Tumormarker im Blut

Kampf gegen gefährlichen Hodenkrebs

Wissenschaftler haben einen neuen Test zur Früherkennung von Hodenkrebs entwickelt. Die Früherkennung steigert die Heilungschancen beim „Krebs des jungen Mannes“.

Ein Forschungsteam aus Prof. Dr. med. Klaus-Peter Dieckmann, Experte für Hodentumoren und Ärztlicher Leiter des Hodentumorzentrums Hamburg in der Asklepios Klinik Altona, und Wissenschaftlern der Uni Bremen hat nach langjähriger Forschungsarbeit einen wichtigen Tumormarker für Hodenkrebs im Blut entdeckt. Dessen hohe Aussagekraft für eine frühzeitige und sichere Diagnostik, Therapie und Nachsorge konnte in Studien belegt werden. Mit der Entdeckung dieser Markerstoffe gelingt nun mittels eines einfachen Bluttests die Früherkennung von Hodentumoren, der häufigsten bösartigen Tumorerkrankung bei jungen Männern.

Etwa 4.000 Neuerkrankungen jährlich

Die häufigste Tumorerkrankung bei Männern zwischen 20 und 40 Jahren ist der Hodenkrebs, weshalb er auch als „der Krebs des jungen Mannes“ bezeichnet wird. Etwa 4.000 Männer erkranken jährlich deutschlandweit, allein in Hamburg sind es etwa 200 Männer pro Jahr. Die Zahl der Erkrankungen steigt seit Jahren an. Der Grund dafür ist nicht bekannt, vermutet werden aber Umwelteinflüsse. Die Entdeckung des Tumormarkers und die Entwicklung eines Bluttests zum Nachweis durch das Forscherteam erleichtern nun nicht nur die sichere Früherkennung von Hodentumoren und damit die Heilungschancen, sondern ebenfalls die Beurteilung des Therapieerfolges und die oft langjährige Nachsorge.

PD Dr. Daniel Nettersheim

Der Bonner Molekular-Pathologe PD Dr. Daniel Nettersheim hat in einer Studie die erfolgreiche Wirkung von Romidepsin auf therapieresistente Hodenkrebszellen nachgewiesen. Dafür ist er mit dem C. E. Alken-Preis 2017 ausgezeichnet worden.

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Auch kleine Tumore geben Signalstoff ab

Bereits 2012 konnte das Forschungsteam in der Vorstudie über den neuen Tumormarker bei Hodentumoren berichten. Das Ergebnis mehrjähriger Folgestudien ist nun ein Verfahren zur sicheren Bestimmung der Tumormarker. Der sogenannte Signalstoff M371 wird von den Hodenkrebszellen gebildet und in die Blutbahn ausgeschüttet. Die Urologen um Prof. Dieckmann und seine Partner von der biologischen Fakultät der Universität Bremen konnten zeigen, dass bereits sehr kleine Tumore von weniger als 1 cm Durchmesser den Signalstoff abgeben. „Dies ist ein großer Fortschritt“, so Dieckmann, „denn der M371-Test ist bei mehr als 90 % aller Hodentumoren anwendbar. Die bisherigen Markerstoffe sind nur bei etwa 50 % aller Patienten ausgeprägt. Der neue Test hilft bei der Früherkennung, bei der Ausbreitungsdiagnostik, bei der Feststellung des Therapieerfolges und vor allem bei der Früherkennung von Rückfällen. Wir denken auch, dass bei der Nachsorge viele der schädlichen, belastenden und teuren Röntgenuntersuchungen mit dem Test nicht mehr nötig sind.“

Labor-Test für den klinischen Alltag?

In der Urologie der Asklepios Klinik Altona behandeln Prof. Dr. Dieckmann und das Team des Hodentumorzentrums, das Teil des Asklepios Tumorzentrums Hamburg ist, jährlich etwa 80 bis 100 Patienten mit allen Stadien des Hodenkrebses, wobei alle Chemotherapien und alle operativen Eingriffe hier durchgeführt werden. Nach dem Erfolg arbeitet das Forschungsteam nun daran, für die praktische Anwendung einen sogenannten „Labor-Test“ zu erstellen, der dann bei Hodenkrebs-Patienten im klinischen Alltag anwendbar ist. Dies wird bereits Anfang des nächsten Jahres so weit sein.


Quelle: Asklepios