Infektiologen

Coronavirus: „Notbremsung“ des öffentlichen Lebens erforderlich

In einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin wird die sofortige „Notbremsung“ des öffentlichen Lebens für notwendig gehalten.

 

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Länder wie Taiwan, Südkorea oder Hongkong hätten gezeigt, dass mit tiefgreifenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens eine Eindämmung der Epidemie möglich ist. | Jo Panuwat D - stock.adobe.com

„Die Infektionen mit SARS-CoV-2 und die COVID-19 Erkrankungen steigen aktuell in Deutschland rapide an. Die exponentielle Zunahme der Fälle wird bei ungebremster Fortsetzung des Trends und der aktuell verzeichneten Verdopplung der Fallzahlen etwa alle drei Tage, zu etwa 20.000 Fällen in Deutschland bis Ende der Woche führen“, heißt es in einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.

Der Ausschuss für biologische Arbeitsstoffe (ABAS) hat auf Grundlage der vorhanden epidemiologischen Daten SARS-CoV-2 mit Beschluss vom 19.02.2020 aus präventiver Sicht vorläufig in die Risikogruppe 3 nach Biostoffverordnung eingestuft.

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Die Beobachtung einer bisher niedrigen Mortalität sei trügerisch, sie steige erst im weiteren Verlauf der Ausbreitung an. „Dieser Trend ist bereits jetzt sichtbar: Die Letalität betrug bis zum 9. März 2020 noch 0 % und liegt aktuell bei 0,2 %. In den Kliniken lässt sich parallel eine rasch steigende Zahl von stationär oder intensivmedizinisch behandlungspflichtiger Patienten beobachten.“ Um die weitere Ausbreitung zu bremsen, muss unmittelbar gehandelt werden, so die Experten der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Länder wie Taiwan, Südkorea oder Hongkong hätten gezeigt, dass mit tiefgreifenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens eine Eindämmung der Epidemie möglich ist.

Eine dramatisch hohe Rate an schweren Verläufen


„Die überwiegend milden Verläufe bei jüngeren und gesunden Infizierten täuschen über die Bedrohung durch SARS-CoV-2 hinweg; ihnen steht eine dramatisch hohe Rate an schweren Verläufen bei chronisch kranken, immunsupprimierten und älteren Menschen gegenüber. Es muss vermieden werden, dass Kontaktpersonen dieser besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen die Infektion an diese weitergeben.“

Eine der wichtigsten Gruppen seien dabei Mitarbeiter in Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste und alle anderen Berufsgruppen, die vor allem kranke und ältere Mitmenschen betreuen. Es seien bereits wichtige Schritte unternommen worden. Bei nüchterner Betrachtung aller Alternativen werde nur die sofortige „Notbremsung“ des öffentlichen Lebens noch größere Schäden verhindern.

Quelle: DGIM/DGI, 16.03.2020