Medizin

Herz-Bindegewebe unter Strom

Kardiologie
Kli
Herz-Bindesgewebe
Wenige Nanometer breite Tunnel verbinden Muskel- und Nicht-Muskelzellen im Herzen. (Grün: Bindegewebszelle, Blau: Muskelzelle) Universitätsklinikum Freiburg
Newsletter­anmeldung

Bleiben Sie auf dem Laufenden. Der MTA-Dialog-Newsletter informiert Sie jede Woche kostenfrei über die wichtigsten Branchen-News, aktuelle Themen und die neusten Stellenangebote..


Erstmals wurde eine elektrische Kopplung von Muskel- und Nicht-Muskelzellen im Herzen nachgewiesen. Die Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen.

Es wurde bereits lange vermutet, aber nie bewiesen: Im Herzen sind Muskelzellen und Nicht-Muskelzellen elektrisch miteinander verbunden. Das zeigen nun erstmals Forscherinnen und Forscher des Universitäts-Herzzentrums Freiburg - Bad Krozingen (UHZ). Im Labor schleusten sie in unterschiedliche Typen von Herzzellen Moleküle ein, die bei Spannungsänderungen aufleuchten. Diese Licht-Signale konnten die Forscher nicht nur in Muskelzellen, sondern auch im Bindegewebe des Herzens nachweisen, wie es beispielsweise bei der Vernarbung des Herzens verstärkt gebildet wird.

„Da Bindegewebe die elektrischen Signale nicht selbst generieren kann, bleibt nur eine Erklärung: Es wird von Muskelzellen unter Strom gesetzt“, sagt Studienleiter Peter Kohl, Direktor des Instituts für Experimentelle Kardiovaskuläre Medizin des UHZ. Dies geschieht vermutlich durch wenige Nanometer breite und mehrere hundert Nanometer lange zelluläre Tunnel, die Bindegewebs- und Muskelzellen miteinander verbinden.

Ein besseres Verständnis der Erregungsleitung

„Die neu entdeckten Tunnel sind winzig. Ihre Länge entspricht gerade einmal dem Betrag, den ein Fingernagel in einer Minute wächst“, erklärt Kohl. Ein besseres Verständnis der Erregungsleitung durch Nicht-Muskelzellen ist für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen von Bedeutung. So wird zum Beispiel im Rahmen einer sogenannten Ablation eine Narbe in den Herzmuskel gesetzt, die schädliche Erregungen unterbrechen soll. Doch oft funktioniert diese Unterbrechung nur unvollständig.

Die neuen Erkenntnisse könnten nun verbesserte Therapieansätze ermöglichen. Die Studie, die maßgeblich durch eine Förderung des European Research Council der Europäischen Union gefördert wurde, erschien am 6. Dezember im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of the United States of America.

Originaltitel der Publikation:

Electrotonic Coupling of Excitable and Non-excitable Cells in the Heart Revealed by Optogenetics
DOI: 10.1073/pnas.1611184114



Quelle: idw/Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen08.12.2016 13:57


Artikel teilen

Online-Angebot der MTA Dialog

Um das Online-Angebot der MTA Dialog uneingeschränkt nutzen zu können, müssen Sie sich einmalig mit Ihrer DVTA-Mitglieds- oder MTA Dialog-Abonnentennummer registrieren.

Stellen- und Rubrikenmarkt

Möchten Sie eine Anzeige auf der MTA Dialog schalten?

Stellenmarkt
Rubrikenmarkt
Industrieanzeige