Studien

Gute Wirkung von Boosterimpfungen

Ein Forschungsteam hat nachweisen können, dass sich der Impfschutz nach einer einmaligen Coronaimpfung mit Johnson&Johnson durch die freiwillige zweite Impfung signifikant erhöht.

Johnson&Johnson

Der Impfstoff des Herstellers Johnson&Johnson ist der einzige zugelassene Impfstoff in Europa, der nach nur einer Gabe seine schützende Wirkung voll entfaltet. Diese Schutzwirkung ist allerdings geringer als bei den Impfstoffen, die doppelt verimpft werden | vladim_ka – stock.adobe.com

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt nach einer einmaligen Coronaimpfung mit Johnson&Johnson eine zweite Impfung mit dem Impfstoff von Biontech oder Moderna. Ein Team um die Professorin für Immunologie, Martina Sester, hat nun nachweisen können, dass sich der Impfschutz durch die freiwillige zweite Impfung tatsächlich signifikant erhöht. Zudem legte ihre Arbeitsgruppe die erste Studie weltweit vor, die alle fünf in Deutschland zugelassenen Impfschemata direkt miteinander vergleicht.

Kreuzimpfung

Ein Forschungsteam fand heraus, dass die Antikörperantwort bei der Kombinationsimpfung sehr viel stärker ausgeprägt ist als bei der zweimaligen Gabe von AstraZeneca.

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Der Impfstoff des Herstellers Johnson&Johnson ist der einzige zugelassene Impfstoff in Europa, der nach nur einer Gabe seine schützende Wirkung voll entfaltet. Diese Schutzwirkung ist allerdings geringer als bei den Impfstoffen, die doppelt verimpft werden. Zudem gibt es die meisten Impfdurchbrüche, also Coronainfektionen von geimpften Personen, bei denjenigen, die mit Johnson&Johnson geimpft wurden. Die Ständige Impfkommission des Bundes empfiehlt daher, dass sich mit Johnson&Johnson Geimpfte freiwillig nach der obligatorischen Einfachimpfung nochmals mit einem mRNA-Impfstoff von Biontech oder Moderna impfen lassen. „Daten zur Immunogenität dieser Boosterimpfung gibt es aber bisher nicht“, erläutert Martina Sester, Professorin für Transplantations- und Infektionsimmunologie an der Universität des Saarlandes. Die STIKO empfiehlt diese Boosterimpfung aufgrund der Annahme, dass es tatsächlich eine verbesserte Impfschutzwirkung nach einer Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff gibt.

Deutlicher Anstieg der Antikörperkonzentration

„Wir haben nun anhand einer kleineren Probandengruppe in Zusammenarbeit mit der Sportmedizin (Prof. Tim Meyer) nachweisen können, dass eine Zweitimpfung mit dem Vakzin von Biontech-Pfizer nach Johnson&Johnson tatsächlich die Immunantwort signifikant erhöht“, sagt die Expertin für Immunologie, die bereits mehrere hochrangig publizierte Studien zur Wirksamkeit der COVID-Impfstoffe publiziert hat. „Wir konnten nach einer Booster-Impfung mit Biontech einen deutlichen Anstieg der Antikörperkonzentration feststellen, die das sogenannte Spike-Protein der Viren blockieren.“ Mit diesem „Schlüssel“ gelingt es den Viren, in die menschlichen Zellen einzudringen und sich zu vermehren. Durch die erhöhte Anzahl der Antikörper wird den Viren diese Möglichkeit genommen.

Außerdem erhöht sich durch die Zweitimpfung durch Biontech die Zahl der sogenannten T-Zellen im Immunsystem der Johnson&Johnson-Geimpften, welche das Virus direkt angreifen. „In der Studie haben wir zwar nur 15 Probandinnen und Probanden untersucht. Aber wir haben bei ausnahmslos allen eine deutlich messbare Steigerung der Impfwirkung feststellen können, sodass wir mit dieser Studie die Empfehlung der STIKO klar bestätigen können: Eine Booster-Impfung mit Biontech nach Johnson&Johnson ist absolut empfehlenswert. Gut verträglich ist sie außerdem, wie uns die Teilnehmenden bestätigen konnten, die ihre Impfreaktionen in einem Fragebogen festgehalten haben“, so Martina Sester.

Vergleich aller fünf in Deutschland zugelassenen Impfschemata

In einer zweiten Studie, die ebenfalls als Preprint erschienen ist, vergleichen Martina Sester und ihre Kolleginnen und Kollegen in der weltweit ersten Studie die Impfwirkungen aller fünf in Deutschland zugelassenen Impfschemata direkt miteinander: Zum einen die der „homologen“ Impfungen (Biontech-Biontech, Moderna-Moderna, AstraZeneca-AstraZeneca), zum anderen die zugelassenen „heterologen“ Impfschemata (AstraZeneca-Biontech, AstraZeneca-Moderna). „Wir konnten unsere Beobachtungen einer vorangegangenen Studie bestätigen, dass die zweifache Astra-Impfung die geringste Immunogenität aufweist; bei den anderen Kombinationen sehen wir sehr eindrücklich, dass die Varianten mit Moderna eine stärkere Immunantwort induzieren als die jeweiligen Kombinationen mit Biontech. Dies deckt sich mit den Effektivitätsdaten zur Wirkung der Impfstoffe, geht aber bei Moderna-Kombis auch mit etwas mehr Nebenwirkungen einher“, fasst Martina Sester die zentralen Beobachtungen dieser Studie zusammen. Kurz gesagt: Die heterologe Kombination aus AstraZeneca und Moderna hat die deutlichste Immunantwort aufgebaut, gefolgt von der heterologen Kombination AstraZeneca-Biontech. Danach folgt die doppelte Moderna-Impfung, die derjenigen mit Biontech etwas überlegen ist. Die homologe Kombination aus einer zweifachen AstraZeneca-Impfung erzielte insgesamt die schwächste Wirkung der fünf verglichenen.

Die Datengrundlage dieser Studie ist größer als die der vorangenannten. Hier flossen die Daten von rund 550 gesunden Personen ein, sodass die Aussagekraft der Daten sehr valide ist. Die Kenntnis zur unterschiedlichen Wirkung der Impfstoffkombinationen könnten auch bei der Optimierung der Impfreaktionen durch Folgeimpfungen bei Risikopatienten relevant sein.

 

Originalpublikationen:

Die erste Studie wurde in einem Fachjournal auf einem so genannten Preprint-Server veröffentlicht: https://www.researchsquare.com/article/rs-1056375/v1


Link zur zweiten Studie, die ebenfalls auf einem Preprint-Server erschienen ist: https://www.researchsquare.com/article/rs-1034243/v1

 

Quelle: Universität des Saarlandes, 18.11.2021