Premium Mikrobiologie

Häufung akuter Hepatitiden bei Kindern in Großbritannien

(In)direkter Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie?
Hardy-Thorsten Panknin, Matthias Trautmann
Titelbild zum Fachbeitrag über eine Häufung akuter Hepatitiden bei Kindern in Großbritannien
© SciePro, stock.adobe.com
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Eine bislang unerklärte Häufung akuter Leberentzündungen bei Kindern gibt international Anlass zur Besorgnis. Die ersten Krankheitsfälle wurden am 5. April 2022 öffentlich bekannt [1]. An diesem Tag informierte die englische Gesundheitsbehörde die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über 10 Fälle von ätiologisch ungeklärter akuter Hepatitis in Schottland.

Aktuelles Infektionsgeschehen

Betroffen waren Kinder im Alter von unter 10 Jahren. Eine infektiöse Ursache wurde vermutet, jedoch fielen die Tests auf die klassischen viralen Hepatitiserreger, die Hepatitisviren A–E, negativ aus. Nach dieser ersten Mitteilung traten in rascher Folge weitere Fälle auf, sodass aktuell (Stand 10. Mai 2022) im Vereinigten Königreich 176 Fälle bekannt geworden sind. Die Erkrankungen erregten ein erhebliches Aufsehen in den Medien, nicht zuletzt deshalb, weil 11 Kinder so schwer erkrankten, dass sie nur durch eine Lebertransplantation gerettet werden konnten. Inzwischen sind außer in Schottland auch Fälle in England, Wales und Nordirland aufgetreten. Nach einer Mitteilung der WHO traten außerdem 13 Fälle in Spanien, 12 in Israel, 9 in den USA, 6 in Dänemark, 4 in den Niederlanden, 2 in Norwegen, 2 in Frankreich und je einer in Rumänien, Deutschland und Bulgarien auf, Gesamtzahl weltweit: mindestens n = 348. Ein weiteres Kind wurde transplantiert, eines verstarb [1, 2].

Klinik einer schweren akuten Hepatitis

Klinisch erkrankten die Kinder akut mit Fieber, Bauchschmerzen und Gelbsucht. Bei den meisten waren einige Tage zuvor Durchfall und Erbrechen aufgetreten, was den Verdacht auf einen Magen-Darm-Infekt als Auslöser lenkte. Laborchemisch zeigten die Lebertransaminasen einen Anstieg auf über 500 IU/L, bei vielen Kindern lagen die Werte sogar über 2.000 IU/L. Einige Kinder wurden in spezialisierte Leberzentren verlegt. Die Untersuchungen zur Ursache der Erkrankungen sind derzeit noch nicht abgeschlossen. Vermutet wird am ehesten eine virale Ursache, obwohl parallel auch Tests auf Umweltnoxen durchgeführt werden. Die Kinder waren zuvor nicht chronisch krank gewesen und hatten, soweit bekannt, nur in 2 Fällen in engerem Kontakt zueinander gestanden. Spezielle geografische Besonderheiten des Wohnortes (zum Beispiel in der Nähe eines Flusses oder anderen Gewässers) waren nicht erkennbar.

 

Entnommen aus MTA Dialog 6/2022 (Printbeitrag, aktualisierte Version zur Online-First-Veröffentlichung)

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