Bolivien, Chile, Peru

Gesundheitsversorgung in Südamerika

Der Beitrag gibt einen umfassenden Überblick über die medizinische Versorgung und das Gesundheitswesen in Bolivien, Chile und Peru.

Gesundheitsversorgung in Südamerika: Bolivien, Chile, Peru

Eingangsportal einer Zahnklinik in Quito (Ecuador) | Für alle: © H.-J. Thiel

Nachdem Ecuador bereits deutliche Fortschritte in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung machen konnte, sind auch in Bolivien entsprechende Bemühungen zu erkennen. Dort soll für die gesamte Bevölkerung künftig eine kostenlose Gesundheitsversorgung zur Verfügung stehen. Insgesamt werden mehr als fünf Millionen bisher nicht versicherte Personen von dem neuen Programm profitieren. Dafür will der bolivianische Staat rund 200 Millionen US-Dollar investieren. Die Ärztekammer des Landes hatte die Umsetzbarkeit des Vorhabens der Regierung von Ex-Präsident Evo Morales angezweifelt, da ein Mangel an medizinischem Personal und Infrastruktur besteht.

Das neue Gesundheitsprogramm richtet sich an Personen zwischen fünf und 60 Jahren, die bisher nicht krankenversichert sind. Ihnen soll eine kostenlose, qualitativ hochwertige medizinische Versorgung gewährleistet werden. Bislang mussten Bolivianer sich entweder privat versichern oder selbst für die Behandlungskosten aufkommen. Insgesamt leben in Bolivien circa 5,8 Millionen Menschen, die nicht krankenversichert sind. Das Programm trat am 1. März in Kraft und soll jedem Bürger eine Grundversorgung im nächstgelegenen Gesundheitszentrum gewährleisten. Falls notwendig, können die Patienten auch zu Spezialisten weiter überwiesen werden.

Medizinischer Stützpunkt am Flughafen von Uyuni de Sala (Bolivien)

Das chilenische Gesundheitssystem ist zweigeteilt. Es gibt die öffentliche Krankenversicherung Fondo Nacional de Salud (FONASA) und die privaten, gewinnorientierten Krankenversicherer Instituciones de Salud Previsional (ISAPRES). Ungefähr 20 Prozent der Chilenen sind bei einer ISAPRE versichert.

Der obligatorische Beitragssatz für Angestellte liegt bei sieben Prozent des Gehalts. Der Beitrag wird direkt vom Gehalt abgezogen und in das Gesundheitssystem abgeführt. Die Höhe der Beitragszahlungen der ISAPRES hängt letztendlich vom Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen ab.

Im Falle einer Krankheit oder eines Unfalls werden die FONASA-Versicherten in ein staatliches Krankenhaus (span: hospital público), die Versicherten der ISAPRES in die privaten Kliniken (span: clínicas) eingewiesen. Die Kliniken der ISAPRES entsprechen europäischem Standard und verfügen über weniger Wartezeiten als die öffentlichen Krankenhäuser. Die Wartezeiten, welche die FONASA-Versicherten für eine Operation oder für eine Sprechstunde beim Spezialisten auf sich nehmen müssen, können sehr lang sein und haben jährlich fatale Folgen. Ein FONASA-Versicherter kann sich gegen Bezahlung auch bei einer Privatinstitution behandeln lassen. Die Preise liegen jedoch auf ähnlicher Höhe wie in Deutschland.

Moderne Zahnarztpraxis in La Paz in einem modernen Stadtviertel

Die medizinische Versorgung in Peru ist recht gut. Vor allem in den größeren Städten Lima, Arequipa und Cusco gibt es gute Kliniken und Krankenhäuser. Die Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten gestaltet sich häufig schwieriger und die Kliniken sind nicht mit denen in größeren Städten zu vergleichen.

In den vergangenen Jahren wurden auch in Peru erhebliche Anstrengungen unternommen, den Zugang zum Gesundheitssystem auszuweiten. Die Integrierte Gesundheitsversicherung (Seguro Integral de Salud, SIS) hat durch die Abschaffung von Gebühren für gewisse Basisgesundheitsleistungen dazu beigetragen, die Mütter- und Kindersterblichkeit im Land zu reduzieren. In ländlichen Bereichen und unter der indigenen Bevölkerung gibt es immer noch erhebliche Probleme in der Versorgung. Das System ist fragmentiert: Etwa 40 Prozent der Gesundheitsausgaben werden über private Dienstleister abgewickelt.

Die Kosten für eine medizinische Behandlung sowie Medikamente müssen durch Touristen in der Regel vor Ort in bar oder gegebenenfalls mit Kreditkarte beglichen werden. Vor Reiseantritt sollte eine Auslandsreise-Krankenversicherung abgeschlossen werden, die einen Rücktransport im Notfall mit einschließt.

 

Entnommen aus MTA Dialog 12/2019