Interview mit Joshua Klug

Coronakrise: Wie ein MTA-Auszubildender mit der Schulschließung umgeht

Wegen des sich ausbreitenden Coronavirus wurden bundesweit die MTA-Schulen geschlossen. Wie gehen MTA-Auszubildende mit dieser neuen Situation um? Findet der Unterricht immer noch in irgendeiner Form statt? Joshua Klug, Auszubildender im ersten Ausbildungsjahr als MTLA im Klinikum Fulda, gibt Antworten auf diese und andere Fragen.

 

MTLA-Auszubildender Joshua Klug

Joshua Klug | privat

Wie geht Ihre MTA-Schule aktuell mit der Corona-Krise um? Findet bei Ihnen noch Unterricht in irgendeiner Form statt, beziehungsweise wie sieht die Alternative aus?

Klug: Ich bin seit Mitte März im Homeoffice. Meine Schule ist bisher hervorragend mit der neuen Situation umgegangen. Sie hat ein sehr gutes Programm aufgestellt. Ich musste täglich ein bis zwei Hausarbeiten abschicken, das war sehr lern- und arbeitsintensiv. Es ist ungewohnt, aber stofflich bin ich auf jeden Fall weitergekommen.

Barbara Oschwald-Häg

Die Corona-Krise hat auch die Labore mit voller Wucht getroffen. Auf der einen Seite gibt es die SARS-CoV-2-Tests, auf der anderen Seite werden Routineanalysen weniger nachgefragt. Lesen Sie einen Erfahrungsbericht aus der Sicht eines Zentrallabors von Barbara Oschwald-Häg, Leitende Medizinisch-technische Assistentin.

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Wie erhalten Sie Ihre Lerninhalte?

Klug: Bei uns in der Schule ist alles digital vorhanden. Wir arbeiten auch viel mit Power-Point-Präsentationen. Wir erhalten einerseits Aufgaben, die wir erarbeiten sollen und andererseits den Lernstoff in Form eines Scripts. Für Histologie haben wir außerdem einen Scanner, bei dem verschiedene Gewebeproben eingescannt sind. Die sollen wir dann bearbeiten und beschriften. Dies wird dann durch Theorie ergänzt. Es gibt also viele verschiedene Unterrichtsvarianten. Auch die Klausuren, die wir schreiben sollten, finden statt. Wir bekommen sie zugeschickt und müssen sie dann in der vorgeschriebenen Zeit bearbeiten und anschließend den Lehrerinnen oder Lehrern zuschicken, die dann überprüfen können, was man gemacht hat und wo möglicherweise noch Baustellen vorhanden sind. Ich komme mir zurzeit wie in einem richtigen Studium vor, in dem man selbst alles zu Hause erarbeiten muss und bei dem man selbst für den eigenen Fortschritt verantwortlich ist.

Helfen Sie jetzt auch im Krankenhaus aus?

Klug: Ich war im Krankenhaus, aber nicht im Labor. Das ist zurzeit eher für die Mittel- oder Oberkursler interessant, weil sie in der Ausbildung ja schon viel weiter sind und fachlich eine bessere Laborgrundlage als wir Anfänger haben. Da die Angehörigen die Patienten nicht besuchen durften, haben wir ihnen beispielsweise die Koffer aufs Zimmer gebracht. Ich habe dabei viel gelernt, unter anderem auch wie mit den Coronafällen umgegangen wird.

Gehen Sie davon aus, dass das Schuljahr eventuell wiederholt werden muss,  wenn die Krise länger andauert?

Klug: Also ich glaube das nicht, wenn es so wie in den letzten zwei Wochen fortgeführt wird. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das hinkriegen. Die Frage ist nur, wie man die Defizite in der praktischen Ausbildung so einbauen kann, dass es uns nicht zum Nachteil gerät. Wir werden zwar in praktischer Theorie unterrichtet, sie aber selbst anzuwenden, ist dann aber doch etwas anderes. Ich hoffe, dass man die Praxis im zweiten Lehrjahr mehr betonen kann. Ich dritten Lehrjahr wäre es dann eigentlich egal, weil wir dann sowieso nur in der Praxis sind. Man hat auch das Gefühl, dass die Lehrer sich gut an die Situation angepasst haben, und sie versuchen das Bestmögliche, um uns in unserer Ausbildung weiterhelfen zu können.

Fühlen Sie sich von Ihren Lehrkräften gut betreut?

Klug: Auf jeden Fall. Man hat das Gefühl, dass die Lehrer sich gut an die Situation angepasst haben, und sie versuchen das Bestmögliche, um uns in unserer Ausbildung weiterhelfen zu können.

Wie geht es Ihnen selber in dieser Situation?

Klug: Heute ist mein letzter Arbeitstag vor dem Urlaub. Ich bin sehr erschöpft, weil es in letzter Zeit extrem anstrengend war. Davon muss ich mich jetzt erst mal erholen. Aber es war die richtige Entscheidung, die Schulen zu schließen, weil es darum geht, die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die Mitmenschen zu schützen. Deshalb ist die Einschränkung des öffentlichen Lebens das kleinere Übel. Persönlich wichtig sind mir die Großeltern, die jetzt besonders gefährdet sind.

Die Fragen stellte Gisela Klinkhammer.