Historisches

Eine kurze Geschichte 
des Alkohols

Erst in der jüngeren Geschichte werden die Probleme und Folgewirkungen des Alkoholkonsums in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt. Doch leichtere alkoholische Getränke wie Bier, Wein oder Met stellen die Menschen schon seit Jahrtausenden her.

Kurze Geschichte des Alkohols

Trinkhörner | © Mararie, CC BY-SA 2.0, wikipedia

Die frühesten Überlieferungen reichen mindestens bis zur Zeit der Sumerer zurück. Es gibt aber auch Hinweise, dass im heutigen China bereits vor rund 9.000 Jahren fermentierte, weinartige Getränke aus Reis, Honig und Obst hergestellt wurden. Die hochprozentigen Destillate gibt es aber erst seit etwa tausend Jahren. Lange hatte man mit Bier & Co den Durst gestillt. Das Wasser war im Mittelalter keine echte Alternative, da es oft verschmutzt und verkeimt war und somit krank machen konnte. Das wussten auch die Menschen im Mittelalter. Beim Brauen von Bier wurden jedoch Krankheitserreger abgetötet, die sich im Wasser befanden. Am Ende war das entstandene Gebräu wahrscheinlich nicht allzu schmackhaft. Dafür war es aber nahrhaft, kräftigend und gesundheitlich weit weniger bedenklich als das Brunnen- oder Quellwasser. Im Mittelalter tranken die Menschen also Bier (Dünnbier) weniger um des Geschmacks oder Genusses willen, sondern eher als Wasserersatz. Sogar Kindern gab man im Mittelalter Bier zu trinken (auch als Biersuppe). Frisches Bier enthielt weniger Alkohol und war gut bekömmlich. Traditionell bezeichnet der Begriff Dünnbier einen für den Hausgebrauch hergestellten leicht alkoholischen Getreidesud (meist noch nicht mit Hopfen gewürzt). Im Laufe der Zeit gärte das Bier jedoch weiter und entwickelte mehr und mehr Alkohol.

Wikinger tranken Bier

Auch bei den Wikingern waren alkoholhaltige Getränke sehr beliebt. Beim Wein wird davon ausgegangen, dass es ihn vermutlich nur als teure (oder geraubte) Importware gab. Er dürfte deshalb in der breiten Bevölkerung weitestgehend unbekannt gewesen sein. Am günstigsten herzustellen war auch dort das Bier und wohl nicht, wie oft behauptet wurde, der Met. Das Bier wurde mit Ǫl bezeichnet (öl; so heißt Bier noch heute in den skandinavischen Sprachen). Bjórr wurde das importierte, ausländische und meist wohl stärkere Bier genannt. Mungát war dagegen das schwächere, eher für zu Hause gebraute Bier. Wie es jedoch bei den Wikingern wirklich zugegangen ist, lässt sich nur schwer ermitteln. Denn die altnordischen Texte, die Hinweise liefern könnten, wurden erst nach dem Ende der eigentlichen Wikingerzeit verfasst. Sie dürften deshalb in vielen Fällen wohl eher die späteren Verhältnisse widerspiegeln und nicht unbedingt die Blütezeit der Wikinger. Es wird jedoch vermutet, dass die Wikinger auf ihren Reisen/Beutezügen auch (schwächeres) Bier auf ihren Schiffen mitführten, da es länger haltbar war als Trinkwasser.

Met als Geschenk der Asen

Viele Gerüchte ranken sich um den Met, eine Art Wein aus vergorenem Honig. Es ist bekannt, dass die Menschen seit ältester Zeit Met herstellten, wenn sie ausreichend Honig zur Verfügung hatten. Das Getränk hatte in der germanischen beziehungsweise nordischen Mythologie aber auch eine mythische Bedeutung. So galt der Met als Trank und Geschenk der Asen (Göttergeschlecht der nordischen Mythologie). Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Met nicht nur auf Feiern in großen Mengen getrunken wurde, sondern wohl auch in kultischen Handlungen Verwendung fand. Die Edda enthält beispielsweise detaillierte Beschreibungen von regelrechten Trinkgelagen. Diese Gelage waren allerdings wegen des mythischen Hintergrundes nicht nur „Besäufnisse“, sondern auch Opferhandlungen. Letztlich dürfte der Unterschied zwischen einer Feier und einem Opfer nur darin bestanden haben, wem die verspeisten/getrunkenen Lebensmittel gewidmet wurden. Der Met genoss bis ins Mittelalter einen hohen Stellenwert. Allerdings verringerte sich durch das Aufkommen von Wein im Süden und Bier im Norden Europas der Konsum von Met stetig. Ein Grund war auch die im Vergleich zu Bier oder Wein teurere und aufwendigere Herstellung.

Weinbau reicht weit zurück

Laut Deutschem Weininstitut gilt die Weinrebe als eine der ältesten Pflanzen der Welt, schon vor mehr als 100.000.000 Jahren gab es bereits mehrere Arten von Wildreben. Den Weinbau in unsere Region brachten die Römer vor mehr als 2.000 Jahren. Doch die Geschichte des Weinbaus reicht weit zurück. Bereits die Hochkulturen aus dem Nahen Osten, also das heutige Ägypten oder Israel, bauten schon die für den Weinbau geeignete Wildrebe „vitis vinifera“ an. In Mesopotamien wurden vor etwa 8.000 Jahren Trauben gepresst, um daraus Wein herzustellen. Karl der Große regelte im 8. Jahrhundert in Europa den Anbau der Reben, die Weinbereitung und den anschließenden Verkauf. Zentren der Weinkultur waren aber vor allem die Klöster. Wein galt zu dieser Zeit als das Volksgetränk Nummer 1. Erst um 1500 nahm die Rebfläche aufgrund der veränderten klimatischen Bedingungen, der verbesserten Bierherstellung und der Zunahme des Weinimports wieder ab. Einen weiteren Einschnitt gab es dann im 19. Jahrhundert, als die Reblaus den Weinbau in Mitteleuropa nahezu zum Erliegen brachte.

Terracotta-Weinamphore | © Gift of Captain Jacques-Yves Cousteau, 1953, Metropolitan Museum of Art, CC0

„Branntweinpest“ breitete sich aus

Durch die günstigere Herstellung von Hochprozentigem kam es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland zu einem rasch zunehmenden Konsum von Branntwein. Der Wandel der Trinkgewohnheiten vom Bier hin zu hochprozentigen Alkoholika innerhalb weniger Jahrzehnte erinnerte an eine Seuche, sodass analog die Bezeichnung Pest verwendet wurde. Wurde der Branntwein noch im 13. und 14. Jahrhundert vor allem als Arzneimittel eingesetzt, wurde im 15. Jahrhundert das Potenzial des Getränkes als Genussmittel entdeckt. Der „Schnaps“ wurde zur schnellen und gezielten Berauschung sowie zur Entspannung eingesetzt. Da damit der Branntwein von seinem Korsett des rein medizinischen Einsatzes befreit war, sprechen einige von einem echten „Meilenstein“ in der Geschichte des Alkohols. Im Zuge dieser „Befreiung“ entstanden gewerbliche Brennereien, die zunächst den Branntwein aus Getreide herstellten. Mit dem zunehmenden Anbau der ertragreichen Kartoffel fand diese den Weg in die günstige Branntweinherstellung. Da sich gleichzeitig auch die Destillerietechnik verbesserte, fiel der Preis für hochprozentigen Alkohol. Dies führte am Ende zur „Branntweinpest“, da sich immer mehr den günstigeren (hochprozentigen) Alkohol leisten konnten.

Literatur

1.    https://www.deutscheweine.de/wissen/weinbau-weinbereitung/geschichte/.
2.    Wikipedia
3.    Geschichte des Alkohols von der Antike bis zur Weimarer Republik. www.geschichte-lernen.net/geschichte-des-alkohols-antike-bis-weimarer-republik/.
4.    Patrick E. McGovern, Juzhong Zhang, Jigen Tang, et al.: Fermented beverages of pre- and proto-historic China. PNAS December 21, 2004, 101 (51) 17593–8; DOI: 10.1073/pnas.0407921102.
5.    BSI: Vom „magischen Allheilmittel“ zum modernen Genuss. www.spirituosen-verband.de/genuss/geschichte/.
6.    Klemm GF: Handbuch der germanischen Alterthumskunde. Dresden: Walthersche Hofbuchhdlg, 1836.
7.    Miedauer T: Kulturpflanzen. Berlin, Heidelberg: Springer, 2014.

 

Entnommen aus MTA Dialog 12/2019