Die Pest

Der Schwarze Tod reiste durch Europa

Kaum eine Seuche in der Geschichte der Menschheit hat annähernd so viel Schrecken und Grauen verbreitet wie die Pest. Religiöse und weltliche Ordnungen brachen zusammen, während diese Geißel mehr Elend als die damaligen Kriege hinterließ.

Der Schwarze Tod reiste durch Europa

Infizierter Floh | © Quelle: CDC/Dr. Pratt, gemeinfrei

Ganze Völkerstämme wurden auf ein Drittel reduziert oder gar ausgerottet. In Mittel- und Nordeuropa forderte die Pest in nur fünf Jahren circa 25 Millionen Todesopfer, welche ein Drittel der Bevölkerung ausmachten. In Lübeck zum Beispiel überlebten nur zehn Prozent der Einwohner und nachdem die Pest Grönland erreichte und dort wütete, war die Insel unbewohnt.

Die Krankheit, die meist nur der Tod heilen konnte, führte zu Angst und Betroffenheit in der Bevölkerung, worauf das Pflichtgefühl und die Nächstenliebe wie die Menschen starben. Eltern verstießen ihre Kinder, Geistliche verschmähten ihre Gemeinde und Hunde fraßen die Toten auf der Straße, da oftmals niemand mehr überlebte, um die Verstorbenen zu begraben. Die Justinianische Pest von 541 bis 544 gilt als erste große Pestepidemie. Sie breitete sich von Ägypten nach Europa aus und war wahrscheinlich für den Zusammenbruch des Römischen Reiches mitverantwortlich. Der „Schwarze Tod“, die zweite große Pestepidemie, breitete sich Mitte des 14. Jahrhunderts von Asien nach Europa aus. Schwarz bezieht sich einerseits auf den Schrecken und das Elend dieser Seuche, andererseits auf den schwarzen Körper der Opfer. Im Jahr 1347 hatte es angefangen, doch schon 1352 war es vorbei. In diesen fünf Jahren wurde der Menschheit das Grauen gelehrt. Wo dieser Schrecken seinen Anfang genommen haben mag, ist nicht genau bekannt. Wahrscheinlich begann diese verheerende Epidemie in den Steppen Zentralasiens und konnte sich entlang der Karawanenrouten bis zur Krim am Schwarzen Meer nach Kaffa (heute Theodosia) ausbreiten.

Eine Gruppe genuesischer Händler wurde seinerzeit von Tataren belagert. Die Angreifer erkrankten an der Pest und mussten sich zurückziehen. Einige der zurückgelassenen Leichen wurden mit Katapulten über die Mauern der belagerten Stadt geworfen und infizierten die Genueser. Ein Teil der Händler starb, wenige entkamen und segelten in die Heimat. Im Herbst 1347 erreichten die letzten Überlebenden schwer erkrankt Messina auf Sizilien. An Bord begleitete sie der „Schwarze Tod“, der nun Europa erreichte. Über die Toskana zog die Pest durch ganz Italien und erreichte später Spanien, Frankreich und England. Der Schwarze Tod gilt als eine der schwersten Krisen Europas. Nachhaltig beeinflusste sie allerdings das soziale Gefüge, die Herrschaftsverhältnisse und die politischen Strukturen der damaligen Zeit und gilt als ein Wegbereiter der Renaissance und des Humanismus.

Doktor Schnabel | © I. Columbina (draughtsman), Paul Fürst (copper engraver), Bild von History of Medicine, Public Domain, Wikimedia

Der Alltag der Menschen wurde von Hysterie, Ratlosigkeit und Panik bestimmt. Die Unkenntnis einer vernünftigen Seuchenbekämpfung führte zu der Annahme, es sei eine Strafe Gottes, die dieses Elend verbreitet. Gleichzeitig suchte man nach einem Schuldigen. Wie so oft in der Geschichte gab man den Juden die Schuld, das Christentum zu verderben. Jene „Ungläubige“, die am Tod von Jesus Christus beteiligt waren, wurden zum Sündenbock. So kam es zu mehrfachen Judenpogromen. Manche Menschen wandten sich aufgrund des anstehenden Todes dem Hedonismus zu, andere suchten Trost in nicht etablierten Religionen, wie den Flagellanten oder Geißlerzügen.