Dialog

Interview mit MTLA Dimitra Tzani

Nach dem Gespräch mit dem Bundespräsidenten hat sich einiges geändert
Ludwig Zahn
Interview mit MTLA Dimitra Tzani
Dimitra Tzani mit dem Bundespräsidenten © Bundesregierung/Guido Bergmann
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Dimitra Tzani hatte als MTLA im vergangenen Jahr ein Treffen mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau. Das deutsche Staatsoberhaupt wollte „Corona-Helden“ treffen.

Wir haben nachgefragt, was sich seitdem geändert hat. Seit Dezember 2002 arbeitet Tzani (45) im Institut für Klinikhygiene, Medizinische Mikrobiologie und Klinische Infektiologie am Klinikum Nürnberg. Sie hat ihre Ausbildung als MTLA im Jahr 1996 in Nürnberg abgeschlossen.

Frau Tzani, Sie hatten im vergangenen Jahr als MTLA ein Treffen mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau. Wie kam es zu diesem Treffen?

Unser Bundespräsident hat am 20. November 2020 das Gespräch gesucht mit Menschen aus der Region, die sich in der Pandemie besonders engagiert haben. Ich durfte den Bereich Labor vertreten.

Viele MTA beklagen die mangelnde Würdigung der Arbeit der MTA-Berufe in der Öffentlichkeit. Gleichzeitig gab es jüngst eine Studie, die aufgezeigt hat, dass MTA in der Pandemie besonders oft unter Depressionssymptomen und Ängsten gelitten haben. Konnten Sie dem Bundespräsidenten die Bedeutung, aber auch die Belastung des MTA-Berufes speziell in Pandemiezeiten näherbringen?

Unsere Berufsgruppe ist in der Pandemie besonders stark betroffen. Lange Zeit hat uns niemand erwähnt. Wir standen im Hintergrund. Bei uns hat sich keiner öffentlich bedankt, wir wurden nicht beklatscht, obwohl wir Unmögliches geleistet haben. Es hat gutgetan, mit dem Bundespräsidenten über unseren Alltag zu sprechen. Er hatte großes Interesse gezeigt, mehr über unsere Arbeit zu erfahren. Im Laufe des Gespräches konnte ich dem Bundespräsidenten nahebringen, wie sich unser Alltag verändert hat. Die unzähligen Überstunden, die Bereitschaft, Überstunden zu leisten auch am Wochenende.

Gab es denn nach dem Treffen noch ein Feedback oder Ähnliches aus dem Bundespräsidialamt oder vom Bundespräsidenten selbst?

Nach dem Treffen gab es einen Dankesbrief und ein Autogramm vom Herrn Bundespräsidenten.

Hat sich aus Ihrer Sicht etwas verändert nach fast einem Jahr seit dem Treffen?

Nach nun fast einem Jahr hat sich einiges verändert. Wir haben personell aufgestockt. Es wurden neue Geräte angeschafft. Es gibt fast keine Lieferengpässe mehr. So können wir besser planen und strukturieren. Wir haben mehr Personal eingearbeitet für mehr Flexibilität.

Was wäre Ihr größter Wunsch an die Politik?

Von der Politik würde ich mir mehr Transparenz wünschen. Regeln sollten einheitlicher sein. In Zeiten der Pandemie sollten die Hilfen schneller und gerechter verteilt werden. Schnelle Unterstützung ohne viel Bürokratie. Auch in der Gesundheitspolitik muss sich etwas ändern. Eine angemessene Personalbemessungsgrenze auch bei den MTA-Berufen verhindert Fachkräftemangel.

Wie ist aktuell die Belastung durch die Corona-Tests? Befürchten Sie wieder einen Anstieg, nachdem die Inzidenzen auch wieder klettern?

Die Belastung durch die Corona-Tests ist immer noch sehr hoch. Wir müssen Zusatzdienste leisten, um die Ergebnisse schnellstmöglich an die Station zu bringen. Jeder Patient, der ins Krankenhaus kommt, wird getestet. Der normale Krankenhausbetrieb läuft aber auch weiter. Wir müssen immer auf dem aktuellen Stand bleiben mit Schulungen, Besprechungen und Fortbildungen, immer bereit sein für jede neue Regelung und diese entsprechend auch umsetzen. Ich hoffe nicht, dass es wieder zu einem Anstieg kommt. Wir dürfen nicht vergessen, dass mittlerweile viele Menschen geimpft sind. In vielen öffentlichen Einrichtungen besteht die 3G-Regel.

Noch ein paar Worte zu Ihnen. Seit wann sind Sie MTLA? Was hatte damals den Ausschlag gegeben, diesen Berufsweg einzuschlagen? Würden Sie die Ausbildung wieder machen?

Ich habe meine Ausbildung als MTLA im Jahr 1996 in Nürnberg abgeschlossen. Ich habe mich damals für die MTLA-Ausbildung entschieden, weil ich etwas mit Medizin machen wollte. Menschen zu helfen, obwohl ich keinen direkten Kontakt zu Patienten habe. Ich würde die Ausbildung jederzeit wieder machen und kann sie jedem jungen Menschen empfehlen. Mit der Novellierung des MTAG wird die Ausbildung künftig vergütet. Die enge Zusammenarbeit mit den praktischen Ausbildungsplätzen ist besonders von Vorteil für die Schüler.

Was würden Sie jungen Menschen raten, die überlegen, den Weg einer Ausbildung zur/zum MTA einzuschlagen?

Der Beruf ist breit gefächert durch die verschiedenen Bereiche. Man hat Aufstiegsmöglichkeiten. Durch Fort- und Weiterbildungen ist man immer auf dem aktuellen Stand. Die Medizin entwickelt sich immer weiter und wir mit.

Frau Tzani, vielen Dank für das Interview.

Die Fragen stellte Ludwig Zahn.

Entnommen aus MTA Dialog 11/2021

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