Dermatologie

Handhygiene-Strategie in Pandemiezeiten

Experten der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) weisen darauf hin, dass anstelle von häufigem Händewaschen mit Seifen die Hände desinfiziert und anschließend eingecremt werden sollten.

Handhyiene

Besondere bei Beschäftigten im Gesundheitswesen sind Handekzeme aller Schweregrade weit verbreitet. | Kunstzeug - stock.adobe.com

Mit Beginn der Corona-Pandemie etablierte sich als eine der wichtigen Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor einer Corona-Infektion die intensivierte Handhygiene. So empfahl das Robert Koch-Institut (RKI) all jenen, die im medizinischen und pflegerischen Bereich tätig sind, die regelmäßige Handdesinfektion mit alkoholischen, das Virus zerstörenden (viruziden) Präparaten. Für die Gesamtbevölkerung verfasste die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) entsprechende Tipps für das empfohlene häufige Händewaschen mit Seifen (auch Detergenzien genannt) zusammen. „Zu beachten ist, dass die für die Handhygiene verwendeten Mittel nicht nur den erwünschten Effekt einer Ablösung oder Abtötung des Krankheitserregers haben, sondern auch das Hautorgan selbst beeinträchtigen können“, sagt Prof. Dr. med. Peter Elsner, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG).

Händewaschen

Im Zentrum der Kampagne #waschenwiewalter steht die Kunstfigur Walter. Er informiert und gibt Tipps für richtiges Händewaschen.

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Ein wesentliches Charakteristikum der Haut ist ihre epidermale Barrierefunktion. Durch die eingesetzten Substanzen können die im Stratum corneum (Hornschicht) interzellulär vorhandenen Lipid-Doppellamellen, aber auch dem Wasserhaushalt dienende Peptide („Natural Moisturizing Factor“) angegriffen werden. Dies begünstigt dann die Entstehung eines irritativen Kontaktekzems.

Zunahme von Handekzemen

Erste Berichte aus Hautarztpraxen über eine Zunahme von Handekzemen schon wenige Monate nach Beginn der Corona-Pandemie bestätigten die Vermutung, dass die intensivierte Handhygiene ein Risiko für die Hautgesundheit in sich birgt. Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass insbesondere bei Beschäftigten im Gesundheitswesen, die beruflich bedingt eine besonders intensive Handhygiene betreiben müssen, Handekzeme aller Schweregrade weit verbreitet sind.

Nun ergab eine aktuelle Studie bei 114 Beschäftigten in einem OP und der Intensivstation des Universitätsklinikums München, dass unter den Bedingungen der Corona-Pandemie die Handhygienemaßnahmen signifikant zunahmen und dass in deren Folge 90 Prozent der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen klinische Symptome eines Handekzems zeigten: Insbesondere Hauttrockenheit (83,2 Prozent), gefolgt von Erythem (38,6 Prozent), Juckreiz (28,9 Prozent), Brennen (21,1 Prozent), Schuppung (18,4 Prozent), Fissuren (9,6 Prozent) und Schmerzen (4,4 Prozent).  

Umdenken bei der Handhygiene-Strategie

„Aus arbeitsmedizinischen Untersuchungen der letzten Jahre wissen wir zudem, dass Detergentieneffekte sich durch das anschließende Tragen von Handschuhen verstärken. Bei alkoholischen Desinfizientien ist dies nicht der Fall “, erklärt Elsner. Die Hautpflege mindere zudem nicht die antiseptische Wirkung der alkoholischen Desinfektionsmittel, so der Dermatologe aus Jena. „Die Erhaltung der Hautgesundheit macht ein Umdenken bei der Handhygiene-Strategie erforderlich“, betont Elsner, Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena.

„Aus dermatologischer und arbeitsmedizinischer Sicht raten wir in Zeiten intensivierter Handhygiene vom Einsatz von Detergentien ab. Hautschonender ist das Desinfizieren in Verbindung mit intensiver Hautpflege.“ Wenn trotz dieser Maßnahmen Handekzeme auftreten, sollten diese unverzüglich leitliniengerecht behandelt und, bei vermuteter beruflicher Verursachung, dem zuständigen Unfallversicherungsträger zur Einleitung von Maßnahmen der individuellen Prävention gemäß § 3 BKV gemeldet werden.

 

Quellen:

Antonov D, Schliemann S, Elsner P: Contact dermatitis due to irritation. In: John SM, Johansen JD, Rustemeyer T, Elsner P, Maibach HI, editors. Kanerva’s Occupational Dermatology. Heidelberg New York: Springer; 2020.

Antonov D, Schliemann S, Elsner P: Wet work and occlusion. In: John SM, Johansen JD, Rustemeyer T, Elsner P, Maibach HI, editors. Kanerva’s Occupational Dermatology. Heidelberg New York: Springer; 2020.

Guertler A, Moellhoff N, Schenck TL, et al.: Onset of occupational hand eczema among healthcare workers during the SARS-CoV-2 pandemic - comparing a single surgical site with a COVID-19 intensive care unit. Contact Dermatitis [Internet]. 2020; Available from: dx.doi.org/10.1111/cod.13618

Welle S: Vergleichende Untersuchungen zum kumulativen in-vivo Irritationspotential beruflich relevanter alkoholischer Irritanzien [Internet]. Friedrich-Schiller-Universität Jena; 2019. Available from: dx.doi.org/10.22032/DBT.39635

 

Quelle: DDG, 29.03.2021