Biomarker für Mesotheliome

Calretinin kann bei Krebsfrüherkennung helfen

Dem IPA ist es gelungen, mit dem Protein Calretinin einen wirksamen und kosteneffizienten Marker zur Diagnose von Mesotheliomen (Lungen- und Rippenfellkrebs) zu identifizieren, der zukünftig auch bei der Krebsfrüherkennung helfen könnte.

Diffuses Pleuramesotheliom

Diffuses Pleuramesotheliom, umfangreiche Beteiligung des Perikards. | AFIP Atlas of Tumor Pathology, gemeinfrei, mit freundlicher Genehmigung von Dr. Samuel Hammar, Seattle, WA.

Asbestbedingte Lungentumoren und Mesotheliome entstehen meist als Folge einer lange zurückliegenden Exposition gegenüber Asbeststaub. Zur Früherkennung dieser Erkrankungen bieten Berufsgenossenschaften und Unfallkassen betroffenen Versicherten bereits seit den 70er Jahren arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen an. In diesem Rahmen sollen auch zunehmend Biomarker Verwendung finden. Denn sie bieten eine minimalinvasive Diagnostik, mit deren Hilfe Tumoren frühzeitig entdeckt werden können. Seit 2008 widmet sich das IPA (Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung) deshalb im Rahmen der Studie „Molekulare Marker“ (MoMar) der Entwicklung von Biomarkern für asbestbedingte Krebserkrankungen.

Inke Feder (links) und Andrea Tannapfel

Asbestfasern sind in der menschlichen Lunge über fast 40 Jahre in derselben Menge nachweisbar. Das hat die Auswertung eines weltweit einzigartigen Datensatzes des Deutschen Mesotheliomregisters am Institut für Pathologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) gezeigt.

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Bislang werden Mesotheliome und Lungenkrebs häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung diagnostiziert. Das schränkt Therapieoptionen ein und senkt die Lebenserwartung der Betroffenen. Biomarker können helfen, die Aussichten für die Patienten zu verbessern.

Abschließende Ergebnisse 2018 erwartet

Eine kürzlich in Kooperation mit der University of Western Australia in Perth, Australien, durchgeführte Fall-Kontroll-Studie zum Calretinin, in der insgesamt 434 Probanden untersucht wurden, kam zu folgendem Ergebnis: Kam der Biomarker im Blut der Untersuchten vor, war dies bei etwa zwei Drittel (67 %) der Patientinnen und Patienten Indikator für ein Mesotheliom (korrekt positive Anzeige). Diese Ergebnisse beziehen sich auf Patientinnen und Patienten, die bereits klinische Symptome hatten.

Bei Patientinnen und Patienten, die noch keine Symptome hatten, war die Zahl der korrekt positiv eingestuften Fälle hingegen geringer. Die vorläufigen Ergebnisse der MoMar-Studie zeigen, dass diese geringere Empfindlichkeit (Sensitivität) aber durch die Kombination mehrerer Marker weitgehend ausgeglichen werden kann. Abschließende Ergebnisse der Marker-Kombinationen im Rahmen der Früherkennung werden 2018 erwartet. (idw, dguv, red)

Biomarker:

Biologische Marker (Biomarker) sind Zellen, Gene, Genprodukte, Moleküle oder bestimmte Strukturen, die in der Medizin oder Biologie als Indikatoren für Umweltbelastungen oder Krankheiten dienen. Es sind charakteristische biologische Merkmale, die objektiv gemessen werden und auf einen veränderten biologischen oder krankhaften Prozess im Körper hinweisen können. Mit Hilfe der Blut-, Urin- oder Gewebeanalyse kann eine Vielzahl von Biomarkern bestimmt werden, die über den Gesundheitszustand Auskunft geben. Ein typischer Biomarker-Test ist der Schwangerschaftstest, bei dem das „Schwangerschaftshormon“ HCG im Urin gemessen wird.

 

Literatur:

Georg Johnen, Katarzyna Gawrych, Irina Raiko, et al.: Calretinin as a blood-based biomarker for mesothelioma. BMC Cancer2017, 17: 386, doi.org/10.1186/s12885-017-3375-5.

Georg Johnen und die MoMar-Studiengruppe: Biomarker Calretinin für die Diagnose von Mesotheliomen - Von der Forschung in die Praxis. IPA-Journal 01/2017.