, mit unbändigem Willen, die eigenen Arten zu erhalten und trickreich zu vermehren, bescheren uns so manchen Infekt.

Nosokomiale Infektionen

© K.C. – Fotolia

Dazu ist ihnen fast jedes Mittel recht und jede der unterschiedlichen Spezies ist findig genug, den für sich passenden Wirt zu finden und es sich in ihm gemütlich zu machen. In der Regel treffen sie auf Menschen ohne andere schwerwiegende Erkrankungen, die, wenn sie vernünftig sind, die Kollegen/-innen verschonen, zu Hause bleiben, den Krankheitszugewinn an Ruhe und Zeit wertschätzen und in der Lage sind, erst dann wieder den Kontakt mit ihren Mitmenschen zu suchen, wenn die Eindringlinge durch die Immunabwehr ihres Körpers in ihre Schranken verwiesen worden sind.

Treiben die Erreger jedoch ihr Unwesen in Krankenhäusern und Praxen, in denen häufig immunsupprimierte Patienten/-innen anzutreffen sind, so stellen sie eine ernste Gefahr für die Betroffenen dar. Unter bestimmten Voraussetzungen auch für das Personal. Nosokomiale Infektionen gehören zu den gefürchteten Komplikationen im Krankenhaus, auch deswegen, weil unter den Erregern bereits einige sind, die gegen die meisten der gängigen Antibiotika resistent sind.

„Eine Infektion wird als nosokomial bezeichnet, wenn der Infektionstag (= Tag mit dem ersten Symptom) frühestens der Tag drei des Krankenhausaufenthaltes ist. Für postoperative Wundinfektionen existiert eine hiervon abweichende Definition.“1 Die Infektionen werden allesamt von Erregern (Bakterien, Viren, Pilzen) verursacht, die sich in der Regel bei einer Temperatur von 37 ° C optimal vermehren. Sie können exogen von Besuchern oder den Patienten selbst mitgebracht oder vom Personal übertragen werden (30 Prozent). Oder auch an Gegenständen, wie Türklinken, Flaschen, Vasen et cetera haften beziehungsweise auch Medizinprodukte, wie zum Beispiel Flüssigkeiten und Katheter besiedeln, die auf minimalinvasivem Weg in die Patienten eingebracht werden. Endogen (70 Prozent) können Infektionen innerhalb der Patienten entstehen oder innerhalb der Patienten auch den Standort wechseln (zum Beispiel Beatmungspneumonien).2

Eine Studie von Behnke M et al.3 aus dem Jahr 2013 belegt postoperative Wundinfektionen (24,3 Prozent), Harnwegsinfektionen (23,2 Prozent) und untere Atemwegsinfektionen (21,7 Prozent) als die drei häufigsten nosokomialen Infektionen. Diese können Erreger aus dem gramnegativen Spektrum, zum Beispiel Escherichia coli, Klebsiellen oder auch Pseudomonas aeruginosa, wie auch grampositive Keime, wie zum Beispiel Staphylokokken sein. Fünf bis zehn Prozent der in der Studie untersuchten Infektionen waren durch multiresistente fakultativ pathogene Mikroorganismen verursacht, hier zumeist durch Staphylococcus aureus, in seiner MRSA-Variante als Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, der damit zu den antibiotikaresistenten Erregern zählt.

Als multiresistente Erreger werden Bakterien klassifiziert, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind, was bedeutet, dass die Erreger nicht mehr oder nur in unzureichendem Maße eliminiert werden oder an ihrer Vermehrung gehindert werden können. Und es bedeutet, dass therapeutische Alternativen risikobehaftet sind. Hinzu kommt noch, dass die Möglichkeit besteht, dass auch eine Übertragung von Resistenzen auf Bakterien anderer Spezies vorkommen kann. Resistente Bakterien besitzen einen Überlebensvorteil, der zur Selektion nicht resistenter Keime führt und somit die Population resistenter Erreger zunehmend vergrößert. Zur Prävention würde eine rationale Gabe von Antibiotika beitragen. So sollten Antibiotika nur dann verordnet werden, wenn, nach der Auswertung eines Antibiogramms, ihr Einsatz als unbedingt erforderlich erachtet worden ist (unter Kontrolle eines „Antibiotic Stewardship Teams“).4

In den Niederlanden, Schweden und in Norwegen, mit deutlich niedrigeren Raten nosokomialer Infektionen, hat man bereits in den 1980er-Jahren erste Maßnahmen in den Handlungsfeldern der „Transmissionsunterbrechung“ ergriffen (das heißt frühzeitige Erkennung resistenter Erreger und deren Weitergabe unterbinden). Hierzu gehörten eine konsequente Umsetzung von Hygienestandards, eine strikte Isolierung der Risikopatienten, so lange, bis belegt ist, dass sie MRSA-negativ sind sowie eine kontinuierliche Weiterbegleitung besiedelter Patienten, auch außerhalb der Krankenhäuser. Die EU fördert seit den 1990er-Jahren in der deutsch-niederländischen Grenzregion ein grenzüberschreitendes MRSA-net, dessen Nachfolgenetzwerk das EurSafety Health-net ist. Das entschlossene Vorgehen der niederländischen Gesundheitsbehörden hat aktiv dazu beigetragen, dass es dort nicht, wie zum Beispiel in Deutschland, zu einem Anstieg der Infektionsraten durch MRSA-Keime gekommen ist.5

Auch Pilze und Viren, wie zum Beispiel Influenza-, Röteln-, Rota- und Noroviren können nosokomiale Infektionen auslösen. Allen Erregern ist gemein, dass der häufigste Übertragungsweg über die Hände oder als Tröpfcheninfektion erfolgt. Hier begünstigen unter anderem gängige Kulturtechniken des Umarmens und des Händegebens sowie unzureichende Händedesinfektion, vor allem beim Krankenhauspersonal, die Infektion.

Am 1. Januar 2008 wurde deswegen, mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit, vom Nationalen Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ), dem Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) sowie der Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung e.V. die „Aktion Saubere Hände“ als nationale Kampagne ins Leben gerufen. Basierend auf der WHO-Kampagne „Clean Care is Safer Care“, soll sie alle in der Krankenversorgung Beschäftigten, wie auch Besucher/-innen und Patienten/-innen für die bestehende Problematik sensibilisieren und damit wesentlich zur Verbesserung der Compliance der Händedesinfektion in deutschen Gesundheitseinrichtungen beitragen (zur Selbstüberprüfung siehe Fragebogen „Aktion Saubere Hände).6 Die „Aktion Saubere Hände“ hat in erster Linie die Verbesserung der Patientensicherheit zum Ziel. Eine der möglichen Maßnahmen ist die Verbesserung des Händehygieneverhaltens in Gesundheitseinrichtungen als eine grundlegende Maßnahme zur Vermeidung von Übertragungen und Infektionen.7 Einhaltung und beständige Umsetzung präventiver Maßnahmen müssen unter infektionsepidemiologischer Sicht und einem stringenten Hygienemanagement berufsgruppenübergreifend allen Personengruppen in der Patientenversorgung, Entscheidern, Krankenhaushygieniker/-innen, dem ärztlichen Dienst, wie auch der Pflege sowie den Medizinisch-technischen Diensten in Radiologie, Funktionsdiagnostik und im Labor zur permanenten Verpflichtung werden. Zum Schutz der Patienten/-innen und dem Selbstschutz.

Das DIW-MTA e.V. Berlin hat, unter der bewährten Kursleitung der Ärztin für Laboratoriumsmedizin und Krankenhaushygiene sowie ABS-Expertin Dr. med. Maria Luise Wimmer-Dahmen, auch 2019 wieder ein Kursangebot in seinem Jahresprogramm, das die Teilnehmenden unter anderem auch zu oben genannten Anforderungen qualifiziert. Die Kurse können einzeln oder als Module jeweiliger Weiterbildungen belegt werden.

Nähere Informationen unter www.diw-mta.de.

1 www.nrz-hygiene.de/fileadmin/nrz/module/KISS_Definitionen_E-Book_Neuauflage_06_2017.pdf (abgerufen 04.02.2019).
2 flexikon.doccheck.com/de/Nosokomialinfektion (abgerufen am 02.02.2019).
3 Vgl. Behnke M, et al.: Nosokomiale Infektionen und Antibiotika Anwendung: Zweite nationale Prävalenzstudie in Deutschland; Dtsch Arztebl Int 2013; 110 (38): 627–33.
4 Vgl. BVmed e.V. Berlin Portal für Medizintechnik: www.krankenhausinfektionen.info/ki-de/kikrankenhaus-infektionen (abgerufen am 02.02.2019).
5 Vgl. Aerztezeitung.de: aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gp_specials/jahresendausgabe-2011/article/684048/einfache-rezept-hollaender-mrsa.html. (abgerufen am 02.02.2019).
6 www.aktion-sauberehaende.de/fileadmin/ash/downloads/pdf/frageboegen/ergebnisbogen_fragebogen_zur_hygienischen_haendedesinfektion.pdf
7 Vgl. www.aktion-sauberehaende.de/ash/ash/ do (abgerufen am 02.02.2019)

 

Entnommen aus MTA Dialog 3/2019