US-Studie

Grippeschutzimpfung könnte Demenzrisiko senken

Die regelmäßige Grippeschutzimpfung könnte signifikant das Risiko senken, an einer Demenz zu erkranken. Das belegt eine US-Studie mit mehr als 120.000 US-Veteranen im Alter von durchschnittlich 75,5 Jahren.

Grippeschutzimpfung

Die Grippeschutzimpfungen führen zu einem Anstieg der Aktivität von Mikroglia. | David pix123 - stock.adobe.com

Die Grippeschutzimpfung schützt vor der Ansteckung mit dem Influenzavirus und zudem vor schweren Verläufen der Erkrankung. Die Krankenkasse BIG direkt gesund weist auf einen weiteren möglichen Zusatznutzen hin: Die regelmäßige Impfung könnte signifikant das Risiko senken, an einer Demenz zu erkranken. Das belegt eine US-Studie mit mehr als 120.000 US-Veteranen im Alter von durchschnittlich 75,5 Jahren. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) bewertet diesen Effekt einer Minimierung um 12 Prozent des Demenzrisikos als „nicht unerheblich“. „Bei jährlich etwa 330.000 Demenz-Neuerkrankungen in Deutschland könnten somit durch regelmäßige Grippeimpfungen fast 40.000 Menschen jährlich vor der Diagnose Demenz bewahrt werden“, sagt DGN-Demenzexperte Prof. Dr. Richard Dodel, Essen.

Grippeschutzimpfung

Vor der beginnenden Grippesaison rät der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) zur Grippeschutzimpfung. Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck profitieren besonders von der Schutzimpfung.

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Bei der Studie sei zu berücksichtigen, dass es sich um eine rückblickende Auswertung handele. Sie punkte zwar mit einer hohen Zahl an Studienteilnehmenden und sorgfältiger Durchführung, habe aber dennoch keinen Beweischarakter, sondern könne nur eine Assoziation aufzeigen, so Prof. Dodel. Es liegen schon mehrere solcher Assoziationsstudien in Sachen Demenz vor, nicht nur zu Grippeschutzimpfungen, sondern auch zu Impfungen gegen Diphtherie oder Tetanus. Auch experimentelle Studien haben bereits auf einen Zusammenhang zwischen Impfungen und geringerem Demenzrisiko hingedeutet.

„Immunzellen des Gehirns“ werden aktiviert

Vereinfacht ausgedrückt erklären die Autoren dies so: Die Impfungen führen zu einem Anstieg der Aktivität von Mikroglia, quasi den „Immunzellen des Gehirns“. Sie erkennen krankheitsauslösende Stoffe und Abfallprodukte und bauen sie ab. Dazu gehört Beta-Amyloid. Bei der Alzheimer-Erkrankung sammelt sich Beta-Amyloid an, lagert sich zwischen den Nervenzellen wie ein Belag ab und schädigt sie.

Genau hier setzen auch viele Alzheimertherapien an, die Beta-Amyloid aus dem Körper schleusen wollen. Wenn wiederholte Grippeschutzimpfungen genau diesen Effekt haben und Beta-Amyloid abbauen, „wäre das ein Durchbruch für die Demenztherapie“, so Prof. Dodel. Es seien jedoch noch weitergehende Studien notwendig.

 

Originalpublikation:

Wiemken TL, Salas J, Hoft DF et al. Dementia risk following influenza vaccination in a large veteran cohort running head: Influenza vaccination and dementia. Vaccine 2021, Aug 20. www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0264410X21010793

 

Quelle: BIG direkt gesund, 22.09.2021