Müttergenesungswerk

Eltern und Kinder sind kränker als angenommen

Der Gesundheitszustand von Müttern, Vätern und Kindern, die in Deutschland eine Kur antreten, ist schlechter als angenommen. Das zeigen die Zahlen des jetzt veröffentlichten Datenreports des Müttergenesungswerks (MGW) für das Jahr 2019.

Müttergenesungswerk

Im vergangenen Jahr waren 47.000 Mütter in Mutter-Kind-Kuren oder Mütter-Kuren und 2.100 Väter nahmen an einer spezifischen Vater-Kind-Kur teil. | Liderina/istockphoto

Mehr als 90 Prozent der Mütter und auch Väter kommen mit einer Bewilligung als Vorsorgemaßnahme in die Kliniken. Die ärztlichen Eingangsuntersuchungen in der Klinik stellen aber fest, dass rund 20 Prozent dieser Kurpatientinnen und -patienten bereits Rehafälle nach § 41 SGB V sind. Während eine Vorsorge früh ansetzt, um Gesundheitsstörungen zu verhindern oder zu vermindern, sorgt eine Rehamaßnahmen dafür, dass eine bestehende Krankheit beseitigt wird oder sich nicht weiter verschlimmert.

Corona-Krise

Die ohnehin schon größte Herausforderung für Eltern, nämlich Familie, Haushalt und Beruf unter einen Hut zu bekommen, wird sich jetzt in der Corona-Krise noch zuspitzen.

 

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„Wenn wir uns vor Augen führen, dass diese Zahlen vor der Corona-Pandemie erhoben wurden, erwarten wir eine Verschärfung durch die monatelange Doppelbelastung von Arbeit und Home-Schooling in vielen Familien“, so Svenja Stadler, MdB und Kuratoriumsvorsitzende des Müttergenesungswerks. Aktuell konnten 51 von 73 vom MGW zertifizierte Kliniken mit Hygienemaßnahmen und geringerer Belegung wieder öffnen.

Coronabedingte Mehraufwendungen

„Diese Ergebnisse zeigen uns, dass es dringend notwendig war, dass die Kliniken im zweiten Corona-Rettungsschirm der Bundesregierung bedacht wurden. Denn die Kliniken tragen zielgerichtet dazu bei, die Gesundheitslage in Familien zu verbessern“, so Stadler. Allerdings bedarf es einer gesetzlichen Regelung für coronabedingte Mehraufwendungen wie Schutzmaterialien, Reinigung, erhöhte Personalkosten.

Ein ähnlich erschreckendes Bild zeigt sich bei den Kindern. Zwei Drittel der Kinder sind nach der ärztlichen Eingangsuntersuchung in den Kliniken als behandlungsbedürftig einzustufen, aber nur ein Drittel hatte zuvor eine Bewilligung ihrer Krankenkasse als „behandlungsbedürftiges Kind“. Die anderen kamen als sogenannte gesunde Kinder. 39 Prozent der Kinder haben psychische Störungen wie zum Beispiel Verhaltensauffälligkeiten oder ADHS; 34 Prozent Atemwegserkrankungen. Bei den Kindern sind es im Durchschnitt 1,9 Indikationen.

2019: 2,1 Millionen Mütter und 230.000 Väter kurbedürftig

Die häufigsten Indikationen der erwachsenen Kurbedürftigen fallen in den Bereich der psychischen Gesundheitsstörungen. Etwa 80 Prozent der Mütter und 78 Prozent der Väter haben sogenannte F-Indikationen; das sind unter anderem Erschöpfungszustände bis hin zum Burn-out. Im Mittel hat eine Mutter 2,6 Indikationen für eine Kurmaßnahme, ein Vater 2,8 Indikationen. Dabei zu berücksichtigen ist der Altersdurchschnitt, denn die Väter in Kuren sind im Durchschnitt 10 Jahre älter als die Mütter.

In Deutschland sind 2,1 Millionen Mütter und 230.000 Väter kurbedürftig. Rund 1.000 Beratungsstellen haben im Jahr 2019 etwa 114.000 Beratungen durchgeführt. Im vergangenen Jahr waren 47.000 Mütter in Mutter-Kind-Kuren oder Mütter-Kuren und 2.100 Väter nahmen an einer spezifischen Vater-Kind-Kur teil. Rund 70.000 Kindern begleiteten Mutter oder Vater in ihrer Kurmaßnahme.

Den Datenreport finden Sie hier.

Quelle: MGW, 24.06.2020