Angriff aufs Gehirn

Zika-Virus und Neurologie

Brasilianische Forscher von der Päpstlichen Katholischen Universität von Paraná entdeckten den Krankheitserreger im Hirngewebe mehrerer Neugeborener mit Mikrozephalie. Schon zuvor hatte sich der Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen Zika-Virus-Infektion und Mikrozephalie erhärtet, wie ein Bericht der amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und eine Studie im „New England Journal of Medicine“ (NEJM) zeigten [3, 4]. Forscher hatten Gewebeproben von zwei verstorbenen Säuglingen und von zwei Fehlgeburten untersucht. In allen vier Fällen wurden Zika-Viren entdeckt, die mit den in Brasilien zirkulierenden Virusstämmen übereinstimmten. Und: Die Zika-Viren fanden sich ausschließlich im Gehirn.

„Wir wissen, dass manche Viren bevorzugt das Gehirn und gezielt Nervenstrukturen angreifen“, so Meyding-Lamadé. Auch Gewebeveränderungen wie Verkalkungen, Knoten in den Gliazellen, degenerierte Zellen und Nekrosen wurden nur im Gehirn entdeckt. „Von 460 in Brasilien bestätigten Fällen von Mikrozephalie wurde bislang aber nur bei 41 Fällen ein hoch wahrscheinlicher Zusammenhang mit dem Zika-Virus vermutet“, sagt Meyding-Lamadé. Wie das Zika-Virus genau wirkt, ist noch unklar. Die WHO bietet in zwei Publikationen Ärzten Hilfestellung zum Vorgehen bei Mikrozephalie [5] und Tipps für stillende Mütter [6].

Das Zika-Virus kann offenbar auch Augenschäden anrichten. Ein Team um den brasilianischen Mediziner Bruno de Paula Freitas vom Hospital Geral Roberto Santos in Salvador [7] untersuchte 29 Kinder mit Mikrozephalie auf Augenschäden. 23 der Mütter berichteten von Zika-Symptomen meist im ersten Schwangerschaftsdrittel. Zehn Kinder hatten auffällige Augenschäden, zum Teil an beiden Augen. Am häufigsten war die Netzhaut geschädigt. Aber auch der Sehnerv, die Iris und die Linse waren angegriffen. Die Mediziner gehen davon aus, dass diese Befunde auf eine Zika-Infektion zurückzuführen sind. „Das Auge ist ein sehr verletzliches Organ“, sagt Meyding-Lamadé. Einzelne Todesfälle im Zusammenhang mit einer Zika-Virus-Infektion betrafen Menschen mit schweren Vorerkrankungen.

Die Verbreitungswege des Zika-Virus

Überträger des Zika-Virus ist vor allem die Mücke Aedes aegypti, die auch Dengue-, Chikungunya- und Gelbfieber verbreiten kann. Die Mücke ist tag- und nachtaktiv und kommt in Deutschland bisher nicht vor. Aber auch die asiatische Tigermücke Aedes albopictus kommt als Überträger des Zika-Virus in Frage – sie ist vereinzelt in Süddeutschland zu finden. Welcher Prozentsatz an Mücken mit dem Zika-Virus infiziert ist, ist unbekannt.

Für größere Zika-Virus-Ausbrüche sei vermutlich das Klima in Deutschland zu ungünstig. Zudem müsste sich eine Mücke erst selbst an einem Zika-Patienten infizieren, bevor sie einen anderen Menschen sticht und so das Zika-Virus weiterverbreiten könnte. In Deutschland gibt es derzeit nur wenige Zika-Patienten, die sich auf Reisen infiziert hatten. Bisher sind auch nur Einzelfälle bekannt, bei denen man zum jetzigen Stand davon ausgeht, dass das Zika-Virus durch sexuellen Kontakt übertragen wurde.

Eine Bestätigung, dass das Zika-Virus durch Geschlechtsverkehr übertragen wird, gibt es derzeit noch nicht, es könnte allerdings auch auf diesem Wege von Mensch zu Mensch übertragen werden. Virusbestandteile wurden auch in Urin, Sperma und Speichel nachgewiesen. Ob sich die Zika-Viren auch über diese Übertragungswege verbreiten können, versuchen aktuelle Untersuchungen zu klären.

Symptome einer Zika-Virus-Infektion

Eine Zika-Virus-Infektion verläuft oft asymptomatisch – die Betroffenen verspüren keinerlei Beschwerden. „Nur jeder Fünfte, der von einer mit Zika-Viren infizierten Mücke gestochen wird, infiziert sich“, sagt die Neurologin. Das heißt, dass die meisten von Mücken gestochenen Schwangeren keine Zika-Virus-Infektion und ihre ungeborenen Kinder keine Mikrozephalie entwickeln. Eine Untersuchung auf den pazifischen Yap-Inseln ergab, dass 63 Prozent der Bevölkerung Antigene gegen das Zika-Virus besaßen. Schwere Erkrankungen waren nicht aufgetreten.

Die häufigsten Symptome der meist leicht verlaufenden Zika-Virus-Infektion sind Hautausschlag, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Bindehautentzündung und Fieber. Die Beschwerden verlaufen aber milder als bei anderen Tropenkrankheiten, die durch Mücken übertragen werden, etwa Gelbfieber oder Dengue-Fieber. Die Symptome entwickeln sich meist drei bis sieben Tage nach einem infektiösen Mückenstich und dauern bis zu einer Woche an. Eine Behandlung im Krankenhaus ist in der Regel nicht nötig.