Fachberufekonferenz

Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesundheitsfachberufe

Wie verändert die Digitalisierung die gesundheitliche Versorgung von Patientinnen und Patienten? Welche neuen Anforderungen stellt sie an die Gesundheitsfachberufe? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich die 33. Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen auf ihrer Jahrestagung am 18. Juni in Berlin.

Digitalisierung

Die Digitalisierung des Gesundheitssystems bringt einschneidende Veränderungen mit sich. | denisismagilov - stock.adobe.com

„Die Digitalisierung des Gesundheitssystems bringt einschneidende Veränderungen mit sich. Das gilt auch mit Blick auf die Kooperation zwischen den Gesundheitsfachberufen“, sagte Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer und Vorsitzende der Fachberufekonferenz. „Im Sinne einer bestmöglichen Patientenversorgung und Patientensicherheit sind alle Gesundheitsfachberufe aufgerufen, ihr Wissen und ihre Fertigkeiten beim Einsatz digitaler Instrumente weiter zu vertiefen“, forderte Lundershausen. Dies müsse unbedingt mit der gebotenen Sorgfalt und ohne Druck von außen geschehen. In diesem Zusammenhang verwies sie auf den diesjährigen 124. Deutschen Ärztetag in Berlin, der vor einer in erster Linie politisch motivierten Digitalisierung ohne Rücksicht auf Nutzen und Praxistauglichkeit gewarnt hatte.

(Gesunde) Gestaltung von Digitalisierung

Die Arbeitswelt der Zukunft mit ihrem Flaggschiff der Digitalisierung hält – wenn auch gegenüber der Industrie mit zeitlichem Versatz – zunehmend Einzug in die deutsche Krankenhauslandschaft.

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„Wir stehen in den kommenden Monaten vor der Einführung mehrerer digitaler Anwendungen im Gesundheitswesen“, betonte Norbert Butz, Telematikexperte der Bundesärztekammer. Die Krankenkassen rief er zu einer Kommunikationsoffensive auf, um ihre Versicherten über die Neuerungen zu informieren. Gleichzeitig warnte er davor, dass gerade ältere Patientinnen und Patienten den Anschluss an die digitale Versorgungswelt verlieren könnten. So besäßen mehr als die Hälfte der über 65-jährigen kein für den Zugriff auf digitale Patientenakten und Rezepte taugliches Smartphone. „Damit besteht die Gefahr, dass die Transformation des Gesundheitswesens an einer wichtigen Zielgruppe vorbeigeht“, so Butz.

Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis.

Wie kann die Digitalisierung bei der Versorgung älterer Menschen helfen? Und wie können alleinlebende, mehrfacherkrankte Menschen im Alter vor Vereinsamung geschützt werden und weiter selbstbestimmt leben? Diese Fragen beschäftigen Prof. Dr. Stefan Schmidt, Experte für Pflege- und Versorgungskonzepte an der Hochschule Neubrandenburg. „Moderierte Videokonferenzen können soziale Kontakte fördern“, stellte Schmidt mit Blick auf den aktuellen Stand der Forschung fest. Derzeit untersucht er im Rahmen eines Forschungsprojekts den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis. „IT-Technik wird gezielt eingesetzt, um Kommunikations- und Austauschmöglichkeiten zwischen zu Pflegenden und dem Versorgungsumfeld anzubieten“, so Schmidt. Das ermögliche unverzügliche Rückmeldungen und erhöhe damit die Sicherheit. Online-Konsultationen und Videoanrufe würden vermehrt in der Primär- und Sekundärversorgung eingesetzt.

Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde deutlich, dass es bislang an einer Digitalisierungsstrategie in der Aus-, Weiter- und Fortbildung für die Gesundheitsfachberufe mangelt. Die in den Gesundheitsfachberufen Tätigen seien auf den digitalen Wandel des Gesundheitssystems nicht angemessen vorbereitet. Notwendig sei die Weiterentwicklung der bildungsrelevanten Rahmenbedingungen mit strategischen Programmen und zielgerichteten Fördermaßnahmen.

 

Die vom Vorstand der Bundesärztekammer im Jahr 1989 initiierte Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen traf sich zu ihrer 33. Sitzung. Ziel dieser ständigen Einrichtung von 42 Verbänden ist, den Dialog und die interprofessionelle sowie sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsfachberufen zu fördern und aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Berufsausübung zu beraten.


Quelle: BÄK, 21.06.2021