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Kein passendes Blut zur Hand?

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Manche Blutgruppeneigenschaften kommen so selten vor, dass nur wenige Blutspender bekannt sind. Gina Sanders - Fotolia
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Mit welchen neuen Methoden Transfusionsmediziner Menschen mit seltenen Blutgruppen oder besonderen Bedürfnissen versorgen können, erläutern Experten der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI).  

„Es gibt bestimmte Blutgruppenkonstellationen, sogenannte seltene Blutgruppen, die in der Bevölkerung mit einer Häufigkeit von unter 1:1.000 auftreten. Manche Blutgruppeneigenschaften, wie zum Beispiel die Blutgruppe Bombay (0h), kommen so selten vor, dass überhaupt nur wenige Blutspender bekannt sind“, erklärt Prof. Dr. med. Harald Klüter, Transfusionsmediziner an der Universitätsmedizin Mannheim und Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin und Immunologie des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg-Hessen.



Außerdem werden speziell ausgewählte Blutpräparate benötigt, um eine Antikörperbildung bei Patienten zu vermeiden, die wiederholt oder sogar lebenslang auf eine Blutübertragung angewiesen sind – zum Beispiel bei der Sichelzellerkrankung oder bei chronischen Blutmangelerkrankungen. Wird ein solches seltenes Blutpräparat gebraucht, kann die Suche aufwendig werden. Blutspendeeinrichtungen benötigen deshalb eine große Zahl an typisierten Blutspendern, die im Bedarfsfall auch schnell verfügbar sind. „Unter Umständen gleicht die Suche nach dem passenden Spender der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen, vor allem dann, wenn die Chance für einen passenden Spender unter 1:10.000 liegt“, sagt der Experte.

Wissenschaftler, die in der Sektion „Seltene Blutgruppen-Immunhämatologie“ der DGTI zusammenarbeiten, haben in den letzten Jahren neue molekularbiologische Methoden entwickelt, um betroffene Patienten besser versorgen zu können. Diese Methoden basieren auf der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion oder der direkten Sequenzierung des genetischen Codes.

Register für die schnelle Suche nach einem passenden Blutspender

Die Methoden sind an die Bedingungen der Immunhämatologie angepasst, und damit stehen heute besser charakterisierte Testreagenzien, also Nachweismittel, für Antikörper zur Verfügung. Außerdem können seltene Erythrozytenmerkmale bei Patienten mittels molekularer Testung nachgewiesen werden. Für diese Bestimmung standen bislang nur begrenzt oder gar keine Testreagenzien zur Verfügung. Letztlich erlauben diese molekularen Methoden auch die sogenannte Hoch-Durchsatz-Typisierung einer größeren Zahl an Blutspenderinnen und Blutspender.

Unter der Koordination der wissenschaftlichen Sektion der DGTI sind in verschiedenen Blutspendeeinrichtungen in Deutschland, aber auch in Österreich und der Schweiz zudem Register entstanden, die eine schnelle Suche nach einem passenden Blutspender erlauben. „An diese Zentren können sich die klinischen Einrichtungen und die transfusionsmedizinischen Labore jederzeit wenden. Schnell wird dann die Verfügbarkeit von passenden Blutspenden geprüft. Sollten gerade keine frisch gespendeten Blutpräparate vorhanden sein, können innerhalb von wenigen Tagen die registrierten Spender zur Abgabe einer Blutspende aufgefordert werden“, erklärt Klüter, Erster Vorsitzender der DGTI.

Tiefgefrorene Erythrozytenkonzentrate

Als Alternative stehen in spezialisierten Zentren tiefgefrorene Erythrozytenkonzentrate mit ausgewählten Blutgruppen zur Verfügung. Diese werden mit einem aufwendigen Verfahren eingefroren und bei Temperaturen unter -80°C gelagert. „Da jedoch beim Einfrieren und Auftauen Erythrozyten verloren gehen, ist der Einsatz dieser Präparate begrenzt. Stehen frisch gespendete Erythrozytenkonzentrate zur Verfügung, sind diese vorzuziehen“, betont Klüter

Die in der DGTI zusammenwirkenden Wissenschaftler aus Blutspendeeinrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bilden ein Netzwerk für die mit seltenen Blutgruppen oder speziellen Antikörpern einhergehenden Herausforderungen. „Durch die Methoden der Molekularbiologie und der Genotypisierung stehen heute speziell ausgesuchte Blutspenderinnen und Blutspender in den Blutspendeeinrichtungen zur Verfügung. Im Bedarfsfall können klinische Einrichtungen auf dieses Netzwerk zurückgreifen und so die Versorgung ihrer Patienten sicherstellen“, resümiert Klüter.

Quelle: DGTI, 08.08.2018

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