Nuklearmedizin

Corona-Pandemie: Bildgebende Verfahren statt Belastungs-EKG

Das medizinische Personal, das die Patienten während des Belastungs-EKGs betreut, ist einem hohen Infektionsrisiko mit dem Coronavirus ausgesetzt und soll mit höchster Priorität geimpft werden, fordert der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner.

Herz

Das Belastungs-EKG lässt sich leicht ersetzen. | adimas - stock.adobe.com

Gemäß der aktuellen Coronavirus-Impfverordnung zählen „Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen (...) tätig sind, (...) in denen für eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 relevante aerosolgenerierende Tätigkeiten durchgeführt werden“, zu den Hochrisikopersonen und sollen mit höchster Priorität geimpft werden. „Das Belastungs-EKG auf dem Fahrradergometer zählt eindeutig zu diesen aerosolgenerierenden Tätigkeiten“, sagt Prof. Dr. med. Detlef Moka, niedergelassener Nuklearmediziner in Essen und Erster Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Nuklearmediziner (BDN).

Herz

Ein interdisziplinäres Team hat erstmals ermittelt, welches bildgebende Verfahren für Patienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern am besten geeignet ist, um die Durchblutung des Herzens zu messen.

weiterlesen

Bei der Untersuchung wird der Patient dazu aufgefordert, seinen Puls durch körperliche Aktivität bis an die Belastungsgrenze zu treiben; dabei werden zwangsläufig große Aerosolmengen ausgestoßen, die möglicherweise virusbelastet sind. Das Dilemma dabei ist, dass den Patienten in dieser Situation keine FFP2-Maske zuzumuten ist – ohne Maske jedoch ist das anwesende Personal stark gefährdet.

Stress-Myokardszintigrafie eine Leistung der GKV

Herzuntersuchungen sind aber auch in Pandemiezeiten unerlässlich und dulden keinen Aufschub. „Gerade das Belastungs-EKG, das zu den häufigsten Untersuchungen in diesem Bereich zählt, lässt sich sehr leicht durch eine Myokardszintigrafie mit medikamentös erzeugter Belastung ersetzen, die die Aerosolbelastung des Personals nicht erhöht“, sagt BDN-Experte Prof. Dr. med. Sigmund Silber, niedergelassener Kardiologe aus München mit Fachkunde Nuklearkardiologie. „Mit einer solchen Myokardszintigrafie sind sogar deutlich genauere Aussagen über die Durchblutung des Herzmuskels möglich als mit einem Belastungs-EKG“, fügt der Herzspezialist hinzu.

So hat die European Society of Cardiology (ESC) die diagnostische Aussagekraft des Belastungs-EKG in ihren aktuellen Leitlinien herabgestuft und bildgebende Verfahren wie Stressechokardiografie, Stress-Magnetresonanztomografie (Stress-MRT), Kardio-Computertomografie (Kardio-CT) und Stress-Myokardszintigrafie vorangestellt, um einen Verdacht auf eine Koronare Herzkrankheit (KHK) abzuklären. Im Gegensatz zur Stress-MRT und Kardio-CT ist die Stress-Myokardszintigrafie eine Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Geringe Strahlenexposition

Bei der Myokardszintigrafie wird ein schwach radioaktives, nicht jodhaltiges Kontrastmittel in eine Vene injiziert und anschließend die Blutversorgung des Herzmuskels mit einer speziellen Kamera aufgenommen. Dabei kann die Durchblutung auch ohne Treten auf dem Fahrradergometer unter Belastung gemessen werden, indem die gefäßerweiternden Wirkstoffe Adenosin oder Regadenoson die Herzkranzgefäße rein medikamentös unter Stress setzen – die Durchblutung wird so ohne körperliche Aktivität beeinflusst.

Das bei der Myokardszintigrafie verwendete Technetium hat eine sehr kurze Halbwertszeit von wenigen Stunden; die durch die Untersuchung verursachte Strahlenexposition ist daher nur gering und entspricht ungefähr der natürlichen Belastung binnen eines Jahres. Durch neue digitale Kameras sind außerdem sehr kurze, für die Patienten bequeme Aufnahmezeiten von wenigen Minuten möglich geworden.

Schonendes Verfahren in der Herzdiagnostik

„Mit der medikamentösen Stress-Myokardszintigrafie steht somit ein sicheres, aussagekräftiges und schonendes Verfahren in der Herzdiagnostik zur Verfügung, das dazu beitragen kann, die Aerosolbelastung des medizinischen Personals stark zu reduzieren“, resümiert der BDN-Vorsitzende Moka. „Um die Corona-Gefährdung zu verringern und dem Patienten die effektivere Diagnostik zukommen zu lassen, sollte man dieses Potenzial jetzt insbesondere in der Pandemie verstärkt nutzen“, rät BDN-Experte Silber.

Quelle: BDN, 16.02.2021