Steigende Testzahlen und wachsende Positivrate

COVID-19: Anlasslose Freitests für alle?

Die fachärztlichen Labore favorisieren die bisherige SARS-CoV-2-Teststrategie und sehen eine unbegrenzte Ausweitung eher skeptisch.

SARS-CoV-2-Teststrategie

Bisherige SARS-CoV-2-Teststrategie favorisiert | Ingo Bartussek, stock.adobe.com

Vermutlich aufgrund des verstärkten Reiseaufkommens und regionaler Ausbruchsgeschehen wie zuletzt in Niederbayern oder Nordrhein-Westfalen ist auch in der 30. Kalenderwoche die Zahl der SARS-CoV-2-PCR-Tests weiterhin höher als im längerfristigen Wochendurchschnitt - mit einem Plus von ca. 1 Prozent auf einem neuen Höchststand von 493.221 Tests.

Auch RKI-Präsident Lothar H. Wieler sieht die jüngsten Entwicklungen mit großer Sorge. Er ermahnte denn auch am Dienstag bei der Pressekonferenz die Reisenden, sich auch im Urlaub vernünftig zu verhalten. Es gelte, überall die AHA-Regeln einzuhalten (Abstand, Hygiene, Mund-Nasen-Schutz). Das „Setting“ sei letztlich egal. Diese Regeln seien der Schlüssel zum Erfolg. Für die anstehenden Schulöffnungen wiederholte der RKI-Chef abermals, dass es wichtig sei, dass die Klassenverbünde zusammengehalten werden müssten. Eine Mischung sei auf jeden Fall zu vermeiden, dies gelte natürlich auch in der Freizeit. Letztlich müsse die Zahl der Kontakte reduziert werden.

Anstieg der positiven Ergebnisse

Die durch die Akkreditierten Labore in der Medizin - ALM e.V. seit Anfang März durchgeführte wöchentliche Datenerhebung, an der nun bereits 144 Labore teilnehmen (+5), zeigte zuletzt einen Anstieg der positiven Ergebnisse um 29 Prozent auf 3.974 (Positivrate 0,8 Prozent). Die Testkapazität liegt aktuell bei 967.400 Tests pro Woche. „Die steigenden Fallzahlen zeigen, dass es weiterhin wichtig und angemessen ist, bei bestehendem Anlass mit niedrigschwelligem Angebot breit und umfassend zu testen - ganz im Sinne der Teststrategie der Bundesregierung ‚Testen, testen, testen, aber gezielt!‘. Die PCR-Tests sollten dort eingesetzt werden, wo sie besonders nötig sind - zum Beispiel bei regionalen Ausbrüchen“, betont Dr. Michael Müller, der 1. Vorsitzende des ALM e.V.

Keine Leistungen unbegrenzt

Die Mitglieder des fachärztlichen Berufsverbandes weisen erneut darauf hin, dass es nicht sinnvoll sei, labordiagnostische Leistungen für alle Bürger/-innen unbegrenzt und ohne Anlass als frei verfügbar zu versprechen. „Es ist mehr als verständlich, dass sich Bürgerinnen und Bürger Sicherheit wünschen und die Bundesregierung das Pandemiegeschehen in der Reisezeit mit allen Mitteln eindämmen möchte. Dennoch sollte eine wesentliche Grundregel in der Medizin beachtet werden, nämlich diagnostische Verfahren nicht ohne entsprechenden Anlass anzuwenden.“ Dr. Müller hat neben dem ressourcenschonenden Einsatz begrenzter Mittel auch die nur scheinbare Sicherheit, in der sich alle Beteiligten wiegen könnten, im Blick: „Das ‚Einfach-so-Freitesten‘ von Reiserückkehrern mit Aufhebung der Quarantänepflicht bei negativem Ergebnis ist ein nicht kalkulierbares Risiko. Als Reaktion darauf jetzt einfach ‚zwei Tests‘ im Abstand weniger Tage zuzusagen, verkennt die Fakten“, so Müller. Wichtiger sei es, die PCR-Untersuchung zum möglichst richtigen Zeitpunkt durchzuführen, wobei der Qualität der Abstrichentnahme eine große Bedeutung zukomme.

Konsequente und wirkungsvolle Prävention

„Es ist sicher richtig und auch wichtig, besorgten Bürgerinnen und Bürgern ein leicht zugängliches Angebot zur SARS-CoV-2-Diagnostik zu machen“, betont auch Dr. Wolf Kupatt, Vorstand im ALM e.V. Dieses bestehe allerdings schon seit Wochen. Noch wichtiger sei eine konsequente und wirkungsvolle Prävention, die darin bestehe, dass sich die Menschen an die AHA-Regel mit Abstand, Hygiene und Alltagsmaske halten und bei den ersten Symptomen, mögen diese auch unklar ein, eine Teststelle oder ihren Hausarzt aufsuchen. Das gelte auch im Falle von Kontakten mit etwaigen Infizierten und dies für alle, nicht nur für die Reiserückkehrer/-innen. „Im März und April war das ein breiter gesellschaftlicher Konsens. Den brauchen wir auch jetzt wieder“, so Kupatt.

Quelle: ALM e.V./red