Update von der Medlab Europe in Barcelona

Neue Technologien und Methoden für das klinische Labor

Die einzige Veranstaltung in der Region mit einer multidisziplinären Ausstellung und einem Kongress mit wissenschaftlichem Programm – und mit Business-Networking: So präsentierte sich die erste Medlab Europe. Mehr als 1.000 Teilnehmer aus Labor, Medizin, Biologie, aus Forschung und Industrie kamen im Oktober nach Barcelona.

Neue Technologien und Methoden für das klinische Labor

Für alle: © M. Bauer

In sechs Kongressbereichen konnten Besucher CME-Punkte sammeln – Point of Care Testing (POCT), anatomische Pathologie, Labormanagement, Immunologie, klinische Mikrobiologie und Hämatologie. In den Pausen sprachen mehr als 80 Aussteller über ihre Lösungen – und Poster-Einreicher über ihre Projekte. Für spanische MTLA gab es in der Landessprache Tagesseminare zu Automation, Massenspektrometrie und Next Generation Sequencing. Organisiert wird die Medlab Europe von der Event- und Mediengruppe Informa.

Point of Care Testing

Dieses Gebiet zeichne sich durch eine Fülle an neuen Angeboten, an neuen Point-of-Care-Geräten aus, berichtete Prof. José Luis Bedini, Leiter des Core Lab, Hospital Clinic Barcelona. Dies gelte für hochsensitive Troponin-Assays bei Myokardinfarkt ebenso wie im Kontext der Sepsis. Beide Krankheitserscheinungen haben eine hohe Inzidenz und schwere Folgen. Kürzlich hatte Abbott als erster Anbieter die CE-Zertifizierung für seinen hochsensitiven Troponin-I-Test erhalten, mit dem sich laut Hersteller die Wahrscheinlichkeit eines drohenden Infarkts vorhersagen lässt. Bei der Sepsis gehe der Trend weg von Kulturen hin zur molekularen Bestimmung des jeweiligen Erregers. Generell, so Prof. Bedini, sei POCT keine Lösung für Workflow-Probleme im Labor, aber die Vermeidung von Herausforderungen bei Logistik und Probenbeschaffung dank POCT sei definitiv ein Vorteil.

Eindrücke von der Medlab Europe

Anatomische Pathologie

Molekulare Ansätze spielen inzwischen eine herausragende Rolle im Alltag der Neuropathologen, so Dr. Elena Martinez, Pathologie, Vall d’Hebron University Hospital Barcelona. Pathologieabteilungen müssten daher auch neue Technologien wie Whole Exome-Sequenzierung anbieten – eine kostenintensive Leistung, die bei den Neuropathologen im Vall d’Hebron auf der Basis von „Mutation by mutation“ eingesetzt wird – neben FISH-Tests und PCR-Sequenzierung. Neuropathologen sollten sich auf diese Ansätze einstellen.

Auch in seinem Spezialgebiet entspreche der Blick ins Mikroskop, allein mit Fokus auf die Morphologie, nicht mehr dem Stand der Wissenschaft: Die Einführung molekularer Assays ist die größte Veränderung für Vicente Peg, Brustpathologe am Vall d’Hebron University Hospital Barcelona. Molekulare Ansätze erlauben den Rückschluss auf die Malignität von Tumoren. Labore, die neue Werkzeuge wie Next-Generation Sequencing ein- und die Digitalisierung in der Pathologie umsetzen, zeigen großes Wachstum, so der Experte. In den Laboren der spanischen Universitätskliniken sei dieser Trend angekommen.

Labormanagement

Technologie treibe Veränderungen in der Gesundheitsversorgung voran, betonte Dr. Carlo Kabaar, Labor- und Qualitätsmanager, Al-Zahra Hospital, Sharjah. Auch die Labordiagnostik sei diesem Trend ausgesetzt. Datenanalysen gewinnen an Bedeutung im Labormanagement – und Daten gebe es genug, sagte Dr. Kabaar: „70 Prozent der Informationen in Patientenakten stammen aus dem Labor.“ Während konventionelle Aufgaben wie das Kosten-Controlling weiter eine Aufgabe bleiben, entstehen für die Auswertung von Daten auch in Hinblick auf Strategien der klinischen Leistungserbringung ganz neue Anforderungen. Wird der Labormanager zum Informationsspezialisten? Ähnlich wie bei der Molekularbiologie muss die Ausbildung entsprechende Kompetenzen aufbauen. Auch erhält die Verbindung zwischen Labor und Patient ganz neue Dimensionen.

Immunologie

Prof. Paul A. Townsend, Assistant Dean, Faculty of Biology, Manchester Academic Health Center, University of Manchester, stellte Trends in der Immunologie vor: Klinische Fragen und neue Technologie treiben die Forschung voran. Biologische Therapien setzen sich durch. In der Immunologie stellen laut Prof. Townsend die CAR-T-Zellen im Kontext von Blutkrebs das faszinierendste Forschungsgebiet dar; Studien geben Hinweise darauf, dass sie auch bei soliden Tumoren eine vielversprechende Therapieoption bieten. Die Barriere bei der Umsetzung sind hier, wie so oft bei neuen Therapien, die Kosten.

Klinische Mikrobiologie

Dr. Thomas Pumarola, Director Microbiology Service, Clinical Laboratories, Vall d’Hebron University Hospital Barcelona, klinischer Mikrobiologe, betonte: „Auf der Medlab Europe sprachen wir ausgiebig über neue Technologien in unserem Gebiet. Es wächst stark im Bereich der Genomik.“ Zu den Fragen, die er und seine Kollegen sich stellen, zählt: „Wie wenden wir Genomik an im Bereich der Infektionskrankheiten; insbesondere bei multiresistenten Bakterien?“ Die enorme Dynamik verändere den Horizont in der klinischen Mikrobiologie, so der Experte weiter; Beispiele hierfür liefere das Monitoring mithilfe von Genomik etwa bei Ebola und MERS. Dr. Pumarola: „Hier gibt es noch viel zu tun – etwa bei der Korrelation von Phänotyp und Genotyp. Damit wir die Potenziale der ausgeklügelten Genomikansätze voll zur Anwendung bringen können, müssen wir unsere Disziplin neu erfinden. Auf unserem Gebiet wird bald kein Stein auf dem anderen bleiben.“

Hämatologie

Dr. Eloisa Urrechaga, Consultant Medical Lab, Hospital Galdako-Usansolo in der Provinz Vizcaya, berichtete von neuen Parametern aus der Forschung zum Schutz von Blutspendern. Wie soll man die neuen Parameter bezüglich Fibrinmangel bei Anämie, den Eisenstatus und Hämoglobinisierung umsetzen? Ein Highlight ihres Gebietes bleiben in ihren Augen ferner die Standardisierung und Harmonisierung bei Werten aus Analysegeräten, die kontinuierlich vorangebracht werden müssen.

Die Medlab Europe 2018 kam gut an – und daher laufen bereits die Planungen für das Programm für den 19. bis 23. Mai 2019, wieder in Barcelona. Die große Schwester, Medlab Dubai, findet seit Jahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten statt, vom 4. bis 9. Februar 2019 – ein Besuch lohnt, nicht nur wegen des faszinierenden Emirates und angenehmer Temperaturen.

 

Entnommen aus MTA Dialog 1/2019