Historisches

Die Erforschung des Vestibularorgans

Robert Bárány
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Barany
Robert Bárány, Österreichs erster Nobelpreisträger Gemeinfrei
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Robert Bárány entwickelte das Prinzip der thermischen Prüfung des Gleichgewichtsorganes mittels Spülung mit kaltem und warmem Wasser.

Robert Bárány wurde am 22. April 1876 in Wien (Österreich) als Ältestes von sechs Kindern geboren. Sein Vater Ignaz Bárány war Gutsverwalter, seine Mutter Maria war die Tochter des bekannten Prager Judaisten Simon Hock. Bárány erkrankte in jungen Jahren an tuberkulöser Osteomyelitis im Knie, die eine permanente Steifheit seines Kniegelenks zur Folge hatte. Vermutet wird, dass diese Erkrankung sein Interesse an der Medizin begründete.

Diese Einschränkung der Beweglichkeit seines Kniegelenks hielt Bárány jedoch nicht davon ab, in seiner Freizeit Tennis zu spielen oder bergwandern zu gehen. In seiner Schulzeit und Studienzeit gehörte Bárány zu den Besten seines Jahrgangs. Nach Beendigung seines Medizinstudiums an der Wiener Universität im Jahre 1900 ging er als Volontär für ein Jahr zum Internisten Prof. C. von Noorden nach Frankfurt am Main.

Im Anschluss wurde er Assistenzarzt beim Psychiater Professor Kraepelin in Heidelberg. Dort erwachte erstmals sein Interesse an der Neurologie. Bei seiner Rückkehr 1902 nach Wien wurde er „Operationszögling“ beim Chirurgen Professor Gussenbauer. 1903 erhielt er eine Assistenzarztstelle an der otologischen Klinik unter der Leitung von Prof. Adam Politzer und Viktor Urbanitsch. In der damals bedeutendsten otologischen Schule arbeitete, forschte und experimentierte Bárány über die Entstehung des kalorischen Nystagmus.

Er verfolgte forschte über die Physiologie und Pathophysiologie des menschlichen Vestibularapparates. Während eines Patientenbesuchs applizierte Bárány Flüssigkeiten in das Ohr des Patienten, um den Schwindel und die Nystagmus des Patienten zu beheben.

Untersuchungen mit dem Drehstuhl

Seiner Theorie zufolge sank die Flüssigkeit im Innenohr bei kalter Flüssigkeitsapplikation; die Applikation warmer Flüssigkeit bewirkte einen Anstieg der Innenohrflüssigkeit. Die Richtung der Strömung beeinflusse dabei das Signal des Vestibularorgans. Er verfolgte diese Theorie durch eine Reihe von Versuchen weiter und benannte die zu beobachtenden Reaktionen „kalorische Reaktion“.

Bárány entwickelte das Prinzip der thermischen Prüfung des Gleichgewichtsorganes mittels Spülung mit kaltem und warmem Wasser. Aus seinen Forschungen entstand 1907 die Publikation „Physiologie und Pathophysiologie des Bogengangapparates“. Bárány untersuchte ebenfalls weitere Aspekte der Gleichgewichtskontrolle, welche die Funktion des Cerebellums miteinbezogen.

So führte er Untersuchungen mit dem Drehstuhl durch und beschrieb den Wechsel der Nystagmusrichtung beim Anhalten des Drehstuhles. Seine neuen Methoden führten die Ohrenheilkunde aus dem Bereich der rein operativen Therapie heraus. Nach ihm benannt sind beispielsweise das Bárány-Syndrom, das Bárány-Zeichen sowie Methoden wie die Bárány-Drehstarkreizprüfung, die Bárány-Lärmtrommeln und die Bárány-Simulationsprüfung.

1914 als erster Österreicher mit dem Nobelpreis ausgezeichnet

1909 heiratete er Ida Felicitas Berger, mit der er zwei Söhne und eine Tochter hatte. Im gleichen Jahr erlangte er seine Habilitation für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und lehrte als Privatdozent. Während des Ersten Weltkriegs diente er als ziviler Chirurg in der österreichischen Armee und geriet 1915 mit dem Fall der Festung Przemysl in russische Gefangenschaft. Für seine Arbeiten im Bereich der Erforschung des Vestibularorgans wurde er 1914 als erster Österreicher mit dem Nobelpreis ausgezeichnet (wegen des Krieges erst 1915 zuerkannt). 1916 kehrte Bárány mit dem Nobelpreis nach Wien zurück. Dort sah er sich mit Vorwürfen seiner Kollegen konfrontiert, die ihn beschuldigten, nur unvollständige Verweise auf die Entdeckungen anderer Wissenschaftler gemacht zu haben, auf denen seine Arbeiten beruhten.

Aufgrund dieser Angriffe verließ Bárány bitter enttäuscht Wien, um dem Ruf an das Otologische Institut der Universität Uppsala (Schweden) zu folgen, wo er bis an sein Lebensende blieb. Eine Reihe bekannter schwedischer Otologen veröffentlichten ein Paper zur Verteidigung Báránys. Bárány erforschte später Ursachen für den muskulären Rheumatismus und arbeitete an einem Buch, das dieses Thema behandelte, selbst nachdem er einen Schlaganfall erlitten hatte. 1926 wurde Bárány in Uppsala zum ordentlichen Universitätsprofessor bestellt, 1930 wurde ihm die Leitung der Universitäts-Ohrenklinik übertragen. Er verstarb im Alter von nur 59 Jahren am 8. April 1936 in Uppsala

Claudia Rössing

Entnommen aus: MTA Dialog 2016/17 (6)

Literatur:

1. www.nobelprize.org
2. geboren.am/person/Robert_Barany
3. www.jewishvirtuallibrary.org
4. Wikipedia Robert Bárány, Unbekannt, gemeinfrei

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