Brexit-Auswirkungen im Gesundheitswesen

„Katastrophale Folgen“

Der Europaabgeordnete Peter Liese befürchtet, dass die Auswirkungen eines harten Brexit besonders schlimm für Krebspatienten sind, die auf eine Behandlung mit radioaktiven Isotopen angewiesen sind.

Brexit

London, die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs | C. Freihöfer

Der CDU-Europaabgeordnete und gesundheitspolitische Sprecher der größten Fraktion im Europäischen Parlament (EVP-Christdemokraten), Dr. med. Peter Liese, warnt vor den Konsequenzen eines harten Brexit im Gesundheitswesen. „Ein harter Brexit hätte im Gesundheitswesen, vor allen Dingen in Großbritannien, katastrophale Folgen. Wir müssen leider befürchten, dass Patienten wegen mangelnder medizinischer Versorgung sterben müssen. Viele Ärzte und Pflegekräfte vom Kontinent arbeiten in Großbritannien.

Bei einem harten Brexit nehme ich an, dass viele von ihnen in ihre Heimatländer zurückkehren. Dadurch wird die medizinische Versorgung, die ohnehin schon schlecht ist, nochmal dramatisch verschlechtert. Besonders schlimm werden die Auswirkungen eines harten Brexit für Patienten sein, die zum Beispiel an Krebs leiden und die auf eine Behandlung mit radioaktiven Isotopen angewiesen sind. Viele dieser Isotope werden auf dem Kontinent hergestellt und wenn Großbritannien aus der EU aussteigt, steigen sie auch aus dem EURATOM-Vertrag aus. „Eine Herstellung dieser Isotope innerhalb kurzer Zeit ist in Großbritannien aus technischen und Sicherheitsgründen nicht möglich“, erklärte Liese.

Mögliche Lieferengpässe bei Medikamenten

„Die Befürworter eines harten Brexit spielen damit mit dem Leben von Menschen. Wir müssen unbedingt verhindern, dass diese sich durchsetzen. Nachdem das Abkommen, das Theresa May mit der Europäischen Union ausgehandelt hat, jetzt krachend gescheitert ist, gibt es nur noch zwei Möglichkeiten, einen harten Brexit abzuwenden. Entweder, Großbritannien muss sich in einem neuen Abkommen noch näher an die Europäische Union annähern, zum Beispiel wie Norwegen im Europäischen Binnenmarkt bleiben, oder aber, das wäre meiner Ansicht nach die beste Lösung, in einem zweiten Referendum soll den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben werden, den Brexit vollständig rückgängig zu machen. Es zeigt sich jeden Tag aufs Neue, das die Versprechen der Brexit-Befürworter nicht zu halten sind“, so Liese abschließend.

Dr. Martin Zentgraf, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), betont: „Das britische Parlament besiegelt politisch und wirtschaftlich unsichere Zeiten. Medikamente, die für ganz Europa in Großbritannien zugelassen wurden, dürfen von jetzt auf gleich nicht mehr in Europa vertrieben werden. Gleichzeitig müssen pharmazeutische Unternehmen, die mit Großbritannien Handel betreiben, mit chaotischen Zuständen rechnen: Der Handel fällt auf die WTO-Regeln zurück, inklusive der damit verbundenen Tarife, Zölle und anderer Restriktionen. Wir können nur hoffen, dass es hier nicht auf beiden Seiten zu Lieferengpässen kommt. Großbritannien, sei es nun EU-Mitglied oder nicht, muss deshalb für klare Verhältnisse sorgen, damit sich pharmazeutische Unternehmen auf das konzentrieren können, wofür sie da sind: Arzneimittel für eine flächendeckend optimale europäische Gesundheitsversorgung bereitzustellen.“


Quelle: Pressemitteilung, Peter Liese/BPI, 16.01.2019