Jacobs University Bremen

Forscher gründen Firma für biomedizinische Reagenzien

Unter der Leitung von Prof. Sebastian Springer haben Forscher der Jacobs University Bremen und der Dänischen Technischen Universität eine Firma gegründet, die Reagenzien entwickelt und vertreibt, mit denen Wissenschaftler und Ärzte T-Zellen aufspüren können.

Prof. Sebastian Springer

Das Jacobs University-Forschungsteam von Prof. Sebastian Springer hat mit der Dänischen Technischen Universität eine Firma gegründet. | Jacobs University

Wenn eine Immunreaktion gegen einen Tumor erfolgt, vermehren sich im Blut des Patienten die tumorspezifischen T-Zellen. Für Wissenschaftler und Ärzte ist es wichtig, die Anzahl dieser T-Zellen zu bestimmen, um abschätzen zu können, ob und wie gut eine Behandlung anschlägt. T-Zellen können über ihren sogenannten T-Zell-Rezeptor nachgewiesen werden, der sich auf der Oberfläche der Zelle befindet. Indem ein sogenanntes MHC-Protein verwendet wird, das an diesen T-Zell-Rezeptor bindet, lassen sich die T-Zellen anfärben und dann im Mikroskop oder im Durchflusszytometer auszählen.

MHC-Proteine schwierig herzustellen

Die MHC-Proteine, die für diese „Volkszählung“ der T-Zellen gebraucht werden, waren bislang sehr schwierig herzustellen und damit der limitierende Faktor in der T-Zell-Forschung und -Diagnostik. „Immer wenn Forscher MHC-Proteine benötigten, mussten sie diese von einer Firma neu herstellen lassen. Das dauerte vier bis sechs Wochen”, erklärt Sebastian Springer, Professor für Biochemie and Zellbiologie an der Jacobs University. „Natürlich bereitete die lange Produktionszeit große Schwierigkeiten, beispielsweise für die schnelle Diagnostik eines schwerkranken Patienten oder die zügige Durchführung eines dringlichen Wissenschaftsprojekts. Das Problem bestand darin, dass jedes MHC-Protein ein kleines Stück des Tumors oder des Virus enthält, das sogenannte Peptid, welches von Patient zu Patient sehr unterschiedlich ist. Ohne dieses Peptid ist der gesamte Proteinkomplex instabil und zerfällt selbst im Kühlschrank rasch.”

T-Zellen

Wissenschaftler haben Immunzellen mit einem neuen Oberflächenmolekül ausgerüstet. Dadurch reagieren sie besonders aggressiv, wenn sie auf ein Protein treffen, mit dem sich Tumoren eigentlich vor dem Immunsystem tarnen.

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MHC-Proteine ohne das kleine Peptid stabilisieren

Schon vor einigen Jahren hatte die Arbeitsgruppe Springer eine extrem stabile Variante des MHC-Proteins durch Einfügen einer sogenannten Disulfid-Bindung hergestellt. Es gelang so, die MHC-Proteine ohne das kleine Peptid zu stabilisieren und sie auch in leerer Form zu lagern. Erst direkt vor Verwendung wird das für den Patienten spezifische Peptid hinzugegeben. Die Arbeitsgruppe Springer erkannte sofort das Potenzial dieser neuen Technologie und reichte eine Patentanmeldung ein.

„Unsere Kollegen an der Dänischen Technischen Universität in Kopenhagen zeigten dann, dass das durch die Disulfid-Bindung stabilisierte MHC-Protein diagnostisch an Patientenmaterial eingesetzt werden kann“, erklärt Springer. „Um die Neuerung so schnell wie möglich zu verbreiten, gründeten wir eine gemeinsame Firma für den Vertrieb unserer eigenen neuen MHC-Proteine.“

Tetramer-Shop startete am 1. März

Diese neue Firma, die auf einer zehnjährigen Forschung an der Jacobs University basiert und Tetramer-Shop (nach dem wissenschaftlichen Namen der MHC-Reagenzien) heißt, startete am 1. März. Prof. Springer ist Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates des Unternehmens, weitere Gründer sind Prof. Dr. Sine R. Hadrup sowie ein ehemaliger Mitarbeiter von Prof. Springer, Dr. Sunil Kumar Saini, beide von der Dänischen Technischen Universität in Kopenhagen. Als CEO fungiert Søren N. Jakobsen. Zu den Kunden zählen Forschungs- und diagnostische Laboratorien weltweit, die ersten Bestellungen wurden bereits ausgeliefert. Die Firma gehört den Wissenschaftlern, die die Technologie entwickelt und validiert haben, und der Jacobs University, die zudem auch Patentinhaber ist. Von der Dänischen Technischen Universität hat Tetramer-Shop einen Gründungszuschuss erhalten. Auf Seiten der Jacobs University unterstützte Ronald Kieschnick, Head of Research and Transfer, die Firmengründung.

Quelle: idw/Jacobs University Bremen gGmbH