Dialog

Arbeiten in der Schweiz – was ist wichtig?

Interview mit dem leitenden MTRA Benjamin Josten
Das Interview führte Mirjam Bauer
Porträtfoto von Benjamin Josten
© privat
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Benjamin Josten ist leitender MTRA und stellvertretender Fachbereichsleiter im Strahlenschutz: Aktuell arbeitet er im Haus der Technik e.V. in der Stadt Essen, in einer beruflichen Weiterbildungseinrichtung im Fachbereich Strahlenschutz.

Die dort ansässige Röntgenabteilung entspricht der eines mittelgroßen Krankenhauses: mit zwei digitalen und vier konventionellen Röntgenarbeitsplätzen, drei digitalen Speicherfoliensystemen, PACS, drei C-Bögen, mobilem Röntgen, Mammografie und zwei dentalen Röntgeneinrichtungen, die zu Lehrzwecken in den Strahlenschutzkursen eingesetzt werden. Für den genehmigungsbedürftigen Umgang mit radioaktiven Stoffen steht eine nuklearmedizinische Abteilung mit Doppelkopfkamera zur Verfügung. Josten obliegen pädagogische Aufgaben, die Referententätigkeit in Strahlenschutzkursen sowie die Kurskonzipierung und Betreuung der digitalen Lernplattform.

Im September 2009 schloss er seine Ausbildung zum examinierten MTRA am Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum ab. Dort war er zunächst in der klinischen Patientenversorgung im Bereich der diagnostischen und interventionellen Radiologie mit dem Schwerpunkt Polytraumaversorgung beschäftigt. Nach zwei Jahren wechselte er in die Strahlentherapie und bildete sich am Universitätsklinikum Essen weiter zum Gesundheitsbetriebswirt. Dabei richtete sich sein Fokus bereits auf künftige Leitungstätigkeiten: Er qualifizierte sich zur Fachkraft im Qualitätsmanagement, zum QM-Beauftragten und zum QM-Auditor. Im Jahr 2018 wechselte er in die Schweiz – als leitender diplomierter Radiologiefachmann am Universitätsspital Zürich. Dort übernahm er in der Klinik für Radio-Onkologie die Führungsverantwortung für 30 Radiologiefachpersonen, das Projekt- und das Qualitätsmanagement. Im Interview erklärt er, welche Herausforderungen die Arbeit in der Schweiz mit sich bringt.

Welche Nachweise sind erforderlich für deutsche MTA, wenn diese in der Schweiz arbeiten wollen?

Die Anerkennung der ausländischen Ausbildungsabschlüsse für MTRA läuft in der Schweiz über das Schweizerische Rote Kreuz (SRK). Online kann man über die Website des SRK einen kostenfreien PreCheck durchführen, um sich für die Arbeit im Nachbarland zu qualifizieren. Über die Homepage: www.precheck.ch werden zunächst die Personen- und Abschlussdaten erfasst und danach Dokumente wie Lebenslauf, Personalausweis oder Reisepass, Berufsurkunde und Staatliches Prüfungszeugnis hochgeladen. Bei abweichenden Namen wie nach einer Hochzeit muss man den Nachweis zur Namensänderung hinzufügen.

Nach dem positiven PreCheck-Verfahren startet das Anerkennungsverfahren mit dem Einreichen weiterer Unterlagen. Dies erfolgt individuell: So kann es beispielsweise ein Curriculum der MTRA-Schule sein, woraus die Stunden und Inhalte hervorgehen, die man geleistet hat. Bei nicht bestandener Vorprüfung meldet sich das SRK individuell zurück und ermöglicht den Wechselwilligen, die Abweichung zu beseitigen – beispielsweise über einen Anpassungslehrgang, eine Zusatzausbildung oder eine Eignungsprüfung.

Welche Hürden oder Schwierigkeiten gibt es in der Schweiz?

Zuerst muss man eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Staatsangehörige aus den EU- beziehungsweise EFTA-Staaten (Island, Liechtenstein und Norwegen) profitieren vom freien Personenverkehr und können sich generell drei Monate in der Schweiz aufhalten, um eine Arbeit zu finden. Dabei besteht eine Meldepflicht im entsprechenden Kanton der Schweiz. Für längere Aufenthalte bedarf es einer Aufenthaltsbewilligung. Für diese benötigt man einen gültigen Ausweis/Pass und eine Arbeitsbescheinigung des Arbeitgebers sowie einen Arbeitsvertrag. Es gibt verschiedene Bewilligungen, um in der Schweiz zu arbeiten: zum einen die Kurzaufenthaltsbewilligung (Ausweis L) für befristete Arbeitsverhältnisse von weniger als einem Jahr. Dieser Ausweis kann nach einem Jahr verlängert werden. Zum anderen gibt es die Aufenthaltsbewilligung (Ausweis B) für Personen, die ein unbefristetes Arbeitsverhältnis oder einen Jahresvertrag haben. Diese Aufenthaltsbewilligung gilt für fünf Jahre und kann nach erneuter Prüfung um weitere fünf Jahre verlängert werden. Wer ohne Erwerbstätigkeit über genügend finanzielle Mittel verfügt, kann Ausweis B auch beantragen, das gilt auch für Selbstständige.

Grenzgänger, die ihren Wohnsitz weiterhin in Deutschland haben, dürfen täglich hin- und herreisen. Sie benötigen eine Grenzgängerbewilligung (Ausweis G) und können in der Schweiz arbeiten und in Deutschland leben. Das bedeutet, dass sie mindestens einmal in der Woche an ihren Wohnsitz zurückkehren müssen. Diese Bewilligung richtet sich nach der Länge des Arbeitsvertrages beziehungsweise gilt bis zu fünf Jahre, wenn ein unbefristeter oder mehrjähriger Arbeitsvertrag vorliegt.

Krankenversicherungskosten werden vollständig von den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen übernommen, sie sind allerdings geringer als in Deutschland. Die Wochenarbeitszeit beträgt zwischen 40 bis 44 Stunden mit einem Urlaubsanspruch von mindestens vier Wochen im Jahr.

Bei einem Umzug muss man unbedingt beachten, das Umzugsgut für die Einfuhr gegenüber der Zollstation anzuzeigen und die notwendigen Formulare mit sich zu führen. Der Hausrat muss aufgelistet sein; der Mietvertrag und eine Erklärung, dass das Umzugsgut bereits sechs Monate in Nutzung war und auch nach dem Umzug in die Schweiz weiter genutzt wird, sind obligatorisch.

Wie sind die Fortbildungsmöglichkeiten und der Verdienst in der Schweiz?

Der Verdienst in der Schweiz liegt erheblich über dem der Nachbarländer, allerdings gibt es keinen per Gesetz definierten Mindestlohn. Das Gehalt wird anhand der Erfahrung und Position bestimmt. Generell gilt: Je länger man im MTRA-Beruf ist, desto höher ist auch der Verdienst. Für MTRA liegt das Lohnniveau über dem Durchschnittsbruttoverdienst in der Schweiz. Je nach Position können mehr als 7.000 CHF brutto pro Monat verdient werden, allerdings müssen die hohen Lebenshaltungskosten in der Schweiz berücksichtigt werden. Der Steuersatz variiert in den verschiedenen Kantonen und beträgt im Durchschnitt circa 33 Prozent. Im Vergleich zu Deutschland ist er deutlich geringer.

Über die Schweizerische Vereinigung der Radiologiefachpersonen werden kontinuierliche berufsbezogene Fortbildungen angeboten. Daneben besteht die Möglichkeit, berufsbegleitend eine akademische Laufbahn an einer Hochschule einzuschlagen, um sich weiter zu qualifizieren.

Was läuft gut in der Schweiz beziehungsweise besser als in Deutschland?

Die Wertschätzung und das Ansehen der Berufsgruppe in der Bevölkerung sind gut. Mir gefällt die regelhafte Vertretung der Berufsgruppe im Krankenhausmanagement, dadurch wird die aktive Mitgestaltung und Weiterentwicklung der medizinisch-technischen therapeutischen Berufe sichergestellt.

Gut ist die zum Teil klare organisatorische Aufteilung in Führungs-, Fach- und Bildungslaufbahn. Auch die Weiterentwicklung anhand des Laufbahnmodells in den entsprechenden Stufen je nach Tätigkeit ist besser: So gibt es Weiterbildungspläne, wie beispielsweise das Laufbahnmodell MTTB des Universitätsspitals Zürich.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders gut?

Der MTRA-Beruf bietet abwechslungsreiche, sinnstiftende und verantwortungsvolle Einsatzgebiete in vier Fachbereichen. Drei durfte ich nach meiner Ausbildung bereits kennenlernen. Ich beschäftige mich mit hoch technisierten Geräten, die zielgerichtet für die Bildakquise und Therapie am Patienten eingesetzt werden. Dabei herrscht keine Monotonie, da sich die Untersuchungs- und Therapiekonzepte immer weiterentwickeln. Durch die Anpassung an neue wissenschaftliche und technische Erkenntnisse muss man seine Arbeitsweise regelhaft überprüfen und adaptieren. Diese Dinge machen den Beruf für mich zu einem interessanten Tätigkeitsfeld.

Gibt es etwas, das Ihnen nicht gefällt oder verbessert werden könnte?

Die Wirtschaftlichkeit ist auch im Gesundheitswesen immer mehr in den Fokus unseres täglichen Handelns gerückt. Allerdings dürfen die Wünsche und Anliegen des Patientenkollektivs nicht zu kurz kommen. Gleichzeitig beobachte ich, dass der Dienstleistungsgedanke bei den Patientinnen und Patienten gestiegen ist und weiter steigt. Wichtig ist mir, dass jeder Erkrankte jederzeit das Gefühl hat, im Mittelpunkt zu stehen, auch wenn sich die Einrichtungen im Gesundheitswesen im direkten Wettbewerb zueinander befinden, da am Ende des Tages die Fallzahlen pro Quartal ausschlaggebend sind.

Die herausfordernde Aufgabe von uns leitenden Personen ist es, die personellen und zeitlichen Ressourcen in dem Mangelberuf MTRA bedarfsorientiert einzusetzen und offene Stellen nachzubesetzen. Da es im Verhältnis zu den freien Stellen nicht genügend Bewerberinnen und Bewerber gibt, sollten die Ausbildungskapazitäten in diesem Beruf gesteigert werden, um dem Fachkräftemangel aktiv entgegenzuwirken – das ist übrigens auch eine zentrale Forderung des Berufsverbandes.

Die Sichtbarkeit der MTA-Berufsgruppe ist in der deutschen Krankenhausleitung meines Erachtens nicht gegeben, da sie von keiner Interessengruppe vertreten wird.

Was bereichert Ihre Arbeit/Ihren Alltag heute?

Das hängt stark von der technischen Weiterentwicklung der Großgeräte unter Einbezug der künstlichen Intelligenz ab. Das Gesundheitswesen hat sich rasant und beeindruckend weiterentwickelt. Die kontinuierliche Fort- und Weiterbildung der MTRA-Berufsgruppe ist deshalb unerlässlich und muss durch zielgerichtete Angebote der Kursanbieter sichergestellt werden.

Möchten Sie sich noch weiter fortbilden und wenn ja, in welchem Bereich?

Ich halte eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung in den technologischen Berufen über die Gesamtheit aller Berufsjahre hinweg für unerlässlich. Das lebenslange Lernen wird auch im MT-Berufe-Gesetz, das ab dem 1. Januar 2023 in Kraft treten wird, gefordert.

Derzeit befinde ich mich in einem berufsgleitenden Masterstudienprogramm Master of Science in Health Science Education der Fachhochschule für Gesundheit, Tirol, am Studienstandort Berlin, um auch in Zukunft alle gesetzlichen Anforderungen in der Lehre zu erfüllen.

Planen Sie, zurück in die Schweiz zu gehen? Warum beziehungsweise warum nicht?

Momentan ist ein Wechsel in die Schweiz aus familiären Gründen nicht möglich. Ich bin aber sehr dankbar für die Erfahrungen und Einblicke, die ich im Rahmen meiner Tätigkeit am Universitätsspital Zürich sammeln durfte. Dies hat mein weiteres Handeln entscheidend geprägt.

Das Interview führte Mirjam Bauer.

Kontakt:
Benjamin Josten
Ltd. MTRA & stellv. Fachbereichsleiter im Strahlenschutz
Haus der Technik e.V., Essen
benjamin.josten@web.de

 

Entnommen aus MTA Dialog 7/2022

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