Buchbesprechung

Eine Liebeserklärung an das Leben

Als der Familienvater und Arzt Peter Lieser mit 38 Jahren die Diagnose „Darmkrebs“ erhält, wissen er und seine Frau sofort: Uns bleibt nur noch ein Jahr.

Eine Liebeserklärung an das Leben

„Schreiben Sie ein Buch! Sie können anderen Menschen damit helfen.“

Der Tumor hatte bereits gestreut, eine OP war unmöglich und eine Chemotherapie höchstens ein Spiel auf Zeit. „Wir werden nur noch eines: leben. Solange es möglich ist, werden wir den Krebs dominieren, statt uns von ihm beherrschen zu lassen“, nimmt sich Peter vor. Und tatsächlich erleben er, seine Frau Iris und auch die drei Kinder eine bis dahin nicht gekannte Nähe. Einfühlsam schildert Iris Lieser diese intensive und kostbare Zeit. „Vor allem sehe ich das Buch als Liebeserklärung an das Leben. In den letzten Monaten haben wir versucht, möglichst intensiv zu leben, alles voll auszukosten. Und diese Botschaft richtet sich an alle Leser. Es haben sich schon Menschen bei mir bedankt und gesagt, dass sie ihr Leben nun mit anderen Augen sehen – nicht mehr als so selbstverständlich“, sagte Lieser in einem Interview.

Peter Lieser war Anästhesist an einem Krefelder Klinikum. Iris Lieser besuchte nach dem Abitur die MTA-Schule. Nach bestandenem Examen arbeitete sie in derselben Klinik wie ihr Mann als MTRA in der Abteilung für Radiologie. „,Schreiben Sie ein Buch! Sie können anderen Menschen damit helfen‘, forderte mich Peters Chef ein halbes Jahr nach dessen Tod auf“, schreibt Lieser im Nachwort ihres Buches. Die Idee habe sie nicht losgelassen, auch wenn es einige Jahre gedauert hätte, bis sie diese verwirklicht habe. Der Verlag führt das Buch in der Kategorie Ratgeber, „aber ich gebe keinen einzigen Rat“, sagt Lieser. Inzwischen hat sie ihre Freude am Schreiben entdeckt; sie schrieb unter anderem eine Fortsetzung über das Leben nach dem Tod ihres Mannes, die im Herbst 2018 erscheinen wird.

Bis auf den letzten Schritt. Wie wir lebten, als wir wussten, uns bleibt nur noch ein Jahr. Von Iris Lieser, 2015, adeo Verlag, ISBN: 978–3-86334-041-4; Preis: 17,99 Euro

 

Entnommen aus MTA Dialog 11/2017