Studie

Baden-Württemberger häufiger gestresst, aber weniger krank

Deutschland ist gestresst und im Südwesten sogar noch etwas mehr als anderswo. So gibt laut einer aktuellen Stress-Studie der Techniker Krankenkasse (TK) mehr als jeder Vierte in Baden-Württemberg (BW) an, häufig gestresst zu sein.

Stress

Als Hauptverursacher von Stress wurden Schule, Studium oder Beruf genannt | Fotolia/Andrey Popov

68 Prozent der Befragten stehen hierzulande häufig oder zumindest manchmal unter Druck. Bundesweit fühlen sich 23 Prozent häufig und 38 Prozent manchmal gestresst.

Gefragt nach den Gründen, macht den Baden-Württembergern vor allem das Pendeln mehr zu schaffen. 41 Prozent der Befragten sehen die Teilnahme am Straßenverkehr oder die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel als Stressfaktor, während bundesweit nur 30 Prozent darauf nervös reagieren. Als Hauptverursacher von Stress wurden jedoch im Land wie bundesweit Schule, Studium oder Beruf genannt (BW 47 Prozent, Bund 46 Prozent), ähnliche Werte gab es außerdem bei hohen Ansprüchen an sich selbst (BW 38 Prozent, Bund 43 Prozent).

"Eine Erkenntnis, die wir aus den Umfrageergebnissen ziehen können, ist, dass Stress zwar ständiger Begleiter vieler Menschen ist, aber nicht zwangsläufig krank machen muss", erklärt Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung in Baden-Württemberg. Sowohl was den Krankenstand angeht als auch den Anteil psychischer Erkrankungen hat der Südwesten traditionell die niedrigsten Werte bundesweit.

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Das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) will dem Thema gesundes Altern in einer breit angelegten Forschungsinitiative, der Dortmunder Vital-Studie, auf den Grund gehen.

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Der Krankenstand in Baden-Württemberg lag im Jahr 2015 mit 3,5 Prozent rund 17 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Die Fehlzeiten bei psychischen Störungen liegen um 21,2 Prozent unter den bundesweiten Ergebnissen. "Scheinbar gelingt es doch vielen Menschen, einen Ausgleich für die Belastung zu finden", vermutet Vogt.

Und wie sieht dieser Ausgleich aus? Hobby, Faulenzen, sich mit Freunden und Familie treffen stehen in Baden-Württemberg und bundesweit bei etwa sieben von zehn Befragten oben auf der Liste der liebsten Entspannungsstrategien. Sport treiben favorisieren immerhin fast zwei Drittel der Erwachsenen in Baden-Württemberg, bundesweit schnürt nur jeder Zweite zum Ausgleich die Trainingsschuhe.

"Ob man Stress als Herausforderung oder als Belastung empfindet, hängt offenbar auch damit zusammen, ob man eine Aufgabe hat, die Spaß macht", sagt TK-Leiter Vogt. Das können immerhin drei Viertel der Berufstätigen im Land von ihrer Arbeit sagen, auch wenn vier von zehn Befragten Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie einräumen.

Um diesem Problem zu begegnen, sieht die TK auch die Arbeitgeber in der Pflicht: "Wir brauchen eine Unternehmenskultur in den Betrieben, die es den Menschen ermöglicht, gesund zu arbeiten, zu regenerieren sowie Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Dazu gehört auch, dass Feierabend ist mit der ständigen Erreichbarkeit", so Vogt. Denn diese macht in Baden-Württemberg mehr als einem Drittel der Berufstätigen zu schaffen, im Vergleich zu 26 Prozent der Befragten bundesweit.

Quelle: TK, 12.10.2016