Interview

70. Jahrestagung der DGHM in Bochum

Kongresspräsidenten-Interview zum deutschlandweit größten Fachkongress: Aktuelle Forschungen, rasante Entwicklungen und Erkenntnisse aus der spannenden Welt der Hygiene und Mikrobiologie.

DGHM/Conventus

Aktuelle Erkenntnisse zu Diagnostik und Management von multiresistenten Keimen in Krankenhäusern, Forschungsergebnisse zum Zusammenhang von Mikrobiom und Krankheiten, neue Strategien zum Schutz vor Infektionserregern – die Schwerpunkte bei der der 70. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) e. V. sind wieder vielfältig. Einen ersten Einblick in Tagungsthemen und Highlights der deutschlandweit größten Fachkonferenz in diesem Bereich, die vom 19. - 21. Februar 2018 in Bochum von nationalen und internationalen Experten fachübergreifend diskutiert werden,  gibt Prof. Dr. med. Jan Buer, Institut für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Essen, diesjähriger Kongresspräsident gemeinsam mit Prof. Dr. med. Sören Gatermann, Abteilung für Medizinische Mikrobiologie der Ruhr-Universität Bochum und Prof. Dr. med. Frauke Mattner, Institut für Hygiene der Kliniken der Stadt Köln gGmbH.

Das wissenschaftliche Programm der DGHM-Jahrestagung ist wieder vielfältig. Welche spannenden Themen werden von international renommierten Wissenschaftlern diskutiert?

Prof. Buer: Die Schwerpunktthemen liegen in diesem Jahr auf: Health Care associated Infections (HAI), Antimicrobial Agents and Infectious Diseases (AAID), Host Susceptibility / Fungal Diseases (HS), Association of Microbiome and Diseases (MD).  

Wichtige Tagungsschwerpunkte liegen in diesem Jahr neben therapieassoziierten Infektionen und antimikrobiellen Substanzen unter anderem auch auf mykotischen Erkrankungen und Wirtssuszeptibilität. Welche spannenden aktuellen Entwicklungen werden vorgestellt?

Prof. Buer: Der Arbeitsgruppe von Julian Nagli vom King’s College in London ist es in Zusammenarbeit mit deutschen Wissenschaftlern gelungen, bei Candida albicans, einem Kommensal der normalen menschlichen Flora, das aber auch lebensgefährliche Infektionen hervorrufen kann, wenn der Wirt ein geschwächtes Immunsystem hat, ein Gift nachzuweisen. Das nun entdeckte Toxin, das Candidalysin, bildet an der Membran der Wirtszelle Löcher und kann sie so zerstören. Am Beispiel von Schleimhautzellen des Mundes konnten die Wissenschaftler diesen Mechanismus nachweisen. Solche oralen Infektionen mit Candida albicans sind extrem häufig bei HIV-Patienten, aber auch bei sehr jungen und alten Menschen mit einem schwachen Immunsystem.

Ein wichtiges Tagungsthema ist das Mikrobiom und sein Einfluss auf Krankheiten, eines der aktivsten Forschungsgebiete der Mikrobiologie und angrenzenden Bereichen. Hier gibt es sehr interessante neue Erkenntnisse aus aktuellen Untersuchungen, die beim Kongress vorgestellt werden sollen.

Prof. Buer: Paul O`Toole, Professor für Microbial Genomics am University College Cork in Irland wird uns die Rolle von kommensalen Bakterien in der Entstehung von Darmkrebs erläutern und Gabriel Nunez wird darüber berichten, wie das Immunsystem und die Mikrobiota die Kolonisierung mit Pathogenen kontrollieren.

Multiresistente Erreger, die große Herausforderung für das Fachgebiet der Mikrobiologie, sind wieder ein wichtiges Schwerpunktthema. Welche aktuellen Fragestellungen werden diskutiert?

Prof. Buer: Wichtige Themen werden der weltweite stetige Anstieg von multiresistenten Erregern sein und welche Maßnahmen dagegen ergriffen werden. Des Weiteren werden neue Antibiotika vorgestellt, die sich gerade in der Entwicklung befinden und Möglichkeiten vorgestellt, wie ein rationaler Umgang mit Antibiotika erreicht werden kann.

Neu ist die Plattform „Junge DGHM“ bei der Bochumer Tagung. Was bietet sie für den wissenschaftlichen Nachwuchs?

Prof. Buer: In der Jungen DGHM haben sich insbesondere jüngere DGHM-Mitglieder zusammengeschlossen, die sich aktiver vernetzen wollen. Es wurde eine Umfrage gestartet, um die Bedürfnisse zu erfragen und die Ergebnisse dieser Umfrage werden im Rahmen des Kick-Off Meetings am Dienstag, 12-13 Uhr vorgestellt. Dabei geht es u.a. um spezifische Fort- und Weiterbildungsangebote und die Etablierung eines Mentoren-Programmes sowie weitere Themen, die die jüngeren Mitglieder bewegen und die in den Mittelpunkt gerückt werden sollen.

Herzlichen Dank für das Interview!

Das komplette Programm sowie alle Informationen gibt es hier.

Quelle: Conventus