Schwere Infektionen

Fehlendes Expertenwissen kostet Menschenleben

In einem aktuellen Beitrag im Deutschen Ärzteblatt fordern Experten, die infektiologische Versorgung und Ausbildung in Deutschland schnellstmöglich zu verbessern.

Infektiologie

Viele Infektionen im Krankenhaus wären bei optimalem Hygienemanagement vermeidbar. | K. C. - Fotolia

Für gesunde Menschen stellen sie kein Risiko dar, für Abwehrgeschwächte oder frisch Operierte sind sie jedoch brandgefährlich: Staphylococcus aureus und andere Erreger, die vor allem als Verursacher von Krankenhausinfektionen gefürchtet sind. Eine hohe Sterblichkeitsrate weist etwa die durch Staphylocccus aureus verursachte Blutstrominfektion auf. Schätzungsweise 30 000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr allein an dieser Infektion, etwa 25 Prozent der Betroffenen versterben.

Häufigkeit und Komplikationen der Staphylococcus-aureus-Sepsis bei Kindern

Staphylococcus (S.) aureus ist bei Kindern der führende Erreger ambulant erworbener ebenso wie nosokomial erworbener Bakteriämien.

weiterlesen

Studien zeigen, dass eine Behandlung durch Infektionsspezialisten viele Patienten mit schweren Infektionen retten könnte. Doch diese Spezialisten sind im deutschen Gesundheitssystem nicht regelhaft vorgesehen und in vielen Kliniken nicht verfügbar. Auch eine Facharztausbildung zum Infektiologen gibt es in Deutschland nicht. In einem aktuellen Beitrag im Deutschen Ärzteblatt fordern Experten der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI), der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), die infektiologische Versorgung und Ausbildung in Deutschland schnellstmöglich zu verbessern.

Wissenschaftler haben eine Vielzahl internationaler Untersuchungen gesichtet, die sich mit schweren Infektionen befassten. Hierbei zeigte sich, dass etwa bei der durch Staphylococcus aureus ausgelösten Blutstrominfektion die Behandlung durch einen Infektiologen die Sterblichkeit der Patienten um durchschnittlich 40 bis 50 Prozent absenkte.

MRSA ist auf dem Rückzug

„Dies zeigt, welchen Unterschied es für Betroffene machen kann, ob ein Spezialist verfügbar ist und behandelt – oder eben nicht“, sagt Prof. Dr. med. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie an der Universitätsklinik Köln und Präsident der DGI. Auch für andere schwere Infektionen ist inzwischen nachgewiesen, dass die (Mit-)Behandlung durch Infektionsspezialisten die Prognose der Patienten deutlich verbessert. Dazu zählen unter anderem Infektionen bei Organtransplantierten oder Infektionen mit multiresistenten Erregern.

„Die Gefahren durch antibiotikaresistente Erreger erfahren derzeit – zu Recht – viel Aufmerksamkeit und sind von Gesundheitspolitik und Öffentlichkeit als wichtiges Problem erkannt“, sagt Prof. Dr. med. Dr. h.c. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM. Viel zu wenig im Fokus stünden jedoch die nicht resistenten Erreger – obgleich diese viel mehr Menschen gefährden.