Früherkennungsuntersuchungen

IGeL-Monitor bewertet Ultraschall negativ

Das Team des IGeL-Monitors bewertet Ultraschalluntersuchungen zur Früherkennung von Gebärmutterkörperkrebs mit „tendenziell negativ“ sowie Ultraschall zur Früherkennung von Eierstockkrebs weiterhin mit „negativ“.

Ultraschalluntersuchungen

Bei den Früherkennungsuntersuchungen kann es zu falsch-positiven Ergebnissen kommen. | romaset - stock.adobe.com

Das Team des IGeL-Monitors wollte wissen, ob durch eine Ultraschalluntersuchung die verschiedenen Krebserkrankungen des Gebärmutterkörpers beziehungsweise Eierstockkrebs frühzeitig erkannt werden können und sich dadurch das Leben der Betroffenen verlängern oder ihre Lebensqualität verbessern lässt.
Bezogen auf den Gebärmutterkörperkrebs ließen sich weltweit keine Studien ausmachen, die zeigen, dass die Untersuchung den Betroffenen nützt. Zur Krebserkrankung der Eierstöcke fand das Team des IGeL-Monitors eine hochwertige aktuelle Übersichtsarbeit sowie Langzeitergebnisse einer der großen Screening-Studien zu diesem Thema, die belegen, dass sich bei der Gruppe der Frauen mit Ultraschall und der ohne Ultraschall die Sterblichkeit kaum unterscheidet.

Beidseitiges Ovarialkarzinom

Zwei große randomisiert-kontrollierte klinische Studien kamen in den zurückliegenden Jahren zu dem Schluss, dass die Eierstockkrebsfrüherkennung kein zusätzliches Leben rettet, aber mit massiven Schäden bei gesunden Frauen einhergehen kann.

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Bei beiden Früherkennungsuntersuchungen kann es zu falsch-positiven Ergebnissen kommen. So zeigen Studien, dass von 100 Frauen mit einem positiven Testergebnis nach einer Ultraschall-Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterkörperkrebs weniger als eine tatsächlich an Krebs erkrankt. Nach einer Ultraschall-Früherkennungsuntersuchung auf Eierstockkrebs werden bei 3 von 100 Frauen gesunde, nicht krebserkrankte Eierstöcke entfernt. Diese Folgen eines falsch-positiven Untersuchungsergebnisses wertet das Team des IGeL-Monitors als Hinweise darauf, dass die Untersuchung den Frauen schadet.

Unter den Top 5 der häufigsten IGeL

Die medizinischen Fachgesellschaften Deutsche Krebsgesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die Deutsche Krebshilfe raten, so der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS), von beiden Untersuchungen bei symptomfreien Frauen ohne familiäre Vorbelastung ab.

In den repräsentativen Versicherten-Befragungen für den IGeL-Report 2018 und den IGeL-Report 2020 wurden die Untersuchungen „Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung“ sowie „Ultraschall (transvaginal) des Bauchraums“ unter den Top 5 der häufigsten IGeL genannt. Laut der Befragung von 2020 werden auch jüngeren Frauen Ultraschalluntersuchungen zur Krebsfrüherkennung angeboten, obwohl sie ein nur geringes Krankheitsrisiko haben.

Bei Symptomen übernehmen die Krankenkassen die Kosten

Eine Stichproben-Recherche des IGeL-Monitors im August 2020 ergab, dass 47 von 50 gynäkologischen Praxen auf ihren Webseiten einen transvaginalen Ultraschall als Krebsfrüherkennung anbieten. Wenn Frauen Symptome haben, wie beispielsweise unnormale Blutungen, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Ultraschalluntersuchung, sonst ist sie eine IGeL.

 

 

Quelle: MDS, 18.11.2020