Heidelberger Virologe

Höchste medizinisch-wissenschaftliche Auszeichnung der USA

Lasker~DeBakey Clinical Medical Research Award, der inoffizielle „amerikanische Medizin-Nobelpreis“, geht an Professor Dr. Ralf Bartenschlager vom Universitätsklinikum Heidelberg und vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

Professor Dr. Bartenschlager

Professor Dr. Bartenschlager, Leitender Direktor der Abteilung für Molekulare Virologie am Zentrum für Infektiologie, Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Heidelberg. | Universitätsklinikum Heidelberg

Der Virologe Professor Dr. Ralf Bartenschlager, seit 2002 Leitender Direktor der Abteilung für Molekulare Virologie am Zentrum für Infektiologie, Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg, und seit 2014 Leiter des Forschungsschwerpunkts Infektion, Entzündung und Krebs am Deutschen Krebsforschungszentrum, wird gemeinsam mit seinen Kollegen Professor Charles Rice, Rockefeller University, New York, und Dr. Michael Sofia, Arbutus Biopharma, USA, mit dem Lasker~DeBakey Award für klinisch-medizinische Forschung ausgezeichnet.

Verleihung am 23. September

Der Lasker-Award, den die New Yorker Lasker-Foundation jährlich in drei Kategorien vergibt, ist die höchste medizinisch-wissenschaftliche Auszeichnung in den USA und gilt auch als inoffizieller „amerikanischer Medizin-Nobelpreis“. Er ist mit 250.000 US-Dollar dotiert. Die feierliche Verleihung des Awards findet am 23. September 2016 in New York statt. 1999 gelang es der Arbeitsgruppe um Ralf Bartenschlager erstmals, das Hepatitis C-Virus im Labor in leicht veränderter Form in Leber-Zellen zu vermehren. Mit diesem Zellkultursystem war die Voraussetzung für die Entwicklung hochwirksamer Medikamente geschaffen. Heute ist bei mehr als 95 Prozent der Patienten mit chronischer Hepatitis C eine Heilung möglich.

Hepatitis C heute heilbar

“Die chronische Hepatitis C ist heute bei der Mehrzahl der Patienten heilbar. Ohne das von Ralf Bartenschlager und seinem Team entwickelte Vermehrungssystem für dieses Virus, an dem erstmals Wirkstoffe getestet werden konnten, wären wir heute noch lange nicht auf diesem Stand“, unterstreicht Professor Dr. Guido Adler, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg, die Leistung des bereits mehrfach ausgezeichneten Virologen.

Professor Dr. Wolfgang Herzog, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg, ergänzt: „Es ist eine große Ehre, dass der Lasker-Award für klinisch-medizinische Forschung an einen in Deutschland tätigen Wissenschaftler verliehen wird. Wir gratulieren Herrn Professor Bartenschlager und seinem Team herzlich!“ „Die herausragenden Arbeiten von Ralf Bartenschlager mit seinem Team und diese Auszeichnung dafür stärken den Medizincampus Heidelberg mit seinem Forschungsschwerpunkt Infektionskrankheiten“, sagt Professor Dr. Hans-Georg Kräusslich, Sprecher des Zentrums für Infektiologie und Prodekan für Forschung.

130 Mio. Menschen betroffen

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden weltweit etwa 130 Millionen Menschen an einer chronischen Infektion mit Hepatitis C-Viren (HCV). Die Erkrankung zerstört nach und nach die Leber, verursacht Leberzirrhose und -krebs. Die ersten in der Behandlung eingesetzten Medikamente dämmten lediglich die Leberentzündung ein, seit 2014 ist dank gezielt gegen HCV-Proteine wirkender Therapeutika bei mehr als 95 Prozent der Patienten eine Heilung möglich.

Seit 25 Jahren erforscht Bartenschlager das Hepatitis C-Virus

Ralf Bartenschlager startete seine wissenschaftliche Laufbahn kurz nachdem 1989 das Hepatitis C-Virus erstmals genetisch beschrieben wurde. Nach seiner Promotion am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg im Labor von Heinz Schaller wechselte er 1991 in die Pharmabranche und startete mit seiner Forschung zu HCV, die er ab 1994 am Universitätsklinikum Mainz weiterführte. In langjähriger und mühevoller Kleinarbeit entwickelte er gemeinsam mit seinem Kollegen Volker Lohmann die erste Methode zur zuverlässigen Vermehrung von HCV in menschlichen Leberzellkulturen.