Kongresspräsidenten-Interview

Highlights beim Mikroskopie-Kongress

Experten präsentieren in Berlin fünf Tage lang neue Erkenntnisse und aktuelle Trends aus der spannenden Welt der Mikroskopie.

Conventus

Bei der „Microscopy Conference“ vom 1. bis zum 5. September 2019 gibt es in Berlin aktuelle Forschungen und neue Erkenntnisse aus der spannenden Welt der Mikroskopie. Fünf Tage lang werden rund 1.000 hochrangige nationale und internationale Experten ihre Forschungsergebnisse präsentieren. Mit einem wissenschaftlichen Programm und einer Fachausstellung neuester mikroskopischer Geräte bietet die MC 2019 neben einem umfassenden fachlichen Austausch auch Informationsmöglichkeiten für jeden, der an aktuellen Mikroskopie-Techniken in allen wissenschaftlichen Bereichen interessiert ist. Diskutiert werden Entwicklungen und Trends in Life Science, Materialwissenschaften und in der Messtechnik. Die Tagungspräsidenten Prof. Dr. Michael Lehmann, Institut für Optik und Atomare Physik der Technischen Universität Berlin und Prof. Dr. Christoph T. Koch, Institut für Physik der Humboldt-Universität zu Berlin, geben im Interview vorab erste Einblicke in die Schwerpunkte und Highlights des Kongresses.

Was ist die besondere Ausrichtung des diesjährigen Kongresses? Welche wichtigen Schwerpunkte haben Sie bei der 39. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Elektronenmikroskopie e.V. (DGE), der MC 2019, gesetzt?

Prof. Dr. Michael Lehmann: Inhaltlich haben wir uns gemeinsam mit dem gesamten Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Elektronenmikroskopie (DGE) und den Organisatoren der 21 verschiedenen Sessions bemüht, sowohl die verschiedenen Forschungsrichtungen der Elektronenmikroskopie in ihrer Breite abzudecken, als auch den neuen Entwicklungen ausreichend Raum zu geben, was durch die Auswahl der Plenarredner aber auch den etwas erweiterten zeitlichen Rahmen einiger Sessions realisiert wurde. Da eine Konferenz wie diese auch immer eine sehr gute Gelegenheit ist, wissenschaftliche Kontakte aufzufrischen oder neu zu knüpfen, wird der Vernetzung besonders viel Raum gegeben, nicht zuletzt durch die speziell dafür vorgesehenen ‚Networking Evenings‘ und dem Conference Dinner, welche alle in der Registrierungsgebühr inklusive sind.

Die Elektronenmikroskopie hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt und bietet eine unglaubliche Vielfalt an Anwendungen. Welche neuen spannenden Entwicklungen werden vorgestellt und diskutiert?  In welchen Bereichen gibt es aktuelle Trends? Welche neuen Impulse erwarten Sie und was sind die Fragestellungen?

Prof. Dr. Christoph T. Koch: Es hat tatsächlich in den letzten Jahren einen sehr rasanten Fortschritt auf dem Gebiet der Elektronenmikroskope selbst, aber auch der darin integrierten Detektoren gegeben. Diese Entwicklungen haben dann auch sehr schnell neue oder deutlich verbesserte Anwendungen mit sich gebracht. So ermöglicht z.B. die Entwicklung sehr schneller und gleichzeitig rauscharmer Detektoren für Beugungsbilder, dass sehr viel mehr Information über einen kleinen Bereich des untersuchten Materials bei gleichzeitig reduzierter Strahlschädigung aufgenommen werden kann. Die Auflösung in der Elektronenenergieverlustspektroskopie ist mittlerweile so gut geworden, dass man nun selbst die Schwingungszustände in Kristallen und Molekülen mit hoher räumlicher Auflösung darstellen kann. Neue Detektoren und Computeralgorithmen ermöglichen es nun auch, 3-D-Rekonstruktionen organischer Makromoleküle bei atomarer Auflösung zu berechnen. In all diesen Bereichen erwarten wir Beiträge von Rednern in eingeladenen und beigetragenen Vorträgen und auf Postern, sowie rege Diskussionen.  

Legionella pneumophila

Das Bakterium Legionella pneumophilia, Verursacher der berüchtigten Legionärskrankheit, setzt Hunderte Enzyme frei, um zelluläre Prozesse zu kontrollieren und das Immunsystem zu unterlaufen. Biochemiker fanden heraus, wie das regulatorische Enzym SidJ andere gefährliche Virulenzfaktoren in Schach hält.

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Mit einem Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Mikroskopie bietet die MC2019 wieder ein umfassendes Forum für die Forschung in allen Bereichen. Inwieweit wird dabei der wissenschaftliche Austausch mit Nachwuchsforschern gefördert?

Prof. Dr. Michael Lehmann: Nachwuchsförderung ist ein ganz großes Thema der Deutschen Gesellschaft für Elektronenmikroskopie und damit auch für die MC2019. Nicht umsonst halten wir die Tagung an einer Universität ab und nicht in einem Kongresszentrum, um die Registrierungsgebühren insbesondere für Nachwuchswissenschaftler/-innen niedrig zu halten und damit die Arbeitsgruppen es sich leisten können, auch die Jüngeren mit zur Tagung zu nehmen. Die Session-Chairs haben zudem meist jüngere Leute für Invited Talks eingeladen, um deren Sichtbarkeit zu fördern. Dieses Konzept hat sich bereits bei den vergangenen MC-Konferenzen bewährt, denn wir hatten immer einen regen Austausch zwischen allen Generationen.

Ein wichtiger Tagungsschwerpunkt ist der Bereich Lebenswissenschaften. Worauf wird der Fokus liegen? Inwieweit eröffnen aktuelle Mikroskopieverfahren neue Forschungsperspektiven?

Prof. Dr. Christoph T. Koch: In den Lebenswissenschaften hat die Elektronenmikroskopie enorm von der Entwicklung neuer Detektoren, sowie sogenannter Phasenplatten für Elektronen profitiert, die beide in den letzten paar Jahren parallel dafür gesorgt haben, dass biologische Materialien trotz ihrer sehr hohen Sensibilität für die Bestrahlung mit schnellen Elektronen mit so hoher Auflösung abgebildet werden können, dass aus diesen Daten die atomare Struktur von Makromolekülen rekonstruiert werden kann. Während die neuen Detektoren die gestreuten Elektronen mit deutlich weniger Rauschen detektieren, sorgen die in der optischen Mikroskopie bereits lange verwendeten Phasenplatten - hierfür gab es einen Nobelpreis im Jahr 1953 - dafür, dass der Kontrast der Aufnahmen deutlich verbessert wird. Wir erwarten, dass diese Entwicklungen in verschiedenen Beiträgen thematisiert werden, aber auch die vielen anderen Weiterentwicklungen, die z.B. in der korrelativen Mikroskopie oder der Präparation biologischer Materialien für die Mikroskopie zu verzeichnen sind.