Diabetes, Osteoporose und Bluthochdruck

Neue Handlungsempfehlungen

Experten haben zehn Empfehlungen erstellt, die sowohl Unterversorgung als auch eine Übertherapie bei Menschen mit hormonellen Erkrankungen verhindern sollen.

Über- und Unterversorgung

Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung hat Bluthochdruck. | Fotolia/Robert Kneschke

Eine optimale Patientenversorgung erfolgt nur, wenn Untersuchungs- und Behandlungsmethoden regelmäßig auf Effizienz und Sinnhaftigkeit geprüft werden. Um dies für den Bereich der Hormon- und Stoffwechselerkrankungen zu realisieren, schließt sich die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) der von der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) ins Leben gerufenen Initiative „Klug entscheiden“ an. Dabei haben DGE-Experten zehn Empfehlungen erstellt, die sowohl Unterversorgung als auch eine Übertherapie bei Menschen mit hormonellen Erkrankungen verhindern sollen.

Diabetes

Fast ein Fünftel aller in Deutschland lebenden Menschen haben einen Migrationshintergrund. Laut Schätzungen sind etwa 600.000 von ihnen an Diabetes mellitus erkrankt. Experten vermuten, dass die Dunkelziffer noch höher ist, unter anderem durch die Zuwanderung in den letzten Jahren.

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Insgesamt haben rund 12 Millionen Deutsche Diabetes oder Osteoporose. Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung hat Bluthochdruck und Experten vermuten, dass nahezu jeder dritte Bundesbürger eine Schilddrüsenerkrankung hat. Diese Volkskrankheiten werden schwerpunktmäßig von Endokrinologen behandelt. „Gerade bei einer so großen Zahl von Betroffenen müssen wir regelmäßig prüfen, ob die von uns verordneten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden noch den besten und effizientesten Versorgungsmöglichkeiten entsprechen“, betont Prof. Dr. med. Joachim Spranger, Direktor der Medizinischen Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin, Charité - Universitätsmedizin Berlin. Mit der Initiative „Klug entscheiden“ möchte die DGE neueste wissenschaftliche Erkenntnisse flächendeckend in die Arztpraxen transportieren und damit die Patientenversorgung optimieren.

Fünf Beispiele für Unter- und Überversorgung

Gemeinsam mit ihren Mitgliedern und der DGIM hat die DGE die häufigsten Hormon- und Stoffwechselerkrankungen auf den Prüfstand gestellt und dabei jeweils fünf Beispiele für Unter- und Überversorgung aufgedeckt. So zeigen die Experten beispielsweise auf, dass viele Patienten mit Osteoporose eine unzureichende medikamentöse Therapie bekommen, obwohl wirksame Therapien zur Verfügung stehen. Ebenso erhalten bis zu 40 Prozent der Diabetespatienten keine ausreichende Schulung zum Umgang mit ihrer Erkrankung. „Patienten mit schlechtem Selbstmanagement haben häufiger Blutzuckerentgleisungen. Dadurch steigt das Risiko für Folgeerkrankungen, was wiederum eine geringere Lebenserwartung zur Folge hat“, erklärt Spranger.

Als verzichtbar sehen die Endokrinologen dagegen die häufigen Verschreibungen von Testosteron bei Männern, bei denen einmalig ein niedriger Testosteronwert gemessen wurde. „Wird nur einmalig ein niedriger Wert gemessen, ist das noch keine Krankheit. Es muss eine Bestätigung des niedrigen Testosteronwertes erfolgen und eine Ursachenklärung durchgeführt werden, bevor gegebenenfalls eine Therapie erfolgt“, so Spranger.

Die DGE-Empfehlungen basieren auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und haben hohe Evidenz. Sie ermöglichen einen selbstkritischen Umgang im Praxisalltag und sollen stets mithilfe nachprüfbarer Erkenntnisse aus der Versorgungsforschung auf dem neuesten Stand gehalten werden. „Ärztliche Routine ist natürlich prinzipiell wünschenswert, da dadurch Patienten Sicherheit und Erfahrung zuteil wird“, erklärt Prof. Dr. rer. nat. Josef Köhrle, Präsident der DGE und Seniorprofessor im Institut für Experimentelle Endokrinologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin. „Doch in die täglichen Abläufe drohen sich auch Gewohnheiten zu schleichen, die schlimmstenfalls überflüssige oder für den Patienten gar schädliche Entscheidungen zur Folge haben.“

Quelle: DGE, 04.09.2017

 

Literatur:

Feldkamp, J et al.: Klug entscheiden…in der Endokrinologie. Dtsch Arztebl 2016; 113(17): A-821 / B-696 / C-687