KrebsMedizin

Neuartige Infektionserreger als Krebsrisikofaktoren

Deutsches Krebsforschungszentrum
Kli
BMMF
Das weltweit zu beobachtende Verteilungsmuster der Neuerkrankungsraten von Darm- und Brustkrebs deutet auf einen engen Zusammenhang mit dem Konsum von Milch- und Fleischprodukten vom europäischen Rind (Bos taurus) hin. Ikiwaner, Wikimedia Commons
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Eine frühkindliche Infektion mit einer bisher unbekannten Klasse von Erregern aus Kuhmilch und aus Rindfleisch kann das Krebsrisiko steigern.

Eine frühkindliche Infektion mit einer bisher unbekannten Klasse von Erregern aus Kuhmilch und aus Rindfleisch (genannt Bovine Milk and Meat Factors, BMMF) kann das Risiko für Darmkrebs, möglicherweise auch für andere Krebsarten und chronische Erkrankungen, steigern. Wissenschaftler um Harald zur Hausen haben diese auf epidemiologischen Beobachtungen basierende Hypothese seit nunmehr über zehn Jahren mit Ergebnissen unterfüttert.

Im Darmgewebe konnten die Forscher identifizieren, welche Gewebebereiche die Erreger besiedeln. Basierend auf diesen Befunden haben sie eine Theorie entwickelt, wie die infektiösen Erreger chronische Entzündungen verursachen und damit indirekt die Entstehung von Darmkrebs fördern.

Der Nachweis einer direkten Verbindung zwischen einer Infektion mit den BMMFs und einer bestimmten Erkrankung kann präventive Möglichkeiten eröffnen, etwa Impfungen oder schützende Lebensstil- und Ernährungsformen.

Ist Prävention möglich?

Welche Möglichkeiten sind denkbar, um sich gegen Infektion mit den BMMFs zu schützen?

Es ist davon auszugehen, dass Menschen sich mit den BMMFs im frühen Säuglingsalter infizieren – wenn ihr Immunsystem noch nicht ausgereift und leistungsfähig ist. Ab einem Alter von 12 Monaten ist das Baby wahrscheinlich immunkompetent und kann viele Erreger abwehren. Bekannt ist, dass langes Stillen (über 6 Monate hinaus) Säuglinge vor der Infektion mit einer ganzen Reihe von Erregern schützen kann (Noroviren, Rotaviren, HIV). Ursache dafür sind bestimmte Zuckerverbindungen in der Muttermilch, die verhindern, dass die Erreger an die Rezeptoren der Zelloberfläche andocken, über die sie normalerweise ins Zellinnere gelangen.So enthält Muttermilch beispielsweise die protektiven Zuckerverbindungen Disialyl-lacto-N-Tetraose, 2‘-Fukosyllaktose und 3‘-Fukosyllaktose.Diese Verbindungen sind in der Milch anderer Tierarten nicht vorhanden. Bereits heute werden diese Zucker teilweise Milchpulvern für die Babynahrung zugesetzt. Es ist möglich, dass diese Verbindungen auch die Infektion mit BMMFs verhindern.

Könnte Stillen auch die Mutter selbst vor Infektion mit BMMFs schützen?

Da das Brustgewebe im Kontakt mit den schützenden Zuckerverbindungen ist, kann man dies vermuten. Zahlreiche Studien aus den USA zeigen, dass mit jedem zusätzlichen Monat des Stillens das Brustkrebsrisiko der Mutter sinkt. Untersuchungen zur Inzidenz von Darm- und Lungenkrebs bei Frauen, die viele Kinder zur Welt gebracht haben, legen auch hier einen protektiven Effekt nahe.

Ist eine Impfung gegen BMMFs denkbar?

Denkbar wäre es, Rinder zu impfen und so die Übertragung der BMMFs auf den Menschen zu verhindern. Auch eine Schutzimpfung von Babys ist vorstellbar. Es wird geprüft, ob das Rep-Protein schützende Immunität induzieren kann.




Quelle: DKFZ, 26.02.2019

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