Grippewelle

Junge Erwachsene nehmen oft Antibiotika

Fast jeder zweite junge Erwachsene hat im vergangenen Jahr Antibiotika verschrieben bekommen. Viele dieser Verordnungen waren fragwürdig: Jeder Fünfte hatte eine Erkältung, bei der in der Regel kein Antibiotikum nötig ist.

 

Antibiotika

31 Prozent der Befragten denken, Antibiotika würden bei Virusinfekten wirken. | DAK-Gesundheit/iStock

Während der Grippe- und Erkältungszeit wird der unkritische Umgang mit Antibiotika besonders deutlich: 72 Prozent der Befragten erwarten eine Verordnung, wenn ihre Erkältungsbeschwerden nicht von selbst besser werden (2014: 76 Prozent). Vor allem die jungen Erwachsenen setzen auf diese Wirkstoffe, bei den Menschen ab 60 Jahren sind es 67 Prozent. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der DAK-Gesundheit, für die das Forsa-Institut mehr als 3.000 Menschen in Deutschland befragt hat.

Alisa Ismaili, Lisa Mareike Assmus, Carl-Philipp Hackstein, Dr. Zeinab Abdullah

Viele Patienten, die an Leberzirrhose leiden, sterben an unbehandelbaren bakteriellen Infektionen. Ein Forscherteam der Uni Bonn und der TU München hat nun herausgefunden, dass durch in die zirrhotische Leber einwandernde Darmbakterien für die Infektabwehr zuständige Immunzellen abgeschaltet werden.

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„Diese Erwartungshaltung ist problematisch, vor allem, wenn sie sich auf das Verordnungsverhalten der Ärzte auswirkt“, kommentiert Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit. „Antibiotika sind lebensrettende Medikamente, die wir dringend benötigen. Werden sie unkritisch eingenommen, verschärft sich das Risiko der Resistenzbildung. Deshalb brauchen wir einen Bewusstseinswandel in Deutschland.“

Über die Einsatzgebiete der Wirkstoffe sind viele Deutsche nicht ausreichend informiert: 31 Prozent der Befragten denken, Antibiotika würden bei Virusinfekten wirken (2014: 38 Prozent), 19 Prozent erhoffen sich Hilfe bei Pilzinfektionen (2014: 23 Prozent). Dabei dienen die Medikamente nur der Behandlung bakterieller Infektionen – bei Erkältungen oder Bronchitis beispielsweise sind sie in den meisten Fällen unnötig. Rückgängig ist die Tendenz, sich mit Antibiotika wieder fit machen zu wollen für den Job: 2014 wünschte sich noch jeder Vierte (25 Prozent) ein Rezept, um schnell wieder auf die Beine zu kommen, 2017 nur noch jeder Sechste (16 Prozent).

Das Alter spielt beim Umgang mit Antibiotika eine Rolle: Die Gruppe derjenigen, die bei hartnäckigen Beschwerden ein Antibiotika-Rezept erwarten, ist bei jungen Menschen besonders groß (78 Prozent). Die über 60-Jährigen sind eher zurückhaltend. Von ihnen hat im vergangenen Jahr nur etwa jeder Dritte (35 Prozent) Antibiotika verordnet bekommen, bei den jüngeren knapp jeder Zweite (48 Prozent).

Quelle: DAK-Gesundheit, 3.4.2018

 


Einnahmehinweise im Internet

Für die richtige Einnahme von Antibiotika bietet die DAK-Gesundheit im Internet ergänzende Information an: Auf www.dak.de/antibiotika gibt es auch viel Wissenswertes für Eltern, deren Kind eine entsprechende Verordnung bekommen hat.